2012 (2)


Alle Jahre wieder…

Fragwürdiges Vergnügen zum Jahresende
(30.12.2012)

Das infolge der Böllerei in Deutschland jedes Jahr Brände, schwere oder sogar tödliche Unfälle auftreten, ist bekannt. Trotzdem ist ein Umdenken leider nicht in Sicht. Doch nicht nur viele Menschen leiden unter dem Lärm, auch die Natur wird missachtet, wie der nachfolgende Artikel beispielhaft zeigt.

„Panik zum Jahreswechsel

Das Silvesterfeuerwerk schreckt viele Vögel auf / Von Roland Knauer

BERLIN, im Dezember. Wenn Explosionen mit furchtbaren Donnerschlägen und grellen Blitzen die Stille und Dunkelheit zerreißen – dann fliehen Vögel panisch in die Luft, oft ein paar hundert Meter hoch, in Höhen, die sie sonst nie erreichen. Während sich also die Menschen am Silvesterfeuerwerk erfreuen, leiden die Vögel. Und mit ihnen die Ornithologen.

Norbert Schäffer, der Leiter der Abteilung Internationale Naturschutzpolitik und Artenschutz in der britischen Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), ahnt schon lange, dass ein Silvesterfeuerwerk bei Vögeln Panik hervorrufen kann. Weil die Tiere sich aber am Nachthimmel kaum beobachten lassen, fehlte bislang der wissenschaftliche Beweis für diese Annahme. Diesen liefert jetzt eine Forschergruppe um Willem Bouten von der Universität in Amsterdam mit einem Trick: Meteorologen nutzen schon seit vielen Jahren Radargeräte, um den Niederschlag zu beobachten. Diese Apparate senden Mikrostrahlen mit einer Wellenlänge von rund fünf Zentimetern aus, die nicht nur von Regentropfen, Schneeflocken und Hagelkörnern in der Luft, sondern auch von Feststoffen wie Rußpartikeln oder von Fledermäusen und Vögeln reflektiert werden.

Da sich die Echos solcher Substanzen voneinander unterscheiden, können die Forscher aus den Daten des Niederschlagsradars Signale herausfiltern, die von Regentropfen, Schneeflocken oder Vögeln erzeugt werden. Genau das machten sie vom Jahreswechsel 2007/2008 an in jeweils vier Nächten vom 30. Dezember bis zum 3. Januar mit den Wetterradarmessungen der niederländischen Station De Bilt. In jeweils drei dieser Nächte zeigte sich dabei immer wieder ein sehr ähnliches Bild: Sind bei Einbruch der Dunkelheit noch einige Vögel unterwegs, verschwinden ihre Echos rasch, weil die Vögel dann die Ruheplätze aufsuchen. Erst mit der Morgendämmerung werden sie wieder aktiv. Dann erscheinen auch ihre Radarechos wieder auf den Bildschirmen. Ganz anders war die Lage jeweils in der Silvesternacht. Bis Mitternacht unterschied sich das Verhalten der Vögel kaum von den Nächten davor oder danach, die Tiere schliefen offensichtlich friedlich. Schon wenige Minuten nach dem Jahreswechsel zeigten sich dann aber die Echos sehr vieler Vögel am Himmel. Über einer Fläche von einem Quadratkilometer flogen bis zu 2000 Enten und beinahe 10 000 kleine Vögel wie Meisen oder Amseln. Oft schienen die Tiere aus den dichtbesiedelten Gebieten zu fliehen, in denen erfahrungsgemäß das Silvesterfeuerwerk am heftigsten knallt und blitzt. Einige Vögel flogen bis in 1000 Metern Höhe über dem Boden, während sie tagsüber normalerweise in weniger als hundertMetern Höhe fliegen. Ganz offensichtlich waren die Vögel in Panik geraten.

Erst nach etwa 45 Minuten kehrte wieder Ruhe am Himmel ein: Nicht nur das Silvesterfeuerwerk, bei dem allein in den Niederlanden 10,8 Millionen Kilogramm Knallkörper und Raketen gezündet werden, neigte sich dem Ende entgegen. Auch die Vögel kehrten langsam an ihre Ruheplätze zurück, wie das Wetterradar zeigte. In der Zwischenzeit aber haben die panischen Tiere auf der Flucht vor dem Inferno viele Energiereserven verbraucht. „Diese Reserven aber könnten ihnen fehlen, wenn sie an kalten Wintertagen ohnehin kaum Futter finden“, sagt Ornithologe Schäffer, der auch Chefredakteur der Zeitschrift „Der Falke“ ist.

Das Silvesterfeuerwerk stört Vögel im Umkreis von Städten und Dörfern also erheblich, berichtet denn auch ein Artikel in der Januar-Ausgabe des „Falken“. Die Knallerei kann sogar auf lange Sicht die Überlebenschancen verschiedener Vögel verringern. Trotzdem fordert Norbert Schäffer nicht, auf Feuerwerk zu verzichten. „Aber zumindest in der Nähe von Schutzgebieten oder auch von größeren Wasserflächen, an denen besonders viele Vögel ruhen, sollte man die Knallerei besser bleibenlassen“, rät der Wissenschaftler und Naturschützer. Dabei denkt er nicht nur an das Silvesterfeuerwerk, sondern auch an Feste in der warmen Jahreszeit, die mit einem Feuerwerk für Menschen und Panikreaktionen für Vögel gekrönt werden.“


Textquelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29.12.2012, Seite 7


Inventur am Futterhaus

NABU Thüringen ruft zur Vogelzählung auf
(21.12.2012)

Der NABU Thüringen ruft zur „Stunde der Wintervögel“ auf. Vom 4. bis zum 6. Januar 2013 sind Naturfreunde herzlich eingeladen, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden.

Wenn es draußen kalt und frostig ist, freuen sich Vögel über ein gut gefülltes Futterhaus und Naturfreunde auf Vogelbeobachtungen vor der eigenen Haustür. Genau der richtige Zeitpunkt also für die "Stunde der Wintervögel". Jetzt kann man vor allem Vogelarten die bei Schnee und Kälte bei uns ausharren oder Deutschland als Wintergäste aus dem Norden besuchen, sehen. Im letzten Jahr haben sich fast 3.000 Thüringer an der Aktion beteiligt und es wurden 77.636 Vögel gezählt. Gefolgt von Kohlmeise und Blaumeise, war der Haussperling der am häufigsten gezählte Vogel im Freistaat. Mit bis zu 85.000 Teilnehmern und 2,6 Millionen gemeldeten Vögeln ist die "Stunde der Wintervögel" die größte wissenschaftliche Mitmachaktion in Deutschland. Sie liefert sowohl deutschlandweit als auch regional ein gutes Bild von der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern. Je mehr Menschen mitmachen, desto genauer sind die Ergebnisse. In diesem Jahr wird die Aktion unter anderem zeigen, ob sich die bundesweite Abnahme von Haus- und Feldsperlingen, Grünfink und Stieglitz fortsetzt.

Zur Unterstützung stehen Online eine Zählhilfe, Mitmachflyer, Porträts der häufigsten Arten sowie Tipps zur sinnvollen Winterfütterung und zum vogelfreundlichen Garten zur Verfügung. Die Beobachtungen können per Post oder einfach im Internet gemeldet werden.

Kontakt: NABU Thüringen, Leutra 15, 07751 Jena, Tel.: 03641/605704, E-Mail: lgs@nabu-thueringen.de, www.nabu-thueringen.de
Einsendeschluss ist der 14. Januar 2013.

Jürgen Ehrhardt
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Stunde der Wintervögel – Meldebogen


„Die Lasur in Gera – Artenvielfalt vor der Haustür“

Heft 38 aus der Naturwissenschaftlichen Reihe aus dem Museum für Naturkunde Gera neu erschienen
(20.12.2012)

(image-box-old: 2012/121215-3.jpg text: Titel Heft 38 „Lasur“ gera.de/fm/sixcms/222/Titel%20Heft%2038%20Lasur.jpg layout: vertical)

„Mit der neuen Publikation aus der Naturwissenschaftlichen Reihe Nr. 38 unter der Thematik „Die Lasur in Gera – Artenvielfalt vor der Haustür“ präsentiert das Museum für Naturkunde wieder aktuelle Regionalforschung aus Ostthüringen mit einem ganz besonderen Bezug zur Stadt Gera. Das Themenheft widmet sich einem naturkundlichen Kleinod im Südosten der Stadt. Die Lasur fasziniert seit Jahrhunderten nicht nur Naturwissenschaftler und Hobbyforscher, sondern besitzt auch gegenüber dem naturinteressierten Spaziergänger eine besondere Anziehungskraft. Die vorliegende Publikation beleuchtet die reiche Naturausstattung der Lasur aus fachlicher Sicht und liefert nach einer fundierten Beschreibung des Gebietes wertvolle Informationen zum Biotop sowie zur Tier- und Pflanzenwelt.

Hergestellt wird der Zusammenhang zu historischen Nutzungsformen, die zur Entstehung eines kleinräumigen Mosaiks von Lebensräumen führten. Diese reichen von den Wäldern der Nordhänge, den Trockenwäldern in West- und Südlage über Säume und wärmeliebende Gebüsche bis zu Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen und Gartenland. Hier wurde im Rahmen eines Schutzwürdigkeitsgutachtens intensiv geforscht. So enthält die Publikation Beiträge zu Farn- und Blütenpflanzen, zu vorkommenden Orchideenarten, zu Moosen, Flechten und Pilzen, zur Vogelwelt und ebenso zur Vielfalt der Käfer, Wildbienen u. a. Auch Informationen zur Siedlungs- und Nutzungsgeschichte dieses wertvollen Landschaftsteiles werden vermittelt. Eine besondere Bedeutung besitzt das Thema der „Lasur“, da aktuell intensive Bemühungen zur Unterschutzstellung dieses wertvollen Landschaftsteiles im Gange sind, die bereits erstmalig in den 1930er Jahren deutlich und engagiert formuliert wurden. Mit den Beiträgen dieser 38. Ausgabe der Naturwissenschaftlichen Reihe der Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Gera verbindet das Haus die Einladung, diese verschiedenen Gesichter der Lasur in ihrer Einzigartigkeit genauer kennenzulernen. Gleichzeitig will es mit dem fachlichen Sachverstand aller Autoren zur Erhaltung und zum Schutz dieses wertvollen Lebensraumes „vor der Haustür“ beitragen. Erhältlich ist die Publikation im Museum für Naturkunde und in Buchhandlungen der Stadt Gera.“


Textquelle


Aktuelles Programm für 2013 der Naturschutzjugend Thüringen

(15.12.2012)

Liebe NAJU´s und Naturfreunde,

unser aktuelles Programm für das Jahr 2013 kann über folgenden Link abgerufen werden: NAJU-Programmheft

Auch im nächsten Jahr können wieder Kinder, Jugendliche, junge Erwachse und Familien bei unseren Veranstaltungen die heimische Natur genießen. Ornicamps, Wildlife-Kurse, Erlebniswochenenden und Ferienfreizeiten laden in die Natur ein. Neu im Programm ist eine eigene Jugendleiterschulung – Schwerpunkt Naturpädagogik – für alle ab 15 Jahre, die als TeamerIn eine Veranstaltung oder als LeiterIn eine Gruppe mit Kindern oder Jugendlichen betreuen möchten. Die Veranstaltung ist auch für Erwachsene über 27 Jahre geeignet.
Ab Januar schicken wir auf Anfrage gerne auch das gedruckte Programmheft zum Verteilen an Freunde zu. ( Das NAJU-Büro ist in der Zeit vom 19. Dezember bis 6. Januar nicht besetzt.)


Naturschutzjugend Thüringen / Leutra 15 / 07751 Jena
Tel.: 03641-215410 / www.naju-thueringen.de


Entschlämmung des Birkhäuser Teiches abgeschlossen

(09.12.2012)

(image-hero-old: 2012/121209.jpg text: Foto: Christoph Kummer, NABU Gera-Greiz e.V.)

Am 5. Dezember wurde die Entschlämmung des Birkhäuser Teiches offiziell – d.h. „auf dem Papier“ – abgeschlossen. Die eigentlichen Arbeiten am und im Teich waren schon vorher beendet worden, trotz zahlreicher Erschwernisse. Inzwischen führt der Teich wieder Wasser und verfügt über einen soliden Zulauf. Das Foto zeigt den Wasserstand am 05.12.2012 und anhand der Länge des Mönches ist zu erkennen, wie viel – mehr als vor Beginn der Arbeiten geschätzt – Schlamm entfernt wurde. So bestehen für Moorfrosch & Co. beste Aussichten, 2013 hier ungestört laichen zu können …

Dem Projektleiter, Herrn Christoph Kummer und dem zuständigen Naturschutzbeauftragten, Herrn Lutz Wolfram, sowie allen weiteren Helfern sein an dieser Stelle für ihren Einsatz, der oft nervenaufreibend und anstrengend war, herzlich gedankt!


Das Projekt wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.
Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.


Faszination Wolf

(25.11.2012)

(image-box-old: 2012/121105.jpg text: Foto: Copyright Tanja Askani / Fishing4 layout: vertical)

Die Multi-Media Lesung am 15.11.2012 war Erlebnis, welches den Teilnehmern gewiß unvergessen bleiben wird. Über dreißig Teilnehmer erlebten einen spannenden und höchst informativen Bericht über die Wölfe im Yellowstone-Nationalpark in den USA. Die Referentin Elli Radinger berichtete aber auch über ihre Zusammenarbeit mit Wolfsforschern des NABU in Deutschland beim Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen der Wolfsforschung.

