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Aktuelles


Alle helfen mit – 1. Arbeitseinsatz des NABU Gera-Greiz 2017

(23.02.2017)

Die Tage werden länger, die Sonne schleckt mit ihren wärmenden Strahlen die letzten Schneereste weg und die Natur erwacht zu neuem Leben. Auch die Menschen werden aktiv, besonders die Naturfreunde, die am Sonnabend, den 18. Februar 2017, dem Aufruf des NABU Gera-Greiz gefolgt sind und am Arbeitseinsatz im Naturschutzgebiet Frießnitzer See teilnahmen. Die ortsansässigen Harth-Pöllnitzer erhielten tatkräftige Unterstützung aus Gera, Zeulenroda und Greiz. Wie auf dem Foto zu erkennen ist, half besonders fleißig der Naturschutznachwuchs, beseitigte altes Laub und beräumte den Müll rund um den Aussichtsturm am Seeufer. Dafür ein respektvolles Dankeschön!

Die etwas älteren Naturfreunde verschnitten unterdessen verschiedene Gehölze und setzten einen Weidezaun um. Dies war erforderlich, weil die tierischen Naturschützer, die Wasserbüffel, auf ihrem Weg zu den „Grasmäharbeiten“ den Damm des Struthbaches zum See in Mitleidenschaft gezogen hatten. Ist diese Form der Bodenbearbeitung an anderer Stelle im Naturschutzgebiet ausdrücklich erwünscht, um die Landschaft für bodenbrütende Vögel und andere Offenland bevorzugende Tiere freizuhalten, bleibt ein Damm ein Damm und hat die wichtige Funktion, das Bett des Baches zu begrenzen und den unkontrollierten Abfluss des Bachwassers in den See zu verhindern. Und da mit den Büffeln naturgemäß kein Arbeitsgespräch zu führen ist, wurde ihnen mit dem Umsetzen des Zaunes der Weg zum Damm kurzerhand abgeschnitten. Hier packten kräftige Männer an und die Arbeit konnte entsprechend fachmännisch zum Abschluss gebracht werden.

Ein erfolgreicher Arbeitseinsatz, der zeigt, wie vielfältig Naturschutzarbeit ist, der nachweist, wie jeder, der Freude an einer solchen Betätigung hat, sich nach seinen Möglichkeiten einbringen kann und der einmal mehr die wirksame Verknüpfung des Naturschutzgebietes Frießnitzer See mit dem NABU Gera-Greiz deutlich macht.

Wer sich die Ergebnisse der Naturschutzarbeit vor Ort und die vielfältige zu jeder Jahreszeit reizvolle Landschaft des Naturschutzgebietes Frießnitzer See selbst anschauen möchte, dem sei die nächste öffentliche Führung mit dem Schwerpunkt „Ornithologisch betonte Wanderung vom Beobachtungturm bis zum Wasserbüffelstall“ am 29. April 2017 empfohlen.


Text und Fotos: Lutz Wolfram


Naturschutz in unserer ostthüringer Heimat

Vortrag des renommierten Naturfotografen Torsten Pröhl am 3. Februar in Dorna
(16.01.2017)

Kirche zu Dorna,
Foto: Mario Scholz, NABU Gera-Greiz e.V.

Die Kirchgemeinde Dorna (Stadt Gera) und der NABU Gera-Greiz e.V. laden am Freitag, den 3. Februar 2017, um 18 Uhr zu einem neuen Vortrag zum Thema Naturschutz ein.

Der bekannte Naturfotograf Torsten Pröhl hält diesen im beheizten Gemeinderaum (direkt unterhalb der Kirche St. Petri zu Dorna). Allerlei Neues zum Thema Naturschutz auf dem Lande wurde von ihm fotografisch zusammengetragen und soll nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es werden Vogel- und Naturschutzmaßnahmen direkt aus unserer ostthüringer Heimat vorgestellt: Feuchtgebiete, die wichtige Brutplätze für Wasservögel darstellen. Aber auch die in unseren kleinen Ortschaften leider immer seltener werdenden Streuobstwiesen, welche ebenfalls einen besonders schützenswerten Lebensraum darstellen.

