Otto Dix retrospektiv. Zum 120. Geburtstag

Ausstellung vom 3. Dezember 2011 – 18. März 2012 in Gera

Offizielles Plakat zu: Erkundungen im Elstertal

Seit Jahren wird die Selbstdarstellung der Stadt Gera, die auf eine in vielfacher Hinsicht reiche – und heutzutage leider weitestgehend unterbelichtete – Geschichte zurückblicken kann, nach außen hin auf die Person und das Werk des Malers Otto Dix reduziert: „Otto-Dix-Stadt Gera“. (Ein Schelm, der an die „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“ oder an Karl-Marx-Stadt denkt?) – Dix ist unbestritten einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts. Sein Leben und sein Werk sind eine überaus faszinierende Facette des 20. Jahrhunderts als dem „Jahrhundert der Extreme“ (Eric Hobsbawm). Und so wurde bereits sein 120. Geburtstag zum Anlass genommen, im Otto-Dix-Haus am Mohrenplatz in Gera-Untermhaus und in der Orangerie eine vortreffliche Ausstellung zu präsentieren, die neben den hochwertigen Geraer Sammlungsbeständen auch zahlreiche Leihgaben zeigt, z.B. aus dem Bestand der Otto-Dix-Stiftung Vaduz.

Der Besuch dieser Ausstellung sei jedem kunstsinnigem Leser wärmstens empfohlen! Zumal wahrscheinlich in 5 Jahren zu Dix’ 125. Geburtstag (leider) nicht schon wieder eine derartig hochkarätige Ausstellung möglich sein wird. (Früher wurden Jubiläen von Persönlichkeiten wie Dix ohnehin stets in fünfundzwanzigjährigen Abständen gewürdigt, doch die Entscheidungsträger in der Stadtverwaltung Gera konnten offensichtlich nicht noch bis 2016 warten.)

Parallel zu dieser hervorragenden, von der Stadt Gera nach Kräften und zu Recht auch überregional intensiv beworbenen Ausstellung, gibt es ein ebenso sehenswertes Ausstellungs-Mauerblümchen im Museum für Naturkunde Gera, dem leider – unverständlicher Weise – weitaus weniger öffentlich verordnete Aufmerksamkeit zuteil wird:

„Erkundungen im Elstertal. Otto Dix und seine Geraer Künstlerfreunde.
Eine Sonderausstellung vom 10. Dezember 2011 bis zum 28. Mai 2012 im Museum für Naturkunde Gera“.


Im Einführungstext zu dieser gediegenen Ausstellung heißt es:

„Mit der Ausstellung gewährt das Museum einen Einblick in die Themenwelt ‚Natur’ im Schaffen der Geraer Maler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen selten präsentierte Arbeiten von Otto Dix, etwa ein Skizzenbuch aus der Zeit um 1906, Landschaftsdarstellungen der Spätimpressionisten Paul Neidhardt (1873-1951) und Hermann Paschold (1879-1965) sowie Arbeiten der Dix'schen Künstlerfreunde Kurt Günther (1893-1955), Alexander Wolfgang (1894-1970), Paul Weiser (1877-1967), Hans Rudolph (1905–1993) und Rudolf Schäfer (1912-1973). Für die Geraer Maler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die vielgestaltige Ostthüringer Landschaft im Tal der Weißen Elster – mit ihren Nebenflüssen, Hügeln, Hochflächen und Steilhängen – kein unwesentliches Thema. Über die vom industriellen Wachstum geprägte Stadt hinaus, durchstreiften und erkundeten sie die heimatliche Natur, erlebten Elster- und Gessental sowie Zaufensgraben, kamen zur ‚Kalten Eiche’ bei Ernsee oder durch bunte Feldblumenwiesen.

Einige Geraer Künstler wuchsen mit ihrem Schaffen weit über den Status eines Heimatmalers hinaus. Sie erlangten überregionale Bedeutung und konnten sich – wie Otto Dix – in den damaligen deutschen Kunstzentren Dresden und München etablieren. Insbesondere die Spätimpressionisten Paul Neidhardt und Hermann Paschold lenkten die Blicke der nachfolgenden Generation auf die ‚Natur vor der Haustür’ und wurden so zu Lehrern für die Nachfolgenden wie den jungen Kurt Günther.

Von Otto Dix existieren vor allem Naturstudien aus seiner Jugendzeit, auch mit Tiermotiven wie dem Moschusbock, der als Käfer in alten Weiden und Pappeln der Flussauen anzutreffen ist. Dort, an den nahen Ufern der Elster und im angrenzenden Stadtwald, waren auch die Plätze seiner Kindheit. Dort betrieb Dix seine botanischen und zoologischen Studien, sammelte und bestimmte Vögel, Käfer, Schmetterlinge und Pilze. Nochmals finden sich sehr sensible Naturdarstellungen im Schaffen der Geraer Maler aus der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Darstellungen der Realität waren als ‚entartete Kunst’ geächtet, in innerer Emigration wandten sich Maler wie Otto Dix und Kurt Günther einer annähernd ‚heilen Landschaft’ zu und erkundeten die sie umgebende Natur.

Vollständig wird die Ausstellung aber erst durch die gelungene Ergänzung mit den realen Naturobjekten. Zu Skizzenblättern und Landschaftsdarstellungen gesellen sich originale Tier-Präparate. Der Besucher erhält zum Beispiel Einblick in die Insektensammlung des Berthold Schnappauf (1907-1977) aus Gera-Langenberg mit den Moschusböcken aus dem Elstertal. Auch den auf Dix-Bildern – oft in allegorischer Verknüpfung – zu findenden Krähenvögeln steht der Besucher gegenüber. Schaufenster in die heimische Landschaft stellen ebenso die aufwendigen Kleindioramen des Geraer Tier-Präparators Richard Hönnicke (1891-1970) aus den 1930er Jahren dar. Und naturgetreu sind auch Sperber, Kolbenente, Mauersegler, Eisvogel und andere Bewohner heimischer Natur zu sehen.“ (Quelle: (link: http://www.gera.de/sixcms/detail.php?id=139777&_lang=de&_style=2 text: www.gera.de/sixcms/detail.php?id=139777&_lang=de&_style=2 target: _blank))

Der Besuch dieser Ausstellung ist unbedingt ebenso lohnenswert, wie der o.g. Ausstellung im Dix-Haus und der Orangerie Gera. Das Museum für Naturkunde Gera (Nikolaiberg 2 in 07545 Gera, Tel 0365/53003) hat dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 – 18 Uhr geöffnet. Auch diese hervorragende Ausstellung wird in absehbarer Zeit in Gera ihresgleichen suchen. Deshalb: Zögern Sie nicht, sich diese anzusehen!

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