Siehe auch: www.vogtlandspiegel.de/elli-radinger-wolfskusse/

Der NABU dankt Herrn Detlef Krüger (Greiz) für die umfassende Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltung wie auch allen Sponsoren – der Buchhandlung “Bücherwurm!” Greiz, dem Partyservice Böttcher Greiz, der Firma Steiniger-Versicherungen Greiz und der Firma Zölle-Reisen Greiz – für ihre Unterstützung.


Ziegen im Einsatz für den Naturschutz

(24.11.2012)

Am 27. November lädt das Naturkundliche Museum Mauritianum Altenburg zum Biologischen Kolloquium ein. Dipl.-Ing. (FH) Daniel Elias (Hochschule Anhalt, Bernburg) wird über „Das Ziegenbeweidungsprojekt im Unteren Saaletal – Ergebnisse der Erfolgskontrollen und Methoden des Flächenmanagements“ berichten. Über Jahrhunderte hinweg wurden die sehr artenreichen Magerrasen im Unteren Saaletal mit Schafen und Ziegen beweidet. Durch diese Nutzungsform entstanden blütenreiche, gebüsch- und baumarme Flächen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten der Trocken- und Halbtrockenrasen Lebensraum boten. Mit der Aufgabe dieser traditionellen Bewirtschaftung vergrasten und verbuschten viele Standorte. Die aufkommenden Gehölze verdrängen die licht- und wärmeliebenden Tier- und Pflanzenarten. Vor diesem Hintergrund wurde das vom Land Sachsen-Anhalt geförderte Ziegenprojekt initiiert. Da die einheimischen Ziegenrassen weniger für diese Art der Landschaftspflege geeignet sind, kommen Burenziegen zum Einsatz. Für die Betreuung der Herden konnten einheimische Landwirte gewonnen werden. Der Referent wird über die ersten Erfolge des Projektes Auskunft geben.

Das Kolloquium beginnt um 18 Uhr.


Elli Radinger: Wolfsküsse

Mein Leben unter Wölfen
(05.11.2012)

(image-box-old: 2012/121105.jpg text: Foto: Copyright Tanja Askani / Fishing4 layout: vertical)

Gibt es den „Wolfsvirus“?

Wenn ja, dann trägt auf jeden Fall die Fachjournalistin und Autorin zahlreicher Tier- und Naturbücher – Elli Radinger – diesen in sich.
Der Wolf – reißende Bestie oder unverstandener Außenseiter?
Erobert sich der Wolf West-Europa zurück?
Wie kommt eine erfolgreiche Rechtsanwältin dazu, ihren sicheren Job an den Nagel zu hängen und sich immer wieder in die Wildnis des Yellowstone – Nationalpark in Wyoming zu begeben um lange Zeit mit und unter Wölfen zu leben?
Warum gründete diese Frau gemeinsam mit anderen 1990 die „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ und warum ist sie so engagiert bei der Erforschung des Lebens der Wölfe?
Was treibt diese Frau dazu, durch die Lande zu reisen und ihr Wissen um das Leben und die Gefahren für diese Tiere anderen Menschen mitzuteilen?

All diese und andere Fragen werden auf einer Buchlesung mit der Autorin beantwortet.
Der NABU Kreisverband Gera-Greiz e.V. organisiert gemeinsam mit der Buchhandlung „Bücherwurm“ und Zölle-Reisen aus Greiz diese Lesung und hat dazu weitere NABU Wolfs-Experten eingeladen.

Termin: 15. November 2012
Ort: Buchhandlung „Bücherwurm“, Markt 2, Greiz
Beginn: 18:00 Uhr
Eintritt: 5,00€ (incl. Pausensnack – Menü- und Partyservice Böttcher Greiz)

Kartenreservierungen: 03661/3012


Seine eigenen Naturschutzkalender gestalten!

(04.11.2012)

(image-hero-old: 2012/121104.jpg text: Homepage von www.prints4nature.de)

Mit der Gestaltung (s)eines eigenen Kalenders ist die Unterstützung der NABU-Arbeit am Frießnitzer See möglich: prints4nature.de


greiz.otz.de/web/greiz/startseite/detail/-/specific/Greizer-Initiative-unterstuetzt-Friessnitzer-See-245616518


Informationsveranstaltung „Bibervorkommen in Thüringen und Konfliktprävention in Biberrevieren“

(17.11.2012)

Am Dienstag, den 27. November 2012 findet um 17:30 Uhr die Informationsveranstaltung „Bibervorkommen in Thüringen und Konfliktprävention in Biberrevieren“ in Schleiz in der August-Bebel-Str. 9 (Evangelisches Gemeindehaus) statt.

(image-box-old: 2012/121117.jpg text: Biberratte (Myocastor coypus)
Foto: Leo/fokus-natur.de)

Seit einigen Jahren ist der Biber wieder in Thüringen heimisch. Er breitet sich stetig aus und ist mittlerweile auch im Saale-Orla-Kreis angekommen. Aus aktuellem Anlass möchten wir Sie daher zu folgender Veranstaltung herzlich einladen. Die Referenten Dr. Siegfried Klaus (Jena) und Karl-Andreas Nitsche (Dessau) geben faszinierende Einblicke in das Leben des kräftigen Nagers sowie Informationen über praktische Präventivmaßnahmen in Biberrevieren. Im Anschluss an die Vorträge gibt es genug Raum, um Fragen zu stellen und gemeinsam zu diskutieren.

Eingeladen sind alle Interessierten, Anwohner, Vertreter von Verbänden, Landnutzer, die örtlich zuständigen Behörden usw. Der Eintritt ist frei.

Bei Rückfragen: marcus.orlamuender@nabu-thueringen.de


Neuerscheinungen im Laurenti-Verlag

(21.10.2012)

Hinweis auf drei empfehlenswerte drei Neuerscheinungen:

  • Heiko Uthleb: Die Geburtshelferkröte
  • Birgit Gollmann & Günter Gollmann: Die Gelbbauchunke (2. Auflage)
  • Zeitschrift für Feldherpetologie Heft 2, 2012

www.laurenti.de

Informationen zu den Neuerscheinungen im Laurenti-Verlag


Weiter wie bisher auf Kosten kommender Generationen …

Lupenreines Beispiel für Lobbyarbeit – ohne Kommentar
(19.10.2012)

Quelle: www.tbv-erfurt.de/homeframe.htm

16.10.2012Workshop zur Feldmausbekämpfung in Pfiffelbach

Am 15. Oktober kamen in Pfiffelbach 140 Vertreter des Berufsstandes und Behörden zu einem Erfahrungsaustausch zur Mäuseplage 2012 zusammen. Nach Impulsreferaten von verschiedenen, hochkarätigen Referenten wurde rege diskutiert. Fazit war, bei Massenbefall hilft nur eine reguläre breitflächige Applikation um den Mäusefraß zu stoppen. Offen bleibt die Frage wie und wer die Wiederzulassung von Chlorphacinon für die flächige Bekämpfung von Feldmäusen voran treiben kann. Hier sind jetzt die Landwirtschafts- und Umweltpolitik sowie der Deutsche Bauernverband (DBV) gefragt, eine neue Evaluierung des ökotoxikologischen Berichts zu Chlorphacinon in Gang zu bringen. Erst dann ist ein Wiederzulassungsantrag sinnvoll. Enttäuschend war für die Landwirte, dass die Politik das Prozedere auf die Industrie und den Berufsstand abzuschieben gedenkt. Kritisch wurde bemerkt, dass trotz der Ausnahmegenehmigung vom 24. September es viel zu lange dauerte, bis die Allgemeinverfügung veröffentlicht wurde. Auch die Anträge für die flächige Ausbringung liegen bereits seit einer Woche bei den zuständigen Landwirtschaftsämtern und wurden bisher noch nicht genehmigt. Der Thüringer Bauernverband (TBV) fordert dringlich eine EU-Wiederzulassung von Chlorphacinon für die flächige Ausbringung.


Zukunftskatalog Thüringer Landwirtschaft 2020


Versuch der Vermittlung zwischen heute unlösbaren Widersprüchen(?)

Grundübel der gnadenlosen Profitorientierung
(22.10.2012)

Quelle: www.stiftung-naturschutz-thueringen.de/stiftung/stiftung-aktuell/einzelansicht/view/thueringer-naturschutzpreis-fuer-kooperationsprojekte-vergeben-kopie-1.html

Naturschutz durch Naturnutzung – Naturschutz durch Kooperationsprojekte mit Flächennutzern

Nur von einem Punkt auf den Hügeln
Sieht man das Land, wie es wirklich ist.
Nur in der Furcht des Verlustes
Weiß ich wirklich, was du mir bist.

Diese vier Zeilen stammen von Eva Strittmatter. Wer einen Preis auslobt will das Besondere hervorheben, zeigen, was über das Normale hinausweist, auch Überblick gewinnen: Was gibt es eigentlich, wie weit sind wir, was ist modellhaft? Nur von einem Punkt auf den Hügeln sieht man das Land, wie es wirklich ist. Der Thüringer Naturschutzpreis nimmt das Land in den Blick und hebt das Besondere über das Alltägliche. In der Hoffnung, dass das Besondere alltäglicher werden möge. Die heute ausgezeichnet werden, sind Pioniere, andere sollen nachkommen.

Das ist die eine Seite der heute zu überreichenden Medaillen. Die andere findet sich auch in den Zeilen von Eva Strittmatter: Nur in der Furcht des Verlustes weiß ich wirklich, was du mir bist. – Der Preis ist auch getrieben von der Sorge um Natur und Landschaft. Ein Hinweis auf die Gefährdung.

Vor genau 50 Jahren hat Rachel Carson ihr Buch "Der stumme Frühling" veröffentlicht. Sie hatte wie nie zuvor auf die Folgen des Pestizideinsatzes für Menschen und Tiere aufmerksam gemacht, insbesondere das Vogelsterben. In der Folge wurde DDT in den USA verboten. Selbst der Präsident hatte das Buch gelesen. Alle von Rachel Carson befürchteten Folgen – auch die, die spekulativ waren, die sie mehr gefühlt als gewusst hat – sind bestätigt und gehören heute zum "Pestizidwissen". Ein halbes Jahrhundert später konstatieren wir, dass der Pestizideinsatz in Deutschland seit 1994 um ein Drittel gestiegen ist – und es stiller geworden ist über unseren Äckern. So oft der Kuckuck ruft, so viele Lebensjahre hast du noch, sagt der Volksmund. Wir hören ihn nur noch halb so oft. Der Bestand an Ackervögeln ist in den vergangenen fünf Jahren weiter zurückgegangen, halbiert in den vergangenen 15 Jahren. Die Rebhühner sind gar auf ein Fünftel geschrumpft, Braunkehlchen auf ein Drittel. Es ist schlecht bestellt um Haubenlerche, Wiesenpieper und Ortolan.

Es scheint recht und billig, mit dem Finger auf die Landwirtschaft zu zeigen und sie als die Schuldige auszumachen. Ist es das, ist es recht? Zu billig ist es auf alle Fälle, einfach zu einfach.

In Jahrhunderten umweltverträglicher Landnutzung sind unsere Kulturlandschaften entstanden, ist Heimat geprägt worden – und damit unmerklich verbunden eine größere Arten- und Biotopvielfalt. Wir sehen heute – in der Furcht des Verlustes – dass das nicht mehr selbstverständlich ist. Aber denen, die den Strukturreichtum geschaffen haben, jetzt vorzuwerfen, sie würden ihn achtlos einem rein wirtschaftlichen Interesse preisgeben, ist so, als würden wir den Landwirten vorwerfen, ihr Herz hätte aufgehört zu schlagen. Unsere Kulturlandschaften sind umstellt vom Preisdruck, von Nahrungsmittelimporten zu Dumping- Preisen, von Transporten, deren Kosten nicht die ökologische Wahrheit sagen, so dass Äpfel aus Südtirol, die dort die Kulturlandschaft zur Monokultur verkommen lassen, hier dafür sorgen, dass Streuobst unterm Baum verfault.

Eine befreundete Familie hat im Grenzland zwischen Hessen und Thüringen auf 200 Hektar Ökolandbau betrieben. In einem Weihnachtsbrief schreiben sie: "Wir sind ab Neujahr keine Ökobauern mehr. Lange Zeit war uns das nicht vorstellbar. Aber zu einer umweltgerechten, schöpfungsbewahrenden Landwirtschaft gehört eben nicht nur ein schonender Umgang mit Ressourcen und tiergerechte Haltungsformen, sondern auch ein verantwortlicher Umgang mit den eigenen physischen und psychischen Kräften, ein menschengerechtes Arbeits- und Lebensumfeld und nicht zuletzt auch die Aufrechterhaltung einer wirtschaftlichen Existenz. Aber für diese die Menschen betreffenden Komponenten gibt es weder 'Anbaurichtlinien', noch Kontrollen."

Die Landwirtschaft zum Sündenbock zu machen, ist weder fair, noch wird uns das aus dem Dilemma helfen. Ebenso fatal ist es, den Naturschutz zum Feindbild gegenüber der Landwirtschaft zu brandmarken. Es hat eine Gesellschaft noch nie vor den Katastrophen bewahrt, diejenigen an den Pranger zu stellen, die schlechte Nachrichten verkünden.