Haselmaus (Muscardinus avellanarius)
Foto: Pröhl/fokus-natur.de

Auch ehemalige Tagebauflächen werden vorgestellt als Rückzugsräume für seltene Arten. Denn Bergbaufolgelandschaften bilden wichtige neue Lebensräume für viele Pflanzen und Tiere, die es zu schützen gilt. Oder das aktuelle Naturwunder dieser Tage, wo vis-a-vis bei Wartungsarbeiten in der Geraer Kirche St. Johannis von den Naturfreunden aus dem Altenburger Land ein Wanderfalkenpärchen gesichtet werden konnte – wer erwartet derartiges noch in unserer so geschundenen, sterilen und durch falschen Ordnungswahn unwirtlichen Umwelt. So erhalten die Besucher Anregungen und Einblicke, wie und mit welchen Maßnahmen jeder von uns im eigenen Verantwortungsbereich zum Naturschutz beitragen kann.

Waldkauz (Strix aluco)
Foto: Pröhl/fokus-natur.de

Freuen Sie sich auf unterhaltsame, lehrreiche und wunderbar bebilderte 90 min zum Thema Naturschutz direkt vor unserer Haustür. Der Eintritt ist frei; eine Kollekte wird erbeten – nach Abzug der Nebenkosten kommt diese direkt der Naturschutzarbeit vor Ort zu Gute.


Die Wanderfalken in Gera

(13.01.2017)

Am 12. Januar montierten Andreas Kastl und Torsten Pröhl in der Kirche St. Johannis in Gera an den dort im März 2016 eingebauten Wanderfalkenkasten außen noch ein Sitzholz an, um die Gefahr des Absturzes der Jungvögel im Bettelflugalter zu reduzieren. Reiner Rathmann hat, wie immer, für aussagekräfige Fotos gesorgt. Er konnte beide Altvögel mit Beute auf den Turmzinnen sichten.

Die Kirche St. Johannis in Gera eignet sich hervorragend für die Wanderfalkenbeobachtung, ohne zu stören. Das Quartier ist auch für die Falken vollkommen sicher. Denn eventuell aufmerksam werdende Dritte, können den Falken hoch oben in der Kirche nichts anhaben. Die Vögel zeigen sich gegenüber Menschen unten auf der Straße völlig unbeeinflußt. Hoffen wir auf eine erfolgreiche Brutsaison 2017!

Mehr zu dieser faszinierenden Art finden Sie unter www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/1971-wanderfalke/


Gentechnik-Newsletter Thüringen VI/2016

(05.01.2017)

Vor wenigen Tagen erschien die sechste Ausgabe des Gentechnik-Newsletters, welcher vom Thüringer Ökoherz e.V. und dem Förderverein Deutsches Bienenmuseum Weimar e.V. herausgegeben wird.

Der Thüringer Ökoherz e.V. wünscht eine spannende und aufschlussreiche Lektüre!


Gentechnik-Newsletter Thüringen V/2016


„Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ Sonderheft 2016 erschienen

Invasive gebietsfremde Tiere und Pflanzen in Thüringen – Welche Arten bedrohen unsere heimische Natur?
(27.12.2016)

Deckblatt

Jeder, der nach Australien fliegt, wird schon bei der Ankunft am Flughafen merken, wie ernst man die Bedrohung der heimischen Lebewelt durch eingeschleppte Organismen dort nimmt. Aber auch in Thüringen spielen invasive gebietsfremde Arten, das sind Tier- und Pflanzenarten, die unter Mitwirkung des Menschen zu uns gelangt sind, eine bedeutende Rolle als Gefährdungsfaktor der biologischen Vielfalt.

Aufgrund dessen greift die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie deshalb in Zusammenarbeit mit dem Fachbeirat für Arten- und Biotopschutz das Thema nach 2006 erneut auf. Die Autoren listen die in Thüringen als invasiv bzw. potenziell invasiv eingestuften Arten auf und bewerten ihr Gefährdungspotential. Es werden Empfehlungen zu Vorsorgemaßnahmen, Kontrolle und Bekämpfung gegeben. Ausführliche Darstellungen der derzeit zwölf gebietsfremden Tier- und 17 Pflanzenarten, von denen eine akute Gefährdung der biologischen Vielfalt ausgeht, folgen.