Wir pflegen in der Gesellschaft das Schwarze-Peter-Spiel, darauf bedacht, dass die Probleme nicht an mir kleben bleiben. Die Landwirtschaft soll gefälligst extensiver wirtschaften, sagen die Naturschützer. Darauf die Landwirte: Würden wir, geht aber nicht, nur mit weiterer Intensivierung können wir die Preise halten. Wir könnten extensivieren, aber dann müssten auch Preise gezahlt werden, mit denen wir existieren können. Damit wäre der Schwarze Peter bei denen, die mit Lebensmitteln handeln, auf- und verkaufen und eine – gegenüber den Landwirten – gnadenlose Billigpreispolitik fahren. Von hier aus lässt sich die Karte weiterspielen an uns, die wir nicht bereit sind, beim Einkauf der Lebensmittel auch noch Braunkehlchen, Wiesenpieper und Kiebitz mit zu bezahlen – zumal man die nicht ohne weiteres essen kann. So werden die Probleme auf dem Karussell der Verantwortlichkeiten im Kreis bewegt, aber nicht gelöst.

Diese Kreislaufstörungen der Gesellschaft können durchbrochen werden. Einzelnen Akteuren, die auf besondere Weise berührt sind, denen gelingt das, Menschen, die beseelt sind von einer Idee, die aus dem Hamsterrad aussteigen und unternehmerisch den Geldfluss in eine andere Richtung lenken. Auch deshalb halte ich nichts davon, von der Landwirtschaft zu reden. Die gibt es schon lange nicht mehr. Landwirte sind Menschen, die in und mit der Natur arbeiten, die von ihr leben, die von ihr leben müssen und daran auch verzweifeln und zerbrechen können. Rede ich von der Landwirtschaft kann ich nur statistisch konstatieren, was sie bedeutet für den Naturschutz. Rede ich von Landwirten, wird es menschlicher, weil Menschen sich berühren lassen, weil sie die Fähigkeit zum Mitleiden haben, ansprechbar sind, bewegt werden können – und manche sich dann auch bewegen.

Nicht die Landwirtschaft hat sich um den Thüringer Naturschutzpreis beworben, sondern Landwirte, Menschen, die sich kümmern. Einzelfälle, vor denen die Gesellschaft den Hut ziehen kann – und heute auch zieht! Sie, die sie ausgezeichnet werden, stehen dafür, dass die Entfremdung zwischen Landnutzung und Mutter Erde nicht hingenommen werden muss. Die eingereichten Unterlagen sind getragen vom Respekt vor der Natur und auch von der Verbissenheit, entgegen allem Trend etwas zu erreichen.

Auflösen kann das Schwarze-Peter-Spiel letztlich aber nur die Politik. Es ist eine politische Aufgabe, die unterschiedlichen Interessen abzuwägen und am Gemeinwohl auszurichten. Es ist gerade nicht ihre Aufgabe, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen und Lobbygruppen auf den Leim zu gehen, zumal wir es zwischen Landwirtschaft und Naturschutz nicht mit ausgewogenen Verhältnissen zu tun haben. Nicht mehr lange und Zugvögel werden vergiftete Mäuse zu fressen bekommen. Sie haben in der Abwägung, was das Gift für die Vögel bedeutet, gegenüber dem, was es für die Bauern bedeutet, kein Gift zu streuen, verloren. Darin, dass wir in Thüringen ein Ministerium haben, das für Umwelt wie für Landwirtschaft zuständig ist, läge eine Chance, die Dinge zusammen zu denken, also – im ursprünglichen Sinne des Wortes – ökologisch zu handeln. Aber diese Zusammenlegung entpuppt sich oft genug als Handicap. Wie soll der Minister die gegenstreitenden Interessen auflösen? Oft kann er nur noch mit warmen Worten versuchen, dass die Seite, die über den Tisch gezogen wird, die Reibungswärme als Nestwärme empfindet. Ich mache das gar nicht zum Vorwurf. Es ist ein strukturelles Problem.

Aufgelöst wird es durch Abgrenzung. Dem Naturschutz wird genüge getan durch Ausweisung. 60 % der Thüringer Landesfläche stehen unter Schutz, aber nur 15 % unterliegen Auflagen aus Naturschutzsicht. Die anderen 45 % helfen der Natur nur mittelbar. Ein Naturpark hilft uns, zu verstehen, dass da ein besonderer Naturraum ist, der eigentlich eines Schutzes bedarf. Er ist ein Schild, mehr ein Vorzeigen als ein Davorstellen; damit lassen sich Touristen anlocken, aber so manche zugebaute Aue hat sich über den Naturpark auch schon totgelacht.

Mit der Ausweisung von wirksamen Schutzgebieten allein hat der Naturschutz keine Chance. Mit der Bereitschaft, Flächen aus der Nutzung zu nehmen, werden allzu oft die übrigen Flächen einer ungebremst intensiven Nutzung preisgegeben. Das ist der Deal. Deshalb können Naturschutzgebiete immer nur Modell sein für ähnliche Naturschutzgebiete, ein Nationalpark für den anderen, nicht aber für den Naturschutz überhaupt. Wir brauchen Naturschutz, der weniger in Inseln und mehr in der ganzen Fläche denkt. Das aber geht nur gemeinsam mit der Nutzung, einer naturerhaltenden Nutzung. Wir brauchen Modelle für einen Naturschutz, der nicht auf Unterschutzstellung angewiesen ist. Wie können wir aus dem Besonderen der drei Modelle, die ausgezeichnet werden, das Alltägliche werden lassen?

Haben Sie noch im Gedächtnis, wie die Rückseite unseres alten 50-Pfennig-Stückes aussah. Da war eine Frau zu sehen, die einen Baum pflanzt, eine Eiche, mit Blättern. Forstlich war das natürlich falsch, man pflanzt ja Wurzelnacktes nicht mit Blättern. Aber treffend war dennoch ausgedrückt, dass wir uns mit Geld lenken lassen. Die Politik kann steuern mit den Steuern. 2014 wird die EU-Förderpolitik umgestellt. Bisher ist die Förderung für die Landwirtschaft naturschutzfachlich eher kontraproduktiv. Wer nicht jeden Quadratmeter nutzt, setzt seine EU Fördermittel aufs Spiel. Hier wird der Naturschutz zerrieben zwischen den Paragrafen der Fördermittelrichtlinien. Kaum jemand will riskieren, von einem Brüssler Bürokraten mit einer Hecke am Ackersaum erwischt zu werden und geht vorsichtshalber auf die konventionelle Seite, weil es die sichere ist.

Das soll sich ändern. Der Landwirtschaftskommissar will die Vergabe von Fördermitteln zukünftig auch daran binden, dass 7 % der Fläche vorrangig dem Naturschutz zu dienen haben. Umweltverbände fordern 10 %. Es ist legitim, von dem Geld, das wir alle aus Steuern aufbringen, damit auch in Richtung dessen zu steuern, was die Gesellschaft verabredet hat: "Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen ... zu schützen", so lautet § 1 des Bundesnaturschutzgesetzes.

Der Naturschutz in der Fläche liegt im Gemeininteresse. Mit der Umstellung der Förderpolitik bietet sich eine einmalige Gelegenheit, aus dem, was wir längst wissen, ein Wollen werden zu lassen, einen Hebel herumzulegen. Diese Art, Naturschutz zu betreiben, wäre der Durchbruch im Offenland. "Pritzelkram ist der Naturschutz, so wie wir ihn haben. Die Naturverhunzung arbeitet 'en gros', der Naturschutz 'en detail'", so hat Hermann Löns 1911 gehöhnt. Naturschutzpolitik erscheint uns auch heut mitunter kümmerlich und hilflos. 1998 gab es ein Kolloquium unter der Schirmherrschaft des Thüringer Ministers für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt zum Einfluss der Großflächenlandwirtschaft auf die Flora. Später publiziert mit einem Vorwort des Ministers. Darin wird von einer drastischen Verknappung von Lebensräumen von Pflanzen und Tieren und auch der Landschaft gesprochen und davon, dass dies eine Herausforderung für die Landwirtschaft zu sein hat. Und weiter? Bei dem Kolloquium wurde zutage befördert, dass die Artenvielfalt am deutlichsten ansteigt, wenn der Feldrain von einem halben auf einen Meter verbreitert wird, und zwar von 20 auf 50 Arten. Ideal wären 3 Meter, dann hätten wir zwischen 60 und 70 Arten. Wie weit sind wir damit? Das ist 15 Jahre her. Die Waldränder sind die Finger an der Hand des Waldes, hier steppt der Bär, hier spielt sich 60 % des Waldlebens ab. Wie weit sind wir damit, nicht bis an die Stämme zu grubbern? Vor zwei Wochen wurden auf einer Konferenz Ideen laut, zwischen die Maisschläge Streifen mit Ackerwildkräutern zu säen. Wie weit wollen wir damit sein in 15 Jahren?

Die Griechen unterscheiden in Chronos, die Zeit, und in Kairos, den rechten Zeitpunkt. Jetzt ist der Kairos, das Besondere über die EU-Förderpolitik alltäglicher werden zu lassen. Zeit ist es längst, aber jetzt ist die Zeit! Sollte es eine Thüringer Naturschutz-Politik, nicht nur Naturschutz- Verwaltung geben, dann müsste sie jetzt einschwenken.

Und bitte, wer diesen neuen Ansatz jetzt ausspielt gegen den Hunger in der Welt und meint, die Anbauflächen würden gebraucht, um die Menschen alle satt zu machen, der landet aber punktgenau bei den Subventionen von denen er lebt und an denen andere verrecken, nämlich wieder bei der EU-Förderpolitik. In Afrika wird die kleinbäuerliche Landwirtschaft gnadenlos zerstört, weil in Europa billig produziertes Fleisch, Obst und Gemüse die Märkte überschwemmt, halb so teuer wie die Produkte, für die sich ein Bauer am Stadtrand abschindet, ohne nur in die Nähe des Existenzminimums zu kommen. Jean Ziegler war UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Er sagt: "Es gibt keine Fatalität mehr. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet." Aber nicht, weil wir hier einen Ackerrandstreifen verbreitern.

Natürlich darf eine reduzierte Anbaufläche und ein geringerer Ertrag nicht die Spirale einer noch intensiveren Landbewirtschaftung weiterdrehen. Das rührt an die Preispolitik und letztlich auch an uns als Verbraucher. Bei dem schwarzen Peter-Spiel bleibt der Schwarze Peter am längsten in der Hand der Verbraucher. Letztlich geht der Druck auf die Preise auf uns Konsumenten zurück. Die Bereitschaft, für Lebensmittel so viel zu zahlen, dass die Bauern davon leben und wir Natur und Landschaft erhalten, ist nicht gerade ausgeprägt. Wir geben noch 15 % unserer Einkommen für die Ernährung aus, in den 50er Jahren war es die Hälfte. Verschoben haben sich zudem noch die Essgewohnheiten. Den Sonntagsbraten gibt es immer noch, aber dazwischen liegen vier bis fünf Schnitzel und Bratwürste. Der jährliche Pro-Kopfverzehr in Deutschland liegt bei 88 kg, macht 1,6 kg pro Woche. Um die Wochenration zu produzieren, werden 11 bis 25 kg Getreide gebraucht. Auf der dafür benötigten Fläche ließen sich im selben Zeitraum 320 kg Tomaten oder 5 Zentner Kartoffeln ernten. Fleischverzehr bedeutet auch: Lebensmittelvernichtung.

Ich erwarte von der Politik, dass sie uns das vorhält. Oh ja, wir sind versessen und verfressen auf unsere Bratwurst. Und ja, es ist ein Stück Thüringer Identität. Der Höhenzug des Thüringer Waldes hat – aus der Ferne betrachtet – die Krümmung einer Bratwurst. Aber mindestens so oft, wie sich Politiker dabei fotografieren lassen, wie sie in eine fett- und senftriefende Bratwurst beißen, sollten sie sich zum Posieren vor die Landschaft stellen. In Landschaften liegt die politische Überzeugungskraft verborgen.

Aber was viele Menschen anrührt, ist die Landschaft an sich. Was für ein Drang da in uns wohnt, auf jeden Hügel zu steigen, um sich am Blick in die Landschaft zu ergehen. Wir Deutschen sind empfänglich für Landschaften, ja, man kann uns damit sogar besoffen reden. Gewerbepark. Abfallentsorgungspark. Chemiepark. Und drei durchgesessene Sofas heißen Wohnlandschaft. Hinter dem bekanntesten Zitat von Helmut Kohl – seiner Rede von den blühenden Landschaften – wurde Landschaft auf- und ab- und ausgeräumt, her- und hin- und zugerichtet. Flurbereinigt. Ganze Berge versetzt, versetzt im Pfandhaus des Aufschwungs. Viele haben schon nach fünf Jahren die Landschaften ihrer Kindheit nicht mehr wiedergefunden – und vermisst. Was verändert sich für mein Leben, wenn sich Landschaften verändern? Heute merken wir eher, dass Wohlstand auch bedeutet, Natur erleben zu können. Heute rührt sich Widerstand gerade bei den großen landschaftsfressenden Projekten.

Die Naturlandschaft fasziniert uns, weil sie so selten ist, weil wir spüren können, wie es gewesen ist, wie das gemeint war mit der Natur. Hier wird die Sehnsucht nach dem Jungfräulichen genährt, dem Reinen, dem Ehrlichen – und mittlerweile sind wir so erwachsen, dass wir diese Naturlandschaften betrachten können ohne dass wir uns vorstellen müssen, wie bereichernd da jetzt ein Gewerbepark wäre. Wir sind am Ende des 20. Jahrhunderts auf einen Hügel gestiegen und haben zurückgeschaut auf ein Jahrhundert Industrialisierung: Nur von einem Punkt auf den Hügeln sieht man das Land, wie es wirklich ist. Nur in der Furcht des Verlustes weiß ich wirklich, was du mir bist.