Das Spektrum der beschriebenen Tierarten reicht von bekannten Arten wie Waschbär, Regenbogenforelle und Spanischer Wegschnecke bis hin zu Mink, Chinesischer Teichmuschel und Marmorkrebs. Zu den invasiven Pflanzenarten gehören Riesen-Bärenklau, Kanadische Goldrute und Japanischer Staudenknöterich ebenso wie Eschen-Ahorn, Kaukasus-Fetthenne und Kanadische Wasserpest. Steckbriefhafte Beschreibungen und viele Fotos geben für jede Art eine Übersicht über Herkunft und Ausbreitung, Gefährdung der heimischen Natur sowie mögliche Maßnahmen des Naturschutzes. Darüber hinaus werden elf potenziell invasive gebietsfremde Tier- und 24 Pflanzenarten vorgestellt. Von diesen liegen begründete Annahmen vor, dass sie eine Gefährdung der biologischen Vielfalt Thüringens darstellen. Diese Arten bedürfen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die heimische Natur zukünftig einer besonderen Beobachtung.

Der aus Sicht des Naturschutzes zu empfehlende Umgang mit invasiven und potenziell invasiven Arten kann sehr unterschiedlich sein. Der Schwerpunkt muss in den meisten Fällen auf einer Vorbeugung liegen, d. h. einer vorausschauenden Vermeidung der Einführung und weiteren Ausbreitung. Hierzu zählen die Verhinderung einer unbeabsichtigten Ausbringung z. B. über die Entsorgung von Gartenabfällen und das Aussetzen von Tieren. Neben der Prävention, Früherkennung und sofortigen Tilgung fordert eine neue EU-Verordnung auch das Management von bereits weit verbreiteten invasiven gebietsfremden Pflanzen und Tieren. Einige der gelisteten Arten von EU-weiter Bedeutung kommen bereits in Thüringen vor und werden auch im Sonderheft genauer vorgestellt. Wegen der hohen Bedeutung vorbeugender Maßnahmen soll mit dem vorliegenden Heft für das Thema sensibilisiert werden.

Die Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ erscheint mit vier Heften jährlich und ist im Jahresabonnement für den günstigen Betrag von 13 € (inkl. Versand) oder in Einzelheften zu beziehen.

Bestellmöglichkeiten und weitere Informationen unter:
www.tlug-jena.de/de/tlug/presse_und_service/publikationen/lnt/


Inhaltsverzeichnis der Ausgabe
Leseprobe des LNT


NABU: Dem Artenschutz in Deutschland droht erhebliche Verschlechterung

Tschimpke: Geplante Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes ohne Not und im Widerspruch zu EU-Recht
(16.12.2016)

NABU-Pressemitteilung | NR 150/16 | 19. DEZEMBER 2016

Berlin – Der NABU kritisiert die geplante Neufassung des Bundesnaturschutzgesetzes. Nach Ansicht der Naturschützer droht damit eine empfindliche Aufweichung der geltenden Schutzbestimmungen und des Artenschutzes insgesamt. Ein Schritt, der nach Auffassung des NABU vollkommen ohne Not geschieht. Zudem widersprechen entscheidende Passagen der Novelle geltendem EU-Recht. „Wir sehen absolut keine Notwendigkeit für die geplanten Änderungen. Wir fordern den Gesetzgeber auf, die Novelle so nicht zu verabschieden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Mit der Neufassung will das zuständige Bundesumweltministerium eigentlich die Naturschutzrichtlinien der EU in Deutschland besser umsetzen. Ein Ziel, das der NABU begrüßt und unterstützt. Doch dem Anspruch, praktikable Lösungen für den Naturschutz zu finden, wird die Novelle nicht gerecht. Zwar bietet sie Verbesserungen für den Meeres- und Biotopschutz. Doch beim Schutz von Arten drohen erhebliche Verschlechterungen.

Ein zentraler Kritikpunkt der Naturschützer: Die Novelle führt, insbesondere im Bereich Artenschutz, neue Begrifflichkeiten ein, die auf EU-Ebene nicht verankert sind. Dazu zählt unter anderem das geplante „Signifikanzkriterium“. Demnach müsste künftig, beispielsweise beim Bau von Windkraftanlagen oder Straßen, nicht mehr zwangsläufig überprüft werden, ob diese Bauten geschützte Arten beeinträchtigen. Stattdessen könnte eine „hinnehmbare Menge getöteter Tiere“ bestimmt werden – nach Ansicht des NABU absolut keine akzeptable Option für funktionierenden Artenschutz. Zudem wären aufgrund der unbestimmten Regelungstechnik Rechtsstreitigkeiten künftig vorprogrammiert.

Kritik übt der NABU auch am Vorgehen des Bundesumweltministeriums bei der Abstimmung der Novelle. Trotz der weitreichenden Auswirkungen im Artenschutzrecht wurden die Natur- und Umweltschutzverbände nicht frühzeitig beteiligt. Stattdessen wurde den Verbänden eine unangemessen kurze Frist zur Stellungnahme von zwei Wochen gewährt. Dies liegt deutlich unter den Empfehlungen für eine gute Gesetzgebung.

Zu den möglichen Auswirkungen der Novelle im Detail:

  • Artenschutz: Hier sollen neue, unbestimmte Rechtsbegriffe eingeführt werden. Damit würde das sorgfältige Prüfen möglicher Folgen von Eingriffen in die Natur weniger verlässlich, dem Artenschutz droht insgesamt eine Aufweichung.
  • Biotopschutz: Hier wird eine Gesetzespassage konkretisiert zum Schutz von Tieren während der Brutzeit. Bisher war es nicht erlaubt, Hecken und Sträucher zurückzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Einem aktuellen Gerichtsurteil zufolge fiel ein komplettes Entfernen von Hecken oder Sträuchern jedoch nicht darunter. Dies soll nun geändert werden. Außerdem werden jetzt auch Höhlen und Stollen in die Liste der gesetzlich geschützten Biotope aufgenommen.
  • Biotopverbund: Hier wird ein Zieljahr genannt bis zu dem die Länder den Biotopverbund auf zehn Prozent ihrer Landesfläche umsetzen müssen. Aufgrund fehlender Sanktionsmöglichkeiten des Bundes hat dies jedoch rein deklaratorischen Charakter.
  • Meeresschutz: Hier nimmt die Novelle sinnvolle Verweise auf die Ziele der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie auf. Dabei fehlen jedoch präzisere Regelungen, zum Beispiel zur Frage der Kompensation von Eingriffen im Bereich der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ). Die geplante Privilegierung von Windkraftanlagen gegenüber anderen Eingriffsvorhaben lehnt der NABU ab.
  • Was komplett fehlt: Der Gesetzgeber lässt die Chance ungenutzt, mithilfe der Novelle auch anderen Handlungsbedarf im Naturschutzrecht „abzuräumen“. So fehlt die dringend notwendige Konkretisierung der „guten fachlichen Praxis“ in Land- und Forstwirtschaft. Auch der Schutz von Vögeln an Freileitungen wurde nicht an den aktuellen Stand der Technik angepasst.

Die komplette Stellungnahme des NABU finden Sie hier:
www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/naturschutz/naturschutzrecht/161216_nabu-stellungnahme_bnatschg-novelle2017.pdf

Für Rückfragen:
NABU-Pressestelle, Tel. 030-284984-1952/-1510, E-Mail: presse@NABU.de


NABU-Pressestelle
Kathrin Klinkusch | Iris Barthel | Britta Hennigs | Nicole Flöper
Tel. +49 (0)30.28 49 84-1510 | -1952 | -1722 | -1958
Fax: +49 (0)30.28 49 84-2000 | E-Mail: presse@NABU.de


Schautafeln entlang des Lehrpfades im Naturschutzgebiet

OTZ-Beitrag vom 10. Dezember 2016
(11.12.2016)

„Seit Juni 2014 leben am Frießnitzer See Wasserbüffel im Paradies. Es ist 21 Hektar groß. Norbert Strache kümmert sich um die Tiere.

Norbert Strache ist jeden Tag auf dem Gelände und für die Betreuung der imposanten Tiere verantwortlich.
Foto: Ilona Berger

Frießnitz. Norbert Strache staunte am Morgen des 4. Dezembers. Ein gesundes Kälbchen, ein Mädchen, lag im Stall. Gerda hat zum ersten Mal gekalbt. Der Vater ist der stattliche Bulle Ferdinand. "Er bringt etwa 650 Kilogramm auf die Waage", glaubt Strache.