Auch Kulturlandschaften rühren uns, weil sie uns Heimat sind. Wir alle sind geprägt von der Landschaft, in der wir geboren wurden. Hier sind wir geborgen, in der Kontur einer Landschaft lesen wir das Buch unserer Kindheit. In den Wiesen haben wir gespielt, in dem Bach gebadet, in den hohlen Weiden uns versteckt. In einer Naturlandschaft kann sehr einsam sein, wer Tiere und Pflanzen noch nicht als seine Schwestern und Brüder ansieht. Eine Kulturlandschaft heißt einen immer willkommen, lädt einen ein, zeigt Wege, durch diesen Weinberg zu streifen, einen Apfel zu pflücken. Wir merken die Sorgfalt, je mehr, umso mehr fühlen wir uns geborgen, weil dahinter Menschen zu vermuten sind, die sich kümmern, liebevoll. Davon leben wir ja selbst, dass sich jemand, wie um eine Landschaft, um uns kümmert. Es ist schön hier, sagen wir dann, ich möchte einen Moment bleiben.

Lassen Sie uns mehr Landschaft wagen!
Herzlichen Glückwunsch denen, die uns vormachen, wie das gehen kann.


Ralf-Uwe Beck
Ehrenvorsitzender BUND Thüringen
rubeck@t-online.de
0172-7962982


Interessante bevorstehende Termine im Museum für Naturkunde Gera

Pressetexte
(18.10.2012)

Pressetext: Museum für Naturkunde Gera – Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera e.V.
Die Europäische Lärche – Baum des Jahres 2012

Am Donnerstag, 29. November 2012, 19.00 Uhr, steht die Europäische Lärche im Mittelpunkt der beliebten Vortragsreihe zum gekürten „Jahresbaum“ im Museum für Naturkunde Gera. Die Europäische Lärche ist von ihrer natürlichen Verbreitung her ein Baum der Bergwälder in den Alpen. Auffällig ist ihre spektakuläre Herbstfärbung, die den Begriff „goldener Herbst“ mitgeprägt hat. Als einzige mitteleuropäische Nadelbaumart wirft sie jährlich ihre Nadeln ab, damit ist sie an große Klimaextreme hervorragend angepasst. Die mächtigsten und ältesten Lärchen sind in der Schweiz zu finden mit mehr als drei Metern Stammdurchmesser. Die filigranen, lichtdurchlässigen Lärchen mit ihrem hellgrünen Frühjahrsaustrieb sind aber auch als Garten-, Park- und Stadtbaum gut geeignet. Der interessante Abend zur Biologie und Kulturgeschichte der Europäischen Lärche wird gestaltet durch die Hochschuldozentin Dr. habil. Helga Dietrich aus Jena, die u. a. langjährig als wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens der Friedrich-Schiller-Universität fungierte, und Uwe Conrad aus Gera, der durch den Kalender „Starke Bäume“ überregional bekannt ist. Sein besonderes Interesse gilt an diesem Abend besonderen Lärchen, die er in Ostthüringen aufgespürt hat sowie Pilzen und Insekten, die den Baum besiedeln. Die Gehölzfreunde in der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera e.V. laden alle interessierten Baum- und Naturfreunde herzlich zu dieser Veranstaltung in den Barocksaal des Museums für Naturkunde ein.


Pressetext: Museum für Naturkunde Gera
„Museumsakademie“ – Die Arbeit des Präparators – Sonderführung in der Kabinettausstellung „Natur kommt ins Museum“

Am 14. November 2012 startet um 15.00 Uhr im Museum für Naturkunde Gera wieder die Museumsakademie. „Ist das echt?“ ist dort eine oft gestellte Frage. Die Antwort darauf gibt an diesem Nachmittag Museumspräparator Rainer Michelsson. Sein Arbeitsplatz – das Museum für Naturkunde Gera – bewahrt unterschiedlichste Naturobjekte wie Vogeleier, Gesteine, Pflanzenherbarien, Fruchtkörper von Pilzen, Vögel, Säugetiere und Insekten. Die meisten Sammlungsobjekte müssen konserviert werden – das ist die Arbeit des Präparators. Die Methoden der modernen Präparation basieren zwar auf dem Wissen und der Erfahrung der „alten Meister“, werden jedoch durch zahlreiche neue technische Möglichkeiten ergänzt und erweitert. Die oftmals sehr komplizierte Arbeit besteht u. a. aus dem Anfertigen klassischer Tierpräparate, die möglichst täuschend echt aussehen sollen. Besucher haben somit die Möglichkeit, ein Tier sehr intensiv und ausführlich aus der Nähe zu betrachten – das wäre in der Natur unmöglich. Darüber hinaus werden im Museum für Naturkunde Gera beispielhafte neuartige Präparate hergestellt. Dazu zählen extrem exakte Pilzkopien oder die Sicherung gewaltiger zusammenhängender Gesteinsschichten. Bei der Anfertigung solcher Präparate gibt es meist nur einen einzigen Versuch, der auf Anhieb gelingen muss. Diese und andere spannende Aspekte der Präparatorentätigkeit werden aus erster Hand in der Sonderausstellung „Natur kommt ins Museum“ erläutert.


Pressetext: Museum für Naturkunde Gera
NABU-Vortrag „20 Jahre Schutzmaßnahmen für die Dohle“ im Museum für Naturkunde Gera

Am 8. November 2013 spricht Jens Börner um 19 Uhr im Museum für Naturkunde Gera im Rahmen eines Vortrags des NABU über 20 Jahre Schutzmaßnahmen für die Dohle und weiterer Gebäude bewohnender Vogelarten und die diesbezüglichen Ergebnisse als auch Erfahrungen aus der Stadt Chemnitz.

Wie in fast jeder Stadt im Osten Deutschlands setzte ab 1990 ein Sanierungsboom von Gebäuden ein. Zahlreiche Hausbesitzer begannen, ihre Wohnhäuser umfassend zu sanieren. Gleichzeitig begann der Abriss alter Fabrikgebäude. Für Vogelkundler war offensichtlich erkennbar, dass Vogelarten wie Dohle, Mauersegler, Turmfalke und Haussperling in den kommenden Jahren massiv in Bedrängnis geraten würden, weil ihre Brutplätze verloren gingen. Die Ursache liegt nicht nur im Abriss von Gebäuden, sondern auch darin, dass Neubauten aus Glas und Beton für diese Vogelarten kaum Ersatz bieten. So galten die ersten Schutzmaßnahmen in Chemnitz ab 1990 besonders der Dohle, die 2012 zum Vogel des Jahres gekürt wurde. In den vergangenen 22 Jahren wurden in Chemnitz weit über 300 neue Brutplätze geschaffen, was auch zur Gründung neuer Dohlenkolonien führte. Für Mauersegler und andere entsprechende Arten sind bis heute sogar über 5000 künstliche Brutplätze im Stadtgebiet Chemnitz geschaffen worden.

Der Vortag gibt einen Überblick über die in Stadtgebieten weiterhin dringend notwendigen Hilfsmaßnahen für Gebäude bewohnende Vogelarten und zeigt auch deren Grenzen auf. Anhand von Beispielen werden Vorteilslösungen künstlicher Nisthilfen für einzelne Vogelarten unter bauphysikalischen Aspekten und dem Denkmalschutz vorgestellt.


Pflegeeinsatz an der Kölbelmühle

(09.10.2012)

(image-box-old: 2012/121008.jpg text: Foto: Eckhard Titz/Ortsgruppe Zeulenroda im NABU Gera-Greiz e.V.)

Mit hoher Motivation, guter Laune und in Handarbeit wurde am 6. Oktober die Wiese an der Kölbelmühle gemäht und das Mahdgut abtransporiert. An alle 67 Mitstreiter, an Jung und Alt geht ein großes Dankeschön!

(image-box-old: 2012/121008-2.jpg text: Foto: Eckhard Titz/Ortsgruppe Zeulenroda im NABU Gera-Greiz e.V. position: left)


NABU-Zahl des Monats: 700 Euro pro Hektar und Jahr aus Steuergeldern für Landwirtschaftsflächen

NABU: Subventionen und Beihilfen werden nach Gießkannen-Prinzip verteilt
(06.10.2012)

Pro Jahr erhält jeder Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland 700 Euro aus Steuermitteln – und dies für eine teilweise hochintensive Wirtschaftsweise zu Lasten von Natur, Umwelt und Klima. Die Steuermittel werden bislang überwiegend „mit der Gießkanne“ und ohne konkrete Umweltauflagen ausbezahlt. Zu hohe Nitratwerte in Grund- und Oberflächenwasser, ein anhaltender Umbruch von feuchten und anmoorigen Grünlandflächen mit gewaltigen Emissionen klimarelevanter Gase sowie ein massiver Verlust ökologischer Rückzugsflächen in der Agrarlandschaft sind das traurige Ergebnis dieser Politik.

Zu den Subventionen und Staatshilfen gehören die Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aus Brüssel, die Förderprogramme von Bund und Ländern, die Agrardieselvergütung sowie die landwirtschaftliche Sozialpolitik. Im Kontext der anstehenden Reform der GAP wird derzeit diskutiert, die Direktzahlungen und Prämien stärker an konkrete gesellschaftliche Leistungen zu koppeln. Das Credo lautet: Die Landwirtschaft verdient Unterstützung der Gesellschaft, aber nur für die Erbringung von klar definierten Aufgaben wie die Erhaltung und Förderung der Umweltressourcen Boden, Wasser, Klima, Biodiversität und Landschaft.

Für Rückfragen:
Florian Schöne
NABU-Agrarexperte
Tel.: 030-284984-1615


Mehr Informationen: www.nabu.de/aktionenundprojekte/agrarkampagne/15161.html


Wichtige Ergänzung zu nachfolgender Pressemitteilung des TMLFUN

Mitteilung des NABU Thüringen e.V.
(03.10.2012)

1.) Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörden (UNB)
Um nicht gegen Europarecht zu verstoßen, kann die UNB nur zustimmen, wenn durch den Antragsteller nachgewiesen werden kann, dass der Erhaltungszustand der lokalen Populationen der von dem Mittel betroffenen und durch die Richtlinien geschützten Arten sich nicht verschlechtert. Dies wird vermutlich nur in wenigen Fällen festgestellt werden können, denn dabei handelt es sich um alle europäischen Vogelarten und die Arten nach Anhang IV FFH-RL. Sofern die von den Richtlinien erfassten Arten betroffen sind, ist der Einsatz des Mittels artenschutzrechtlich nur zulässig, soweit die Voraussetzungen für eine Ausnahme nach Art. 9 VRL bzw. 16 FFH-RL gegeben sind.

2.) Genehmigte Menge
Im Bescheid des BVL vom 24.09.2012, der dem NABU vorliegt, die genehmigte Menge auf „16 Tonnen“ begrenzt. Die Angaben von „26 Tonnen“ in der nachfolgenden Pressemitteilung des TMLFUN ist falsch. Im Genehmigungsbescheid, der dem NABU Thüringen vorliegt, wird die Menge eindeutig mit „16 Tonnen“ angegeben.

3.) Einsatzgebiet
Im Bescheid des BVL wird das zulässige Einsatzgebiet auf die Kulturen „Hartweizen, Weichweizen, Gerste“ beschränkt. Also ist keine Behandlung von Raps zulässig! – Die erste Anzeige der Ausbringung des Giftes auf einem Rapsfeld im nördlichen Landkreis Greiz wurde bereits bei der zuständigen UNB eingereicht.

4.) Weitere Randbedingungen
Außerdem gelten laut Bescheid eine ganze Reihe von Randbedingungen:

  • Anwendung nur, wenn die Notwendigkeit einer Bekämpfungsmaßnahme durch Probefänge oder ein anderes geeignetes Prognoseverfahren belegt ist.
  • Keine Anwendung auf vegetationsfreien Flächen, um eine Aufnahme durch Wild oder Vögel zu erschweren.
  • Nicht in Häufchen auslegen.
  • Bei der offenen Ausbringung (Streuen zwischen die Kulturpflanzen) hat eine Kontrolle der behandelten und benachbarter Flächen im Hinblick auf Vergiftungen von Individuen der nicht zu bekämpfenden Wirbeltierarten zu erfolgen. Derartige Vergiftungsfälle sind zu dokumentieren und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit unverzüglich über den Pflanzenschutzdienst zu berichten (Anleitung hierzu in: BVL, 2005: Wirbeltiervergiftungen durch Pflanzenschutzmittel: Erkennen – Handeln – Berichten).

Alle Randbedingungen, insbesondere der letzte Punkt (Monitoring!), sollten vor Ort vehement von den Anwendern gefordert sowie durch UNB und ehrenamtliche Naturschützer gegengeprüft werden!