In wenigen Tagen bekommt das Neugeborene einen Namen, der natürlich mit dem Buchstaben G beginnt wie der seiner Mutter. In einer Woche wird weiterer Nachwuchs erwartetet. Vicky steht kurz vor der Niederkunft. Auch Hella, Susi, Undine und Bärbel sind trächtig. Un­gefähr 310 Tage bleibt das Un­geborene im Mutterleib.

Sturer als mancher Dickschädel
Seit Juni 2014 leben am Frießnitzer See Wasserbüffel. Anfangs waren es acht Tiere, sechs Büffeldamen, darunter zwei trächtige, und zwei Bullen. Sie stammten von einem Bio-Bauern aus Taucha bei Leipzig. Inzwischen sind es 20 Tiere. Seit Beginn an werden sie von der Ervema ­Agrar Gesellschaft Wöhlsdorf betreut. Täglich schaut Norbert Strache aus Großebersdorf vorbei. "Ich bin der Wasserbüffelflüsterer", scherzt er, der die Tiere alle beim Namen kennt. Trudel und Bettina seien seine Lieblinge. "Die sind zahm und man kann sie streicheln. Aber alle ­haben einen eigenwilligen Charakter. Man kann ihnen nichts aufzwingen. Wenn die Büffel nicht wollen, wollen sie nicht. Sie sind sturer als mancher Dickschädel."

Die Wasserbüffel leben hier wie im Paradies. Es ist 21 Hektar groß. Sie können ungestört rohfaserreiche Pflanzen wie Disteln, Schilf und Rohrglanzgras wiederkäuen. Das wächst nämlich im Naturschutzgebiet Frießnitzer See-Struth viel zu dicht. Kein Problem. Die Büffel haben guten Appetit. Durch ihre Naturpflege konnten sich wieder Bodenbrüter, Amphibien und Vögel ungestört niedergelassen.

Seit Ende November werden die Wasserbüffel zugefüttert, darum kümmert sich auch Norbert Strache. "Zwischen 150 und 200 Kilogramm Stroh und Heu pro Tag", schätzt er, "stehen auf dem Speiseplan." Das Heu würden die Tiere lieber mögen, weil da noch ein paar Kräuter drin sind und vergleicht: "Mir schmeckt gemischter Salat auch besser." Sprießt im März das erste Grün, finden die Büffel wieder ihr saftiges Futter. Das Frühjahr sei für sie die schönste Jahreszeit. "Hitze mögen die Tiere überhaupt nicht", erklärt der Büffelflüsterer. "30 oder 35 Grad sind für sie viel zu warm. Dann liegen sie im Wasser und sind selbst mit Fernglas nicht zu entdecken. Jedes Tier hat seine Lieblingsstelle."

Tiere sind alle kerngesund
Bei nass-kaltem Wetter leiden die Jungtiere, weiß Strache. "Wir lieben ja auch kein Schmuddelwetter." Die Kälber finden dann in einem massiven Stall auf dem Gelände Schutz. Das ist umfriedet. Ob der Zaun in Ordnung ist, danach schaut Norbert Strache täglich. Er ist gern in der Natur, weil es täglich etwas Neues zu entdecken oder zu beobachten gibt, wie im Herbst der Vogelzug.

Und wenn es den Tieren gut geht, geht es auch dem Büffelflüsterer gut. "Alle Geburten sind bisher problemlos verlaufen. Der Bestand ist kerngesund. Das bescheinigen die regelmäßigen Kontrollen durch den Tierarzt. Es gab noch keine Krankheiten und keine Verletzungen", berichtet Strache.

Vicky, die trächtige Büffel­dame, kommt gemächlich auf Strache zu. Sie legt ihren Kopf auf seinen Arm. Ein Zeichen von Vertrauen.“

Ilona Berger / 12.12.16


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OTZ-Beitrag vom 10. Dezember 2016: Nachwuchs im Paradies: Im Naturschutzgebiet Frießnitzer See-Struth leben 20 Wasserbüffel


Schautafeln entlang des Lehrpfades im Naturschutzgebiet

OTZ-Beitrag vom 23. November 2016
(04.12.2016)

Lutz Wolfram, ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer des Naturschutzgebietes Frießnitzer See-Struth, vor einer Schautafel am Aussichtsturm.
Foto: Ilona Berger

„Frießnitz. Begeistert erzählt Lutz Wolfram über das Naturschutzgebiet Frießnitzer See-Struth. Mit Christoph Kummer betreut er ehrenamtlich dieses Areal. "Zurzeit führt der See wenig Wasser. Der Weidaer Angelverein e.V. fischt ihn ab."

In der kalten Jahreszeit finden weniger Besucher den Weg hier her. Dennoch sind sie fasziniert. Auf dem Aussichtsturm kann man stundenlang verweilen und der weite Blick sorgt für Über raschungen, merken Besucher an. Der zwei bis drei Kilometer lange Lehrpfad führt von Frießnitz nach Großebersdorf, vorbei an den Wasserbüffeln. "Diese bleiben das ganze Jahr im Freien", berichtet Lutz Wolfram. Jetzt sind sie wieder zu sehen. "Die Tiere haben weniger Probleme mit der Kälte. Ist es heiß, gehen sie baden." Zudem ist im Sommer die Vegetation in den Feuchtwiesen sehr hoch, deshalb verschwinden die Wasserbüffel im Schilf. 14 Tiere, darunter ein Bulle, seien im Gebiet. Dass im Naturschutzgebiet immer mehr seltene Vogelarten leben, beweisen Fotos von Rainer Rathmann vom Nabu Altenburg. Er hielt in diesem Jahr den Zwergstrandläufer und den Dunklen Wasserläufer mit der Kamera fest.

Ein ornithologisches Gutachter von 2015 bescheinigte, dass unter anderem Bekassinen, Blaukehlchen, Wendehals und Feldlerche am Frießnitzer See Brutvorkommen haben.

Wolfram spricht auch Probleme an. Er ärgert sich, dass Randbereiche des Naturschutzgebietes zur illegalen Müllentsorgung genutzt werden. Erst im Herbst wurde im Bereich des Sandberges die Große Telekie mit ihren Pfahlwurzeln bekämpft. "Sie wurde eingeschleppt und hatte sich auf einer Fläche von zwei bis sechs Metern ausgebreitet, wird die Pflanze nicht vernichtet, verdrängt sie einheimische Arten", klärt Lutz Wolfram auf. Nachwuchssorgen bereiten dem Ehrenamtlichen ebenso Kopfzerbrechen. "Wem sollen die Älteren ihre Artenkenntnisse weiter vermitteln?" Die im Sommer dieses Jahres gegründete Facebookgruppe "Tiere im Naturschutzgebiet Frießnitzer See" soll junge Leute anlocken.“

Ilona Berger / 23.11.16


Text- und Bildquelle

OTZ-Beitrag vom 23. November 2016: Schautafeln entlang des Lehrpfades im Naturschutzgebiet


Der Feuersalamander ein „Minidrache mit Warnweste“ – Lurch des Jahres 2016

(15.11.2016)

Feuersalamander (Salamandra salamandra)
Foto: Leo/fokus-natur.de

Vortrag im Museum für Naturkunde Gera am 8. Dezember 2016 um 19.00 Uhr

Einst war der Feuersalamander auch im Gebiet der Stadt Gera sowie dem Landkreis Greiz ein an geeigneten Lebensräumen häufig vorkommender Lurch. Heute existieren noch kleine Vorkommen bei Unterröppisch und Untermhaus. Im Elstertal, vor allem am Fuchsbach bei Endschütz, aber auch im Weida- und Leubatal gibt es weitere, teilweise erfreulich große, Bestände. Aufgrund seines auffälligen Äußeren ist er seit altersher eine vom Menschen besonders beachtete und sagenumwobene Art.

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), die eng mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammenarbeitet, hat den Feuersalamander zum Lurch des Jahres 2016 ernannt. Auf diese Weise wird eine der auffälligsten und in Europa derzeit noch verbreiteten Amphibienarten in den Blickpunkt des Naturschutzes gerückt. Deutschland trägt für den Erhalt des Feuersalamanders eine besondere Verantwortung, da hier ein bedeutendes Hauptverbreitungsgebiet liegt. In den Roten Listen einiger Bundesländer wird der Feuersalamander bereits als gefährdet eingestuft, weil er vielerorts einen rückläufigen Bestandstrend zeigt. Heute leidet er unter der Vernichtung seiner Lebensräume durch Intensivnutzung von Laubmischwäldern, deren Zerschneidung durch Straßenbau sowie den Gewässerausbau und Besatz mit Fischen in den Larvengewässern. Auch ein tödlicher Hautpilz bedroht den Lurch.