Quelle: www.thueringen.de/th8/tmlfun/aktuell/presse/67347/index.aspx
Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz (02.10.2012)


Medieninformation

„Sondergenehmigung zur Feldmausbekämpfung in der Landwirtschaft
Einsatz unter strengen Naturschutz-Auflagen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat am 24. September die breitflächige Ausbringung von Ratron-Feldmausködern mit dem Wirkstoff Chlorphacinon zur Feldmausbekämpfung auf Ackerflächen des Freistaats Thüringen für einen Zeitraum von 120 Tagen genehmigt.
Angesichts des extremen Massenauftretens von Feldmäusen in diesem Jahr und den dadurch in einigen Regionen verursachten gravierenden Ertragsverlusten gilt es nun, insbesondere die Wintersaaten vor Fraßschäden zu schützen. Für diese Notfallsituation hat Thüringen nun eine Ausnahmegenehmigung zur vorübergehenden Anwendung der Feldmausköder erwirkt.
Eine flächendeckende Behandlung wird in Thüringen nicht erfolgen und die Auflagen des Bundesamtes werden strikt eingehalten. Es werden lediglich Teilflächen in den am stärksten befallenen Gebieten des Thüringer Beckens behandelt. Die Gesamtmenge des auszubringenden Präparates ist auf 26 Tonnen begrenzt.
Behandlungen von besonders stark befallenen Raps- bzw. Wintergetreideflächen dürfen nur auf Antrag nach vorheriger Anordnung durch das zuständige Landwirtschaftsamt durchgeführt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die untere Naturschutzbehörde einer Bekämpfung auf den betroffenen Flächen zustimmt. Damit soll eine Gefährdung wildlebender Vögel und Säugetiere vermieden werden. Anträge für Bekämpfungsmaßnahmen können ab sofort bei den örtlich zuständigen Landwirtschaftsämtern gestellt werden.
Auf der Agrarministerkonferenz Ende September hatten die Ressortchefs der Länder den Bund aufgefordert, die Feldmausbekämpfung in künftigen Forschungsvorhaben stärker zu berücksichtigen und alternative Bekämpfungsverfahren zu erproben, die dem Arten- und Naturschutz Rechnung tragen. Außerdem soll eine Arbeitsgruppe zur Koordinierung der in den Bundesländern laufenden Arbeiten eingerichtet werden.

Andreas Maruschke
Pressesprecher“


Programm für Oktober bis Dezember 2012

(02.10.2012)

Die Veranstaltungen finden Sie im beigefügten Programm.

Ein erster Arbeitseinsatz am Frießnitzer See wird am 06. Oktober ab 9.00 Uhr stattfinden. Dabei wird es sich überwiegend um Dachabrissarbeiten an der alten Baracke handeln. Für diese Arbeiten wird noch entsprechendes Werkzeug gebraucht. Falls Sie geeignetes besitzen können Sie es gerne mitbringen! Um auf das Dach zu gelangen ist es günstig, mit weiteren Leitern zu arbeiten. Sollten Sie im Besitz einer Leiter sein, welche Sie im Auto mitbringen können und die zum Besteigen des Daches geeignet ist, wäre es nett, wenn diese mitzubringen.

Treffpunkt: Entenmastbaracke/Naturschutzstation am Frießnitzer See.

Ansprechpartner: Herr Christoph Kummer (Projektleiter), Tel. 036607/60718, E-Mail: christoph@www-kummer.de


NABU-Termine 2012-2013


Informationsveranstaltung „Fledermausschutz an Windkraftanlagen“

am 17.10.2012 in der TLUG Jena
(27.09.2012)

(image-box-old: 2012/120927.jpg text: Abendsegler (Nyctalus noctula)
Foto: Leo/fokus-natur.de)

Im Fokus der Beiträge werden die Vorstellungen / Diskussionen zu einem ersten Entwurf der auf Anregung und Beteiligung des Landesnaturschutzbeirats gegenwärtig zu erarbeitenden „Arbeitshilfe zur Berücksichtigung des Fledermausschutzes bei der Genehmigung von Windenergieanlagen (WEA) im Offenland in Thüringen“ stehen.


Faltblatt zur Veranstaltung


„Das Gefieder der Vögel“

Prominenter Biologe referiert im Museum für Naturkunde Gera
(26.09.2012)

(image-box-old: 2012/120926.jpg text: Fotomontage: Frank Hrouda (privat))

Am Donnerstag, dem 18. Oktober, ermöglicht es das Museum für Naturkunde um 19.00 Uhr, einen Vortrag zum Thema des Gefieders der Vögel von einem international anerkannten Wissenschaftler zu erleben. Herr Dr. Dietrich von Knorre (Jena) wird in seinen Ausführungen einerseits grundlegende Fragen zum faszinierenden und komplizierten Aufbau von Federn klären. Der prinzipielle Aufbau einer Feder wird jedoch andererseits genauso dargestellt wie die verschiedenen Federtypen und die Frage der Färbung von Federn. Darüber hinaus erwartet die Besucher ein tiefgründiger Einblick in das Verständnis der Feder als systematischer Teil eines nicht zufällig strukturierten ganzen Federkleides, in dem z. B. das Muster einer einzelnen Feder im Zusammenspiel mit dem Muster tausender anderer die gesamte farbliche Erscheinung eines Vogels bestimmt. Auch Aspekte des Gefiederwechsels oder Zusammenhänge zwischen Gefieder und Umwelt werden durch vom Museum zur Verfügung gestellte Präparate wie Buchfink und Schleiereule anschaulich beleuchtet.

Dr. Dietrich von Knorre studierte in Jena Biologie und Chemie und arbeitete nach dem Abschluss dessen als Assistent bzw. Oberassistent im Institut für Zoologie der Universität Jena. Von 1969 bis 2003 war Herr Dr. von Knorre Kustos am Phyletischen Museum in Jena aber auch mit Lehrtätigkeit an der Universität Jena beschäftigt. Vor allem ist Dr. von Knorre ein versierter Kenner und begnadeter Redner. Sein Vortrag ist für interessierte Laien in gleicher Art verständlich wie für Fachleute, Biologielehrer oder auch Schüler der Sekundarstufe II.

Vielen NABU-Mitgliedern ist Dr. von Knorre als langjähriger Vorsitzender des Landesfachausschusses Ornithologie bekannt.


32 Verbände fordern von Bundesregierung gesellschaftsfähige EU-Agrarpolitik ein

(13.09.2012)

Quelle: die-bessere-agrarpolitik.de/fileadmin/docs/umweltpolitik/verbaendeplattform/Plattform-Papier-EU-GAP-2013-August_2012.pdf

Die Verbände fordern, den Schutz von ökologisch wertvollen Landschaften stärker in der Agrarpolitik zu verankern (7.09.2012).
Berlin soll Widerstand gegen Paradigmenwechsel aufgeben
Die Milliarden Euro Steuergelder brauchen wirksame ökologische und soziale Kriterien
Gemeinsame Pressemitteilung von EuroNatur und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)

Berlin / Rheinbach / Hamm. In einer heute veröffentlichten umfangreichen Stellungnahme rufen 32 Verbände und Organisationen dazu auf, die aktuelle Reform der EU-Agrarpolitik offensiv zu nutzen, um „weitreichende Fehlentwicklungen in der europäischen Land- und Ernährungswirtschaft zu korrigieren".
Das breite Bündnis aus Umwelt- und Naturschutz, Landwirtschaft, Entwicklungspolitik sowie Tier- und Verbraucherschutz erkennt an, dass die EU-Kommission in ihren Gesetzentwürfen einige langjährige Forderungen der Verbände im Ansatz aufgegriffen hat. Das betreffe insbesondere den Vorschlag, die rund 40 Milliarden Euro Direktzahlungen, die jährlich direkt an landwirtschaftliche Betriebe fließen, verbindlich an einfache, aber wirksame ökologische und soziale Standards zu binden. Die konkreten Standards im Entwurf der EU-Kommission gehen den Verbänden zwar nicht weit genug. So können Landwirte auch in Zukunft etwa für Mais-Monokulturen die vollen Brüsseler Zahlungen erhalten. Dennoch stellt der Vorschlag im Gegensatz zur heutigen Politik aus Sicht der Verbände einen beginnenden „Paradigmenwechsel" dar. Diesen halten die Verbände für zwingend notwendig, um zu einer Agrarpolitik mit breitem gesellschaftlichen Rückhalt zu kommen. In den laufenden Brüsseler Verhandlungen sollten die Vorschläge der Kommission daher so verbessert werden, dass sie die erforderlichen Änderungen in der Praxis tatsächlich bewirken.
Auf umso mehr Unverständnis stößt bei den Verbänden, dass die Bundesregierung und insbesondere die Bundesministerin für Landwirtschaft (BMELV) Ilse Aigner gegen die Reformansätze der Kommission erheblichen Widerstand leistet. Das Bündnis fordert die Bundesregierung auf, diesen Widerstand aufzugeben und vielmehr zur aktiven Fürsprecherin für die erforderlichen Verbesserungen und einen echten Paradigmenwechsel in der EU-Agrarpolitik zu werden.

Fruchtfolge einhalten, Grünland erhalten, 10 % Fläche mit zusätzlichem Umweltnutzen
Die Verbände fordern entsprechend, dass die Direktzahlungen nur noch an solche Betriebe ausgezahlt werden, die folgende ökologische Standards einhalten:

  • eine echte Fruchtfolge mit Leguminosen (Eiweißpflanzen): Eine Frucht macht maximal 50 Prozent der Ackerfläche des Betriebes aus und Leguminosen mindestens 20 Prozent (entspricht alle fünf Jahre Leguminosen pro Feld),
  • heutiges Dauergrünland im Betrieb (Wiesen und Weiden) wird erhalten, nicht erst ab 2014,
  • ökologische Vorrangflächen auf mindestens 10 Prozent der gesamten Betriebsfläche (auch Grünland und Dauerkulturen), die so genutzt werden, dass sie einen deutlichen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität leisten, nicht mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln behandelt und mit Wirtschaftsdüngern nicht überdüngt werden,
  • kein Anbau gentechnisch veränderter Organismen im Betrieb.

Staffelung der Zahlungen und Berücksichtigung der Arbeitsplätze
Den Vorschlag der EU-Kommission, die Direktzahlungen (Basisprämien) zu staffeln und dabei den Faktor Arbeit über die betrieblichen Lohnkosten kürzungsmindernd zu berücksichtigen, begrüßen die Verbände im Ansatz. Sie fordern jedoch, die Staffelungs- und Kappungsgrenzen niedriger anzusetzen und nicht die vollen 100 Prozent der Lohnkosten gegenzurechnen. Den Mitgliedstaaten und Bundesländern soll zudem die Möglichkeit für noch weitergehende Regeleungen eröffnet werden.

Zukunftsprogramme der zweiten Säule erheblich stärken
Deutliche Kritik üben die Verbände in ihrem Papier an Vorschlägen der EU-Kommission, die auf eine finanzielle Schwächung ausgerechnet der Agrarumwelt-, Klima- und Naturschutzmaßnahmen sowie der ökologischen Landwirtschaft hinauslaufen. Die Verbände fordern dagegen eine erhebliche Stärkung dieser Förderbereiche der so genannten zweiten Säule der EU-Agrarpolitik. Zudem sollen Investitionsbeihilfen z.B. für Stallbauten an strenge Umwelt-, Tierschutz- und soziale Kriterien gebunden werden. Strikt abgelehnt wird von den Verbänden die von der EU-Kommission vorgeschlagene staatliche Förderung von Versicherungen oder Fonds zur Absicherung von Ertrags- bzw. Einkommensrisiken aus Mitteln der zweiten Säule.

Marktordnungen ebenfalls an gesellschaftlichen Zielen ausrichten
Agrarpolitik ist mehr als das Verteilen von Steuergeld. Nach den geltenden EU-Verträgen beinhaltet sie auch die Marktordnungen. Diese Regeln für die Akteure in den Agrarmärkten wollen die Verbände ebenfalls nach gesellschaftlichen Zielen neu ausrichten. Im Gegensatz zur EU-Kommission fordert das Bündnis, die Exportsubventionen als Instrument endlich und endgültig abzuschaffen. Entwicklungspolitische und ökologische Gefahren birgt nach Einschätzung der Verbände die Absicht der EU-Kommission, die Instrumente zur Mengenanpassung bei Milch, Zucker und Wein ersatzlos zu streichen. Als Folge seien Mengenausdehungen in bereits gesättigten EU-Binnenmärkten zu erwarten. Das erhöhe wiederum den Exportdruck und untergrabe insbesondere in Entwicklungsländern die Ernährungssouveränität. Die Verbände unterstützen dagegen die Vorschläge der Kommission, die Rechte von Erzeugern gegenüber Molkereien, Schlachthöfen und anderen Verarbeitern zu stärken.

Internationale Verantwortung der EU-Agrarpolitik aktiv ausfüllen
Kaum bis gar nicht berücksichtigt sehen die Verbände in den Vorschlägen der EU-Kommission generell die internationalen Auswirkungen der EU-Agrarpolitik und die weltweiten agrarpolitischen Herausforderungen, denen sich insbesondere auch Europa aktiv stellen müsse. Als wichtigen Schritt fordern die Verbände die EU auf, einen Beschwerdemechanismus einzurichten, der es Staaten und zivilgesellschaftlichen Organisationen ermöglicht, unfaire Handelspraktiken der EU bekannt zu machen, um diese abzustellen. Um ihre internationale Verantwortung zu übernehmen, müsse die EU zudem dringend die übermäßige weltweite Ressourcenbeanspruchung durch die europäische Agrar- und Ernährungswirtschaft abbauen: „Es wäre schon ein großer Schritt, wenn Europa sich dem Ziel verpflichtet, in der Bilanz eine Eigenversorgung mit Lebensmitteln zu erreichen, was insbesondere für die Eiweißversorgung gilt", stellen die Verbände in ihrem Papier fest.