Frau Christianna Serfling, eine der besten Kennerinnen der Thüringer Amphibien und Reptilien, wird in ihrem Vortrag die Lebensweise und die Fortpflanzung, die Gefährdung und den Schutz dieses wunderschönen „Minidrachens mit Warnweste“ kurzweilig vorstellen. Veranstalter ist der NABU Gera-Greiz e.V.


Saisonende in der Naturschutz-Information des NABU in Waldhaus

(14.11.2016)

Am letzten Oktober Wochenende wurde die NABU Naturschutz-Information in Waldhaus von freiwilligen Naturfreunden winterfest gemacht. 11 Erwachsene und 3 Kinder waren zum Arbeitseinsatz gekommen. Es wurden die Außenanlagen gereinigt, Schilder und Fahnenmasten abgebaut und Fische umgesiedelt.

Die Naturschutz-Information wurde am 01.05.2016 vom NABU Gera-Greiz übernommen und seitdem ist sie wieder zum „Besuchermagnet“ geworden. In dieser Saison 2016 kamen 4500 Naturfreunde aus vielen Teilen Deutschlands in die Info. Aber auch Besucher aus dem Ausland, wie aus Spanien, Niederlande, Bulgarien, Schweden sowie Peru! Gerne wurde das Angebot von Kindergartengruppen und Schulklassen zur Information zum Thema Natur und Umwelt in Anspruch genommen.

Wie jedes Jahr war die NABU-Info eine Station der Waldjugendspiele des Thüringen Forst sowie der Globus-Markt Kette. Eine erfolgreiche Saison geht zu Ende, doch ab Mai 2017 wird mit neuen Ideen und Projekten wieder geöffnet.


Landwirtschaft verursacht massenhaftes Tiersterben

Beitrag aus der Süddeutschen Zeitung vom 27. Oktober 2016
(03.11.2016)

Die Artenvielfalt in Deutschland hat weiter abgenommen, Hauptursache laut WWF: intensive Landwirtschaft.
Foto: Leo/fokus-natur.de

  • Die Bestände vieler Tierarten haben sich weltweit seit 1970 mehr als halbiert. Derzeit schrumpfen die Populationen um etwa zwei Prozent pro Jahr.
  • Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Umweltorganisation WWF, der "Living Planet Report".
  • Die Umweltschützer machen unter anderem die intensive Landwirtschaft für das Massensterben verantwortlich, aber auch Überfischung oder Urbanisierung.

„Die Bestände vieler Wirbeltierarten haben sich in den vergangenen 40 Jahren weltweit im Schnitt mehr als halbiert, jedes Jahr schrumpfen die Populationen um weitere zwei Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der "Living Planet Report" der Umweltorganisation WWF und der Zoologischen Gesellschaft London. Die biologische Vielfalt, erfasst durch den sogenannten "Living Planet Index", sei seit 1970 um 58 Prozent gesunken. Bis 2020 drohe ein Minus von 67 Prozent.

Für die Studie beobachten Forscher langfristig die Populationen von 3700 Wirbeltierarten, dazu zählen Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien. Zwei Drittel der untersuchten Bestände seien besorgniserregend geschrumpft. Besonders dramatisch sei der Rückgang demnach in Flüssen oder Seen: Die Populationen von Reptilien oder Fischen in Süßwasser schrumpften demnach zwischen 1970 und 2012 durchschnittlich um 81 Prozent. Bei den an Land lebenden Arten betrug der Rückgang mehr als ein Drittel.

An Land verschlechtere sich der Lebensraum rapide, beklagt der WWF - nicht nachhaltige Landwirtschaft, Verkehrsprojekte und das Heranwachsen neuer Siedlungen und Gewerbegebiete lassen den Tieren immer weniger Raum. In den Weltmeeren setzt vor allem die Überfischung den Arten zu. Aber auch der Klimawandel trägt bereits zum Verschwinden von Arten bei. Besonders im Meer zwingen höhere Temperaturen viele Tiere dazu, ihre ursprünglichen Verbreitungsgebiete zu verlassen.

Jede dritte heimische Art ist im Bestand gefährdet

Den Daten zufolge spielt sich das Massensterben nicht nur in entlegenen Weltregionen ab. Etwa jede dritte der 32 000 in Deutschland heimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sei in ihrem Bestand gefährdet, warnt der WWF. Rebhuhn und Kiebitz etwa gelten bereits als sehr selten. 5,6 Prozent der heimischen Arten sind bereits ausgestorben. Dafür macht der WWF vor allem eine zu intensive Landwirtschaft verantwortlich. So leidet die Biodiversität etwa unter dem Stickstoffüberschuss infolge des Einsatzes von Kunstdünger. Auch importiert der deutsche Agrarsektor besonders viel Soja aus Südamerika, um Fleisch zu erzeugen. Dafür wird im Ausland eine Anbaufläche von zwei Millionen Hektar gebraucht, das entspricht der Gesamtfläche von Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt.

Die Naturschützer werfen der Bundesregierung vor, den Klimaschutz nicht mehr ernsthaft zu verfolgen. Bei der konkreten Umsetzung von internationalen Klimavereinbarungen gehe der deutschen Politik die Luft aus, sagt Christoph Heinrich vom WWF Deutschland. "Der Entwurf des Klimaschutzplans 2050 wird gerade bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt."

Wie der Bericht zeigt, verbraucht die Menschheit pro Jahr rechnerisch die Ressourcen von 1,6 Erden. Zum Beispiel wird mehr Holz in den Wäldern geschlagen als nachwachsen kann. Leben die Menschen weiter wie bisher, wären demnach im Jahr 2030 zwei Erden nötig, um den jährlichen Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken.“

©Süddeutsche.de/chrb/dpa/fehu


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Süddeutsche Zeutung-Beitrag vom 27. Oktober 2016: Landwirtschaft verursacht massenhaftes Tiersterben


Wie Rotkäppchen dem Wolf schadet – Wissenswertes gab es in Triebes

OTZ-Beitrag vom 10. Oktober 2016
(17.10.2016)

„Wie erkenne ich einen Wolf? Was macht ihn aus? Und was hat er mit seiner Darstellung in den Märchen wirklich gemein? Diesen und anderen Fragen ging ein Vortrag am Sonnabend in Triebes nach.

Claus Hermann aus Reichenbach mit Stoffwolf Alan und Kindern, die den Vortrag interessiert verfolgten.
Foto: Katja Krahmer

Zeulenroda-Triebes. 15 kleine wie große Gäste folgten der Einladung am Sonnabendnachmittag an den Triebeser Stau, wo sich im Vereinsheim der Angler alles rund um den "Lupus canis canis", den Wolf drehte. "Wir hatten die Idee, weil wir oft auf das Thema angesprochen wurden", berichtete Veranstalterin Uta Wagner, die mit Claus Hermann aus Reichenbach einen fachkundigen Referenten eingeladen hatte.

Der Nabu-Wolfsbotschafter führte anschaulich in die Welt des Wolfes ein, stellte klar, dass das Tier aus dem Märchen wenig mit dem in der Realität gemein hat, und lieferte so einige wissenswerte Informationen. So erfuhren die Teilnehmer, dass der Wolf nicht nur gut hören und sehen, sondern auch schwimmen kann. Dass er lebenslang monogam bleibt und in das Territorium seines Rudels keinen weiteren Wolf hinein lässt. Dass seine Losung meist Haare und Knochenstücke enthält und bis zu 40 Zentimeter lang sein kann. Und dass er von der Evolution her für die Jagd prädestiniert ist. An einem Beispiel erläuterte Hermann, dass der Wolf in der Nahrungskette benötigt wird: "Aufgrund des großen Nahrungsangebotes, etwa Mais, vermehrt sich das Schwarzwild sehr stark", erläuterte Hermann. Der Wolf sei dazu auserkoren, den Bestand aufrecht zu erhalten, indem er etwa das kranke Wild durch seine Hetz selektiert.

Bei seinen Ausführungen bediente sich der Reichenbacher immer wieder seiner Handpuppe Alan und gestaltete den Vortrag damit auch für die Kinder unter den Gästen sehr anschaulich. Das gelang schließlich auch durch die mobile und interaktive Ausstellung des Nabu über den Wolf, die Hermann mitgebracht hatte.

Diese ist ab morgen und bis 16. Oktober auch im Städtischen Museum Zeulenroda zu sehen. Des Weiteren wird es unter dem Titel "Rotkäppchen lügt ..." am