Hinweis
Das Papier haben die Verbände unter Koordinierung durch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Stiftung EuroNatur erarbeitet.
Link zum aktuellen Positionspapier

Rückfragen
EuroNatur Stiftung, Euskirchener Weg 39, 53359 Rheinbach/Bonn, Lutz Ribbe, Tel.: 02226-2045, Lutz.Ribbe@euronatur.org
AbL – Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., Bahnhofstraße 31, 59065 Hamm, Ulrich Jasper, Tel.: 02381-9053171, jasper@abl-ev.de

Unterzeichner des Plattform-Papiers:
Agrar Koordination – Forum für internationale Agrarpolitik
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
Bäuerliche Vereinigung Ökologischer Landbau (BVÖL)
Biokreis
Bioland
Biopark
Brot für die Welt
Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN)
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Bund Naturschutz in Bayern (BN)
Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)
Demeter
Deutscher Naturschutzring (DNR)
Deutscher Tierschutzbund
Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL)
EuroNatur Stiftung
Evangelischer Entwicklungsdienst (eed)
FIAN Deutschland
Gäa – Vereinigung ökologischer Landbau
Germanwatch
Greenpeace
IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)
Misereor
NaturFreunde Deutschlands
Naturland
Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Neuland
Schweisfurth-Stiftung
Slow Food Deutschland
Verband Deutscher Naturparke (VDN)
WWF Deutschland
Zukunftsstiftung Deutschland (ZSL)


Zukunftskatalog Thüringer Landwirtschaft 2020


Schutz von Dohle & Co.

Vortrag im Museum für Naturkunde am 08. November 2012
(10.09.2012)

(image-box-old: 2012/120910.jpg text: Montage von Dohlenkästen an Bäumen
Foto: Jens Börner layout: vertical)

20 Jahre Schutzmaßnahmen für die Dohle und weiterer Gebäude bewohnender Vogelarten – Ergebnisse und Erfahrungen aus der Stadt Chemnitz

Wie in fasst jeder Stadt im Osten Deutschlands setzte ab 1990 ein Sanierungsboom von Gebäuden ein. Endlich war die Zeit der Mangelwirtschaft vorbei, waren ausreichend Baumaterial und Baukapazitäten vorhanden. Hausbesitzer begannen, ihre Wohnhäuser umfassend zu sanieren. Gleichzeitig begann der Abriss alter Fabrikgebäude der noch bis heute anhält. Für Vogelkundler war offensichtlich erkennbar dass Vogelarten wie Dohle, Mauersegler, Turmfalke und Haussperling in den kommenden Jahren massiv in Bedrängnis geraten weil sie ihre Brutplätze verlieren. Hinzu kommt, dass Neubauten aus Glas und Beton für diese Vogelarten kaum Ersatz bieten.
Die ersten Schutzmaßnahmen in Chemnitz galten ab 1990 besonders der Dohle, die 2012 zum Vogel des Jahres gekürt wurde. In den vergangenen 22 Jahren wurden in Chemnitz weit über 300 neue Brutplätze geschaffen was auch zur Gründung neuer Dohlenkolonien führte. Für Mauersegler und Co. sind bis heute über 5000 künstliche Brutplätze im Stadtgebiet Chemnitz geschaffen worden.

Der Vortag im Museum für Naturkunde am 08. November gibt einen Überblick über die in Stadtgebieten dringend notwendigen Hilfsmaßnahen für Gebäude bewohnende Vogelarten und zeigt auch deren Grenzen auf. Anhand von Beispielen werden Vorteilslösungen künstlicher Nisthilfen für einzelne Vogelarten unter bauphysikalischen Aspekten und dem Denkmalschutz vorgestellt.

Referent: Jens Börner


Erntefest im Botanischen Garten rund um die Vielfalt alter Obstsorten

Pressemitteilung, Gera, den 5. September 2012
(10.09.2012)

(image-box-old: 2012/120910-2.jpg text: Pilzberatung durch die Pilzsachverständige Renate Bröker, Ronneburg)

Besucher sind am 16. September von 10 bis 18 Uhr in den Botanischen Garten eingeladen – Spezialisten beantworten Fragen der Gäste und bestimmen Obstsorten und Pilze – Ausstellungen, Leckeres aus regionaler ökologischer Erzeugung und Aktionen für Groß und Klein

Das traditionelle Erntefest können die Geraer und ihre Gäste wieder am Sonntag, 16. September, von 10 bis 18 Uhr im Botanischen Garten des Museums für Naturkunde Gera feiern. Im Mittelpunkt steht die Vielfalt alter Obstsorten als Kulturgut und Reichtum auch in unserer Region. Dr. Werner Schuricht (Jena) vom Deutschen Pomologenverband, der ein exzellenter Kenner unzähliger Obstsorten ist, wird an diesem Tag Ansprechpartner für die interessierten Bürger sein und ihre Fragen beantworten. Er will helfen, Schätze aus dem Garten zu entdecken und zu erhalten. Mit den alten Streuobstwiesen und bäuerlichen Nutzgärten verschwinden fast unbemerkt auch viele alte Obstsorten und damit die Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Verwendungsmöglichkeiten, die noch für unsere Großeltern selbstverständlich waren. Wer seine Obstsorte aus dem Garten bestimmen lassen möchte, sollte drei gesunde Früchte mitbringen. Schön wäre es, wenn diese anschließend die Ausstellung im Turmhaus bereichern könnten.

Ein weiterer Schwerpunkt zum Erntefest ist die Pilzausstellung, die von den Pilzberatern aus der Region vorbereitet wird. Weit mehr als 100 Pilzarten der Laub- und Nadelwälder werden präsentiert und als essbar, giftig oder ungenießbar benannt. Dabei steht nicht nur der „Kochtopf“ im Blick, es werden auch interessante Informationen gegeben, wie sich heimische Pilzarten verbreiten und auf sich ändernde Umweltbedingungen reagieren. Alle Pilzfreunde sind aufgerufen, die Schau mit besonderen Exemplaren zu bereichern. Die Pilzberater aus Gera und Umgebung wollen an diesem Tag mitgebrachtes Sammlungsgut bestimmen und stehen für Fragen bereit. Auch der Verband der Gartenfreunde e.V. ist als kompetenter Ansprechpartner für alle Themen rund um den Garten dabei. Wie in jedem Jahr geht der Aufruf an die Hobby-Gärtner, interessante Gewächse aus ihren Gärten vorzustellen wie seltene oder neue Gemüsesorten oder auch den größten Kürbis. Die Exponate sollten möglichst bis zum 15. September abgegeben werden (Nachfragen telefonisch unter 0365 / 520 03).

Reichlich Obst, Gemüse, Säfte, Kuchen, Käse und allerlei Leckeres rund um Äpfel haben die Ökobauern der Region zum Erntefest wieder anzubieten. Aktionen für Groß und Klein laden im schönen Ambiente des Botanischen Gartens zum Mitmachen ein. Dabei sind Blumenbinderin, Imker, Gärtner, Beeren- und Straußenhof, Weinhandlung und Naturkosmetik. Für Speis und Trank aus regionaler ökologischer Erzeugung ist reichlich gesorgt.


Ein seltener Gast

(04.09.2012)

(image-box-old: 2012/120904.jpg text: Wiedehopf (Upupa epops)
Foto: Mario Scholz, NABU Gera-Greiz e.V.)

In Dorna konnte das NABU-Mitglied Mario Scholz am Nachmittag des 31.08. einen Wiedehopf beobachten. Ebenso wurden aus dem Altenburger Land Beobachtungen durchziehender Wiedehopfe gemeldet. Auch diese Vogelart, die sich v.a. von Großinsekten ernährt, die infolge der chemisierten industriellen Landwirtschaft rar geworden sind, würde von einer naturnahen Landwirtschaft profitieren. Der frühere Allerweltsvogel ist heute eine Seltenheit. Das Beispiel ließe sich beliebig fortsetzen mit z.B. der Blauracke …


Wildlife-Kurs „Waldinsel“

Vom 21.-23. September 2012
(04.09.2012)

Liebe Natur- und Wildnisinteressierte, liebe Eltern,

es gibt noch freie Plätze zu unserem Wildlife-Kurs „Waldinsel“!!! Anbei erhalten Sie/erhaltet ihr die entsprechende Ausschreibung zu dieser spannenden und erlebnisreichen Veranstaltung. Am vorletzten Septemberwochenende vom 21.-23. September 2012 zur „Waldinsel“ können Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren wieder mit uns in die heimische Natur kommen und drei gemeinsame Tage dort verleben.
„Drei Tage Leben in der Natur, das steht im Mittelpunkt unseres Wildlife­-Kurses „Waldinsel". Wir richten unser gemeinsames Lager mit Feuerkreis und Planen ein, brennen unsere eigenen Essschalen und Löffel aus, ernähren uns auch von selbst gesammelten Kräutern und lernen viele weitere nützliche Techniken für das Leben in der Natur kennen. Auch unsere Wahrnehmung wird gefordert sein ­ ein wichtiger Bestandteil für das Leben draußen. Und das alles ohne Spuren zu hinterlassen.“
Das angehängte Infoblatt enthält weitere Details zu der Veranstaltung wie eine Ausrüstungsliste, die genauen Zeiten sowie einen Anmeldezettel, den wir bei Interesse ausgefüllt und unterschrieben zurück benötigen. Bitte senden Sie uns diesen baldmöglichst zu bzw. melden Sie sich bei Fragen. Anmeldeschluss ist der 7. September 2012.
Wir freuen uns auf die gemeinsamen Tage im Wald.

Mit freundlichen Grüßen,
das Team der NAJU Thüringen


Wildlife-Kurs „Waldinsel“ Informationsblatt


Von den Launen der Natur II

(03.09.2012)

(image-box-old: 2012/120903.jpg text: Der Kauernsche Teich
Foto: Johann Schopplich, NABU Gera-Greiz e.V. position: left layout: vertical)

Es jedem recht zu machen, fällt Petrus offensichtlich schwer. War der verregnete Sommer 2011 für viele Urlauber und Landwirte ein Ärgernis, treibt die diesjährige Trockenheit manchem Naturfreund angesichts des nur unmerklich ansteigenden Pegels im Kauernschen Teich, der nach der im Frühjahr 2012 abgeschlossenen, aus ENL-Mitteln maßgeblich geförderten, Entschlämmung als Himmelsteich auf reichlich Regen angewiesen ist, die Sorgenfalten auf die Stirn. Doch auch nach der lange zurückliegenden vorletzten Entschlämmung im vergangenen Jahrhundert dauerte es, der Mitteilung damaliger Betreuer zufolge, mehrere Jahre, bis der Teich seinen Höchstfüllstand wieder erreicht hatte. So bleibt nur die alte Weisheit: „Der Natur ihren Lauf lassen“ und sich in Geduld zu üben. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der Kauernsche Teich bereits jetzt erneut ein bedeutender Lebensraum u.a. für Amphibien ist. Und die infolge der Entschlämmung optimierten kleinräumigen Areale im Schilfgürtel lassen Hoffnung, dass z.B. der Laubfrosch, der vor 50 Jahren dort noch heimisch war, den Weg zurück an dieses Kleinod in der ausgeräumten Ackerflur finden wird …


Das Projekt wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.
Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.


Ohne Worte …

Artikel aus der Zeitung „Neues Gera“ vom 29. Juni 2012
(01.09.2012)

(image-hero-old: 2012/120901.jpg text: Aus der Zeitung Neues Gera vom 29.06.2012 – zum Vergrößern das Bild anklicken!)


Schwalben willkommen

(31.08.2012)

(image-box-old: 2012/120831-2.jpg text: Rauchschwalbe (Hirundo rustica)
Foto: Pröhl/fokus-natur.de)

„Seit mehr als 10 Jahren brütet bei uns im Nebengebäude ein Rauchschwalbenpaar. Sie brüten 2 mal im Jahr, mit bis zu 4 Jungtieren. In diesem Jahr sind sie am 24.4.2012 eingetroffen und haben gleich mit dem Nestbau begonnen. Am 27.06.2012 verließen 4 Jungtiere das Nest. Sofort wurde wieder mit dem Nestbau begonnen und am 17.8.2012 flogen wieder 4 Jungtiere aus dem Nest. Wir wünschen unseren Schwalben viel Glück und hoffen, daß sie im nächsten Jahr wieder zurückkehren.“

Mit diesen liebevollen Zeilen, ergänzt durch zwei Fotos, beantragten Anita und Horst Mücke aus Brahmenau kürzlich die Auszeichnung mit der Plakette "Schwalben willkommen". Der NABU Gera-Greiz wird diese in Bälde übergeben und hofft ebenso, daß auch 2013 wieder Rauchschwalben bei Familie Mücke zu Gast sein werden, vielleicht sogar 2 oder mehr Brutpaare …


Schwarz und Weiß

Steinkauzauswilderung 2012
(30.08.2012)

(image-box-old: 2012/120830.jpg text: Steinkauzgewölle; das helle stammt aus einer Zuchtvoliere, das dunkle aus der freien Natur
Foto: Johann Schopplich, NABU Gera-Greiz position: left layout: vertical)

Die Steinkauzauswilderung 2012 ist seit Wochen im Gange und das gute Mäusejahr macht es den ausgewilderten Tieren leicht, in der freien Natur Fuß bei ihren Artgenossen, die auch in diesem Jahr wieder im Landkreis Greiz gebrütet haben, zu fassen.
Gut sichtbar ist dies auch an den Gewöllen: Das helle Gewölle stammt aus einer Zuchtvoliere, das dunkle aus der freien Natur. In der Zuchtvoliere werden Eintagsküken aus dem Zoofachhandel verfüttert, in der freien Natur ist der Tisch auf den Auswilderungs-Streuobstwiesen in diesem Jahr reich gedeckt und bietet ein vielfältiges Beutespektrum: Mäuse, Lauf- u.a. Käfer, Regenwürmer, auch ein junger Spatz oder eine Blindschleiche – Steinkäuze sind nicht allzu wählerisch. Diese Nahrungszusammensetzung gibt dem Gewölle die charakteristische, dunkelgraue Farbe mit schwarzen Einsprengseln. Und nur auf kurzrasigem Grünland, also Streuobstwiesen, alten Feldwegen mit höhlenreichen Obstbäumen und gemähtem oder beweideten Grünstreifen oder auf Weideflächen selbst kann der Steinkauz seine Beute erjagen. Auch deshalb ist der Erhalt der Streuobstwiesen eine vordringliche Aufgabe des NABU, die leider noch immer seitens der verantwortlichen Politiker und/oder Ministerialbeamten nicht oder nur unzureichend in ihrer Dringlichkeit respektiert und gefördert wird.

Doch zurück in unser Dorf: Mit etwas Glück hört man nächtens die Steinkäuze rufen oder findet eine Steinkauzfeder auf der Streuobstwiese …


Wenn die Zierde zur Plage wird – Japanischer Staudenknöterich breitet sich extrem schnell aus

(26.08.2012)

(image-hero-old: 2012/120826.jpg text: Um diesen Bestand des Japanischen Staudenknöterichs zu entfernen, ist ein hoher, mehrjähriger Arbeitsaufwand notwendig.
Foto: Matthias Premke-Kraus/NABU)

Neben vielen weiteren exotischen Pflanzen wird in deutschen Gartenmärkten auch der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica), der erstmals 1823 nach Europa gebracht wurde, als vermeintliche Zierde des Gartens angeboten. Den wenigsten Käufern ist dabei bewusst, dass sie sich gleichsam an die Stelle des Goetheschen Zauberlehrlings begeben, der die von ihm gerufenen Geister nicht mehr zu bändigen vermag und die Beherrschung über sie verliert. Denn der Japanische Staudenknöterich besitzt ein extremes Wachstumspotential. Bei günstigen Bedingungen wächst er pro Tag bis zu 30cm – ober- und unterirdisch – und breitet sich rasch und flächendeckend aus. Aufgrund seiner Größe (bis 3m) und dichten Belaubung erstickt er alles Leben unter sich. Entschließt man sich endlich zur Rohdung, wird diese zu einer unendlichen und frustrierenden Arbeit, da der Staudenknöterich selbst aus einem nur 10cm langen Wurzelrest erneut auszutreiben vermag. Ebenso problematisch ist die Kraft seiner langen meist vertical wachsenden Wurzeln, die infolge ihrer Stärke von bis zu 10cm selbst Mauern durchdringen und aufsprengen können. Gerade im Leitungs- und Kanalisationsbereich werden so, anfangs zumeist unbemerkte, Schäden verursacht, deren Behebung enorm aufwendig und kostenintensiv ist.

Zusätzliche Schwierigkeiten ergeben sich, wenn der Japanische Staudenknöterich im Uferbereich von Bächen oder Flüsse gepflanzt wird, da hier die Verdriftung von Wurzelteilen zu einer rasanten Ausbreitung entlang des Gewässers führt. Aus Unkenntnis wird der Japanische Staudenknöterich zudem an Stellen ausgebracht, wo ohnehin infolge der Unterschutzstellung als z.B. Naturschutzgebiet oder Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) jedes Einbringen oder Entnehmen von Pflanzen oder Tieren untersagt ist. So musste kürzlich im FFH-Gebiet „Brahmeaue“ im Abschnitt zwischen Dorna und Zschippach eine Staudenknöterichanpflanzung entfernt werden, die dort widerrechtlich erfolgt war.

Auch z.B. in Brahmenau ist der Japanische Staudenknöterich an verschiedenen Stellen in Privatgärten zu sehen und es ist zu befürchten, dass er bald die ihm vorgegebenen Plätze verlassen wird. Daher soll an dieser Stelle an alle naturverbundenen Gartenbesitzer die Bitte gerichtet werden, diese Pflanze umgehend und gründlich zu entfernen – bevor es zu spät ist! Und bei der Neugestaltung des Gartens ist ein Verzicht auf derart invasive Pflanzen unbedingt ratsam.

Hat der Japanische Staudenknöterich sich etabliert, hilft nur die häufige Mahd (mindestens sechsmal pro Jahr), flankiert von mehrfacher, mindestens 60cm tiefer Wurzelstockrohdung, beides über einen Mindestzeitraum von 3 bis 5 Jahren.
Weitere Informationen erhalten Sie in der Unteren Naturschutzbehörde Greiz (Dr.-Scheube-Straße 6 in 07973 Greiz), Tel. 03661/876-603.


Es geht auch anders …

(22.08.2012)

(image-box-old: 2012/120826-5.jpg text: OTZ-Artikel vom Freitag, den 24. August 2012)

Der nebenstehende OTZ-Artikel zeigt, dass in der heutigen Landwirtschaft der Gifteinsatz gegen Feldmäuse nicht „Mittel der Wahl“ sein muss.


Stärkung des Naturschutzes im Konflikt zwischen Jagd und Naturschutz

Wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(22.08.2012)

„In seinem Urteil vom 26. Juni 2012 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass die Pflichtmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft die Europäische Menschenrechtskonvention verletzt. ...

Der NABU fordert bereits seit Langem eine Neuorientierung der Jagd, insbesondere im Hinblick auf den Schutz der biologischen Vielfalt, der Einhaltung ethischer Normen, der Berücksichtigung des Tierschutzes und der Stärkung der Eigentümerinteressen. Dazu zählt auch das Recht, die Jagd auf Eigentumsflächen aus Gründen des Natur- und Artenschutzes einzuschränken, oder gänzlich zu untersagen.
Will ein Eigentümer auf seinem Grund beispielsweise keine Fallen-, Wasservogel- oder Hasenjagd – oder gar keine Jagdausübung – dulden, oder mehr Rücksichtnahme auf Landschaftsschutzaspekte z.B. beim Bau von jagdlichen Einrichtungen (Hochsitze), so müssen die Jagdausübungsberechtigten dies beachten. Wo Belange des Gemeinwohls Vorrang haben, bleiben Ausnahmen bestehen. Dies trifft z.B. dort zu, wo die Populationen von Reh, Rothirsch oder Wildschweinen zur Schadensvermeidung nach behördlicher Feststellung in größeren räumlichen Einheiten nach populationsökologischen Kriterien gemanagt werden müssen.

Die Wildfolge von angeschossenen Tieren ist dagegen schon aus höherrangigen tierschutzrechtlichen Gründen erforderlich und wird durch dieses Urteil nicht angefochten. Dennoch werden Jäger ihr Verhalten gegenüber dem Grundeigentümer an die veränderte Rechtslage anpassen und sich um Einvernehmen mit bemühen müssen.

Weitere Informationen zu NABU-Forderungen zur Neuausrichtung der Jagd sind in der NABU-Resolution zur Neuorientierung der Jagd unter: www.nabu.de/themen/jagd/publikationen/ benannt.“


Auszug aus der NABU-Mitteilung
Deutsches Jagdrecht zukunftsfähig gestalten!
Kontakt: Stefan Adler, Waldreferent im NABU-Bundesverband (E-Mail: (email: stefan.adler@nabu.de))


Studie zu Naturerlebnispotentialen im Landkreis Greiz

Mitarbeit erbeten
(21.08.2012)

Der Landkreis Greiz bietet ein reichhaltiges Spektrum an Natur. Das Atelier Papenfuss in Weimar erstellt im Auftrag des Landratsamtes Greiz eine Machbarkeitsstudie zu Potentialen und Umsetzungsmöglichkeiten für die nachhaltige Entwicklung eines Naturerlebnistourismus für das Gebiet des Landkreises.

Ziel ist es, die Naturschönheiten vor Ort für Landkreiseinwohner und Besucher bewusster und durch naturtouristische Angebote attraktiver zu machen. Diese Angebote steigern das Tourismuspotential der Region, bilden somit auch einen Baustein zur Stärkung der Wirtschaftskraft und schaffen ein erhöhtes Natur- und Umweltbewusstsein bei Einwohnern und Besuchern." Soweit der offizielle Pressetext. Seitens des Ateliers Papenfuss, welches die Umfrage durchführt. Unlängst wurde der NABU Gera-Greiz gebeten, an dieser Umfrage mitzuwirken, weshalb der Einsendeschluss bis zum 14. September verlängert wurde. Der beigefügte Fragebogen richtet sich an Personengruppen mit speziellerem Interesse an der Natur, wie z.B. Ornithologen, unabhängig davon ob sie Bewohner des Landkreises sind.

Das PDF-Dokument im Anhang kann ausgedruckt werden; der ausgefüllte Fragebogen kann direkt nach Weimar oder an das Landratsamt Greiz geschickt werden. Oder er wird von den Teilnehmern online ausgefüllt:
survey.atelierpapenfuss.de/naturerlebnisse-im-lk-greiz/naturinteressierte

PAPENFUSS | Atelier für Gestaltung
Marktstraße 12
99423 Weimar
Telefon +49 3643 7760-0
www.atelierpapenfuss.de

Kritisch sei angemerkt, daß in der hiesigen, dicht besiedelten Landschaft Zonen der Ruhe, die gar nicht touristisch genutzt werden ebenso wichtig sind, denn jeder Tourismus geht einher mit einer erhöhten Naturnutzung.


Fragebogen


Schwalben sind immer willkommen

Nun auch Hof in Hartmannsdorf bei Bad Köstritz ausgezeichnet
(20.08.2012)

(image-box-old: 2012/120820.jpg text: Erfolgreiche Mehlschwalbenbruten
Foto: Frank Schiewek)

Eine weitere Plakette „Schwalben willkommen“ konnte der NABU Gera-Greiz kürzlich an Familie Schiewek in Hartmannsdorf bei Bad Köstritz vergeben. Der Hof der Familie Schiewek beherbergt seit vielen Jahren etliche Mehlschwalbenbrutpaare, deren Bestand zusätzlich mit Kunstnestern unterstützt wird.


Zukunftskatalog Thüringer Landwirtschaft 2020 vorgestellt

Zielsetzung und Wirklichkeit klaffen weit auseinander
(19.08.2012)

Quelle: www.thueringen.de/th8/tmlfun/aktuell/neues/66209/index.aspx, 15.08.2012

Der Zukunftskatalog formuliert (nicht nur) auf Seite 4 hohe Ziele, deren Umsetzung wünschenswert – und längst überfällig – ist, würde sich die industrielle Landwirtschaft tatsächlicher ihrer Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität und der heimischen Kulturlandschaft stellen.
„Standortgerechte und ressourcensparende Produktionsverfahren tragen zur Verbesserung der Umweltleistungen der Landwirtschaft für Biodiversität, Gewässerqualität, zum Erhalt und zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, zur Eingrenzung des Ausmaßes und der Wirkungen des Klimawandels sowie zu Landschaftspflege und Erhalt der Kulturlandschaft bei.“ Und: „Auf den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen wird verzichtet, bis die Risiken, die damit verbunden sein können, endgültig geklärt sind.“

Im Pressetext heißt es: „Hohe Wertschöpfung, Innovationskraft, eine umwelt- und naturfreundliche Produktion sowie Akzeptanz in der Gesellschaft – an diesen vier grundlegenden Zielen wird die Thüringer Landesregierung künftig ihre Agrarpolitik ausrichten. Minister Reinholz stellte jetzt den Zukunftskatalog Thüringer Landwirtschaft 2020 vor, den das Kabinett Ende Juli verabschiedet hatte.
Der Zukunftskatalog orientiert sich am Leitbild einer Thüringer Landwirtschaft, die vielfältige Strukturen aufweist, sich am Markt ausrichtet, Klima und Ressourcen schützt, keine gentechnisch veränderten Organismen anbaut oder züchtet sowie mit Wissensmanagement und Fachkräfte-Qualifizierung langfristig ihr Bestehen sichert.
Um die gesteckten Ziele zu erreichen, definiert die Strategie zahlreiche Handlungsfelder, in denen die Politik, aber auch die Landwirte selbst, aktiv werden sollten. So will die Landesregierung im Handlungsfeld ökologischer Landbau dessen Anteil auf mehr als zehn Prozent der Thüringer Anbauflächen steigen. Dazu sind eine neue Umstellungsförderung geplant, mehr Forschung und Beratung sowie der Ausbau von Verarbeitung und Vermarktung im Freistaat.
Weitere Handlungsfelder sind zum Beispiel Tierhaltung und -schutz, Grünland, nachwachsende Rohstoffe, Flächensicherung, Wissens- und Technologietransfer, Management von Betrieben oder die Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft. Der Zukunftskatalog wird nun dem Thüringer Landtag und dessen Ausschuss für Landwirtschaft zur Diskussion zugeleitet.“

Zukunftskatalog Thüringer Landwirtschaft 2020

Im Klartext: Weiter wie bisher.


Dank für Hilfe

Gefrierschränke für Steinkauzprojekt bereitgestellt
(20.07.2012)

Vor längerer Zeit wurde an dieser Stelle um Hilfe für das Steinkauzprojekt gebeten, da für die Futtereinlagerung Gefrierschränke nötig sind, von denen einer eines Tages nicht mehr funktionierte. Dank der Hilfe von Familie Mario Scholz aus Dorna, die dem NABU Gera-Greiz die benötigten Geräte organisierte, kann das Projekt nun wieder in vollem Umfang fortgeführt werden. Der NABU sagt „Danke!“


Giftausbringung auf Thüringer Äckern: Nächster Akt im Drama

Präsident des Thüringer Bauernverbandes widerspricht sich selbst
(21.07.2012)

Ehrlichkeit und Sachlichkeit sind im heutzutage oft eine sperrige Last im (nicht nur politischen) Alltag. Oft ist es bequemer, unkritisch vorgegebenen Darstellungen zu folgen, anstatt selbst kritisch nachzudenken. Der NABU vertraut aber auf den gesunden Menschenverstand der Bürger, so auch bei der Lektüre der nachfolgend wiedergegeben Kontroverse.

Angemerkt zu der Darstellung von Herrn Gumpert sei nur, dass der „Boden als […] unser wertvollstes Gut“ von der industriellen Landwirtschaft als Produktionsgrundlage, die man beliebig behandeln kann (Ausbringung von Dünger, Pestiziden, dazu die extreme Bodenverdichtung durch schweres Gerät usw.), gesehen wird – immer im Sinne der Ertragssteigerung, sprich der Gewinnerhöhung. Parallel dazu wurde und wird legal oder illegal die Feldflur weiter ausgeräumt. Wo ist die Kulturlandschaft, die die Landwirte einst geschaffen haben? Vergleicht man alte Karten von 1900 oder 1950 mit heutigen Messtischblättern, wird ersichtlich, welcher Kahlschlag ab ca. 1960 über unsere Kulturlandschaft gezogen ist und wie dieser Kahlschlag die Landschaft geschädigt hat. So sind die Mahnungen, dass das Feldmaus-"Problem" hausgemacht ist, da es kaum noch Strukturen in der Landschaft gibt, die von Greifvögeln und Eulen als Quartiere und Brutplätze genutzt werden können, Kassandra-Rufe! Übrigens werden diese Greifvögel und Eulen dann gleich mit vergiftet, indem sie halbtote Mäuse fressen. Auch die Vermehrungsrate eines Feldmauspaares, das „in einem Jahr einige Millionen Nachkommen zeugen“ kann, so nach Herrn Gumpert, ist eine Falschangabe.

Bemerkenswert aber ist der Satz, daß es „im ureigensten Interesse eines jeden Bauern [liegt], nachhaltig und sorgsam mit ihm [dem Boden] umzugehen“, denn „der Boden ist unser wertvollstes Gut […]“ – Sie erinnern sich? Würden Sie Ihr wertvollstes Gut flächendeckend mit Gift belegen und in diesem Herbst oder im kommenden Jahr das Erntegut dieser Flächen, d.h. nach der Giftausbringung, essen?

Fazit: Vorsorge im Sinne einer ökologischen Landwirtschaft statt Vergiftung der Landschaft tut Not!


Quelle: www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/wirtschaft/detail/-/specific/Maeuseplage-auf-Feldern-Muessen-die-Nager-vergiftet-werden-179054373

„Mäuseplage auf Feldern: Müssen die Nager vergiftet werden?
Die Bauern klagen über eine Mäuseplage auf den Feldern. Der Meinungsstreit zwischen Helmut Gumpert (Präsident des Thüringer Bauernverbandes e.V.) und Tino Sauer (Landesvorstandsmitglied Nabu Thüringen) gilt der Frage: Müssen die Nager vergiftet werden?

Pro: Natürliches Gleichgewicht ist aus den Fugen
Helmut Gumpert, Präsident des Thüringer Bauernverbandes e.V.
Unsere Kulturlandschaft, wie wir sie kennen und lieben, wurde zum größten Teil durch die Hand der Landwirte geschaffen. Der Boden ist unser wertvollstes Gut, denn er ist unsere Produktionsgrundlage. Deshalb liegt es im ureigenen Interesse eines jeden Bauern, nachhaltig und sorgsam mit ihm umzugehen. Nur auf diesem Weg können wir jedes Jahr sichere Erträge und Qualitäten garantieren.

Wenn dann in Ausnahmejahren, wie in diesem, das natürliche Gleichgewicht aus den Fugen gerät, hat das oft mehrere Gründe mit fatalen Folgen. Der trockene und milde Winter haben dazu geführt, dass die Mäusepopulation nicht geschrumpft, sondern angestiegen ist.

Normalerweise erreicht die Population alle drei bis fünf Jahre ihre Spitze und fällt dann ab. Dieses Jahr gibt es aber keinen Knick in der Entwicklungskurve. Und wann er eintritt, ist nicht vorhersehbar. Die Vorsorgemaßnahmen der Landwirte und die natürlichen Beutegreifer, wie Füchse und Greifvögel, sind der Lage nicht mehr gewachsen.

Ein Mäusepaar kann in einem Jahr einige Millionen Nachkommen zeugen, 60 bis 80 Mäuse wurden in diesem Jahr pro Quadratmeter gezählt. Die Landwirte müssen auf den betroffenen Flächen mit 30 bis 90 Prozent Ernteausfällen rechnen. Diese werden sich zum einen in der Nahrungsmittelkette bemerkbar machen, zum anderen wird auch das Futterstroh für die Tierbestände fehlen. Abgesehen davon bedeutet beispielsweise eine Ertragsminderung von 30 Prozent im Landkreis Sömmerda beim Winterweizen für den Landwirt einen Verlust von 8,5 Millionen Euro. Das Getreide muss dann von weit her zugekauft werden. Weiterhin besteht bei der derzeitigen Ausbreitung der Mäuse eine gesundheitliche Gefahr für die Menschen (etwa durch den Hanta-Virus).

In normalen "Mäuse-Jahren" ist es dem Landwirt gestattet, Mäusegift mit einer Legeflinte eigenhändig in jedes einzelne Mäuseloch auszubringen. Bei der diesjährigen "Mäuse-Invasion" würde diese Maßnahme jedoch dem Versuch gleichkommen, den Bergsee Ratscher mit einem Fingerhut zu leeren. Für einen Schlag mit 40 Hektar würde das 2,4 Millionen Arbeitsschritte bedeuten.

Der Thüringer Bauernverband e.V. fordert deshalb für einzelne, stark betroffene Flächen schnellstmöglich eine Ausnahmegenehmigung, die es ermöglicht, Mäuseköder mit Streu-Technik flächig auszubringen. Aus- nahmesituationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.

Kontra: Die Landwirte sind selber schuld
Tino Sauer, Landesvorstandsmitglied Nabu Thüringen
Die Feinde des Landwirts sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter – und in diesem Jahr die "Mäuseplage". Nun ist dieser Begriff nicht bereits in der Bibel beschrieben, aber seit es einen Ackerbau gibt, gehören zyklische Mäusegradationen (Gradation: Massenvermehrung einer Tierart) einfach dazu.

Zunächst erscheint die Faktenlage unübersichtlich. So bemerken der Thüringer Bauernverband und das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz TMLFUN, dass diese Mäusemassenvermehrung nicht landesweit sei, betroffene Landwirte durchschnittlich 10 Prozent Ertragsminderung erleiden und bis zu 60.000 Mäuselöcher je Hektar festzustellen sind.

Erhebliche gesundheitliche Risiken bestünden durch die Kleinsäuger auch (Hanta , Pest, was noch...?). Schließlich bildet sich aus der Nachrichtendichte eine "Mäuseplage nie gekannten Ausmaßes!". Der Ruf nach effektiven Bekämpfungsmitteln wird laut und der Landwirtschaftsminister muss sich kümmern! Entsprechend dem letztem Agrarbericht des TMLFUN gibt es in Thüringen 614.000 Hektar Ackerland, davon sind 385.150 Hektar mit Getreide bestellt. Bei einer Betroffenheit von aktuell rund 40.000 Hektar sind dies etwa 11 Prozent mit Schäden durch Mäuse.

Während der Bauernverband von bis zu 95 Prozent Verlusten auf dem Hektar spricht, dürften zehn Prozent durchaus gesichert entstehen. Das sind immerhin 26.800 Tonnen Getreideverluste durch Mäusefraß. Das ist erheblich und macht den Ärger der betroffenen Landwirte durchaus verständlich.

Ein flächendeckender Giftködereinsatz beseitigt nur die derzeitigen Folgen und wirkt nicht an den tatsächlich verantwortlichen Ursachen. Diese sind vor allem in der intensiven industriemäßigen Landwirtschaft zu suchen. Beim Besuch von Minister Reinholz in Pfiffelbach waren (im Fernsehen) die riesigen Schlagformationen zu sehen, baum- und strauchlose Agrarsteppen, die hervorragende Lebensbedingungen für die Kleinsäuger bieten.

Kaum zu glauben, dass dieser Agrarbetrieb 1986 im Bezirk Erfurt die erste Flurgestaltungskonzeption erarbeitete, in deren Zuge bereits ökologische und agrarökonomische Faktoren eine Verbesserung der Flurstrukturen erreichen sollte. Wegebegleitende Baumpflanzungen, Aufstellen von Sitzkrücken, kleinere Schlagflächen, variable Fruchtfolgen, Verzicht auf Monokulturen oder Ähnliches würden Mäusegradationen deutlich erschweren. Auch der Einsatz pflugloser Technik auf den Feldern fördert die Mäusepopulation.

Mit dem Einsatz der Pflüge brechen Gänge und Nester auf, kommen die Mäuse an die Oberfläche und werden als Nahrung erbeutet. Vielen sind die Bilder durchaus bekannt, wenn Greifvögel, Möwen, Graureiher oder Störche hinter den Pflügen sofort auf Mäusejagd gehen. Dies alles ist umweltschonender als ein flächendeckender Gifteinsatz. Der Nabu fordert seit Jahren den Verzicht auf Mäusegifte in EU-Vogelschutzgebieten. Ein Verbot dürfte allerdings illusorisch sein, wenn sich an den landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen nichts ändert. Der Boden als wichtiger Lebensraum muss auch künftig so bewirtschaftet werden, dass der landwirtschaftliche Ertrag mit geringstmöglichen Aufwand an Dünger und Pflanzenschutzgiften auskommt. Im Zuge der Klimaänderungen und veränderten Niederschlagsverteilungen dürften trockenere Frühjahre künftig auch schnellere Zyklen bei Mäusegradationen bewirken.

Es kann keine Lösung sein, dann alle zwei bis drei Jahre hochtoxische Giftköder über die Felder zu streuen. Das schädigt das Agrarökosystem irreversibel. Aber letztlich sind geringere Erntemengen immer mit steigenden Verkaufspreisen gekoppelt.

Auch der aktuell kalte und verregnete Sommer wird die Mäusepopulation schwächen. Schleiereulen mit bis zu zehn aufgezogenen Jungvögeln und zahlreiche Bruten der Sumpf-ohreule in Thüringen und Sachsen-Anhalt zeigen das natürliche Reaktionsvermögen der Bioregulatoren. Nur die laut Bauern-Verband "fett gefressenen und inzwischen flugunfähigen"(Rainhard Kopp ) Greifvögel haben wir bisher noch nirgendwo so tatsächlich feststellen können.“


Seminar: Jugendleiterschulung mit dem Schwerpunkt Naturpädagogik und nachhaltige Entwicklung

(20.07.2012)

Liebe NABU-Aktive, Gruppenleiter und Interessierte an Naturpädagogik,

an zwei Wochenenden im November/Dezember veranstalten wir in Zusammenarbeit mit dem Demokratischen Jugendring Jena auf dem Rittergut in Lützensömmern eine Jugendleiterschulung mit dem Schwerpunkt Naturpädagogik und nachhaltige Entwicklung. Das Seminar ist für alle geeignet, die Umweltbildung mit Kindern und Jugendlichen durchführen oder diese in Zukunft anbieten möchten. Also auch für Erwachsene über 27 Jahren.
Folgende Themen beinhaltet die Schulung: Führen und Leiten von Gruppen, Recht (Aufsichtspflicht, Haftung und Verkehrssicherungspflicht, Strafrecht, Sexualstrafrecht), Naturkunde, Erlebnis-, Spiel- und Naturpädagogik, Teamarbeit und Feedback, Projektkonzeption und Durchführung, Demokratieerziehung, Umgang mit Konflikten sowie Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising.
Bei den verschiedenen Inhalten und Methoden werden jeweils naturpädagogische Aspekte einbezogen. Ziel ist es durch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unter anderem einen verantwortlichen Umgang mit Natur und Umwelt zu fördern. Die Schulung ist Voraussetzung für die Beantragung einer JULEICA (JugendleiterCard). Nähere Infos siehe PDF im Anhang.

Termine: 16.-18.11.2012 und 30.11.-01.12.2012 | Anmeldeschluss ist der 15. Oktober 2012!

Viele Grüße vom NAJU-Team aus Leutra.

Infoblatt und Anmeldeformular: Jugendleiterschulung 2012


Kontakt

NABU-Kreisverband
Gera-Greiz e.V.

c/o Ingo Eckardt
Franz-Philipp-Straße 9
07937 Zeulenroda-Triebes
Tel.: 03 66 28 / 83 24 4
Mobil: 0175 / 779 158 8
vorstand@nabu-gera-greiz.de

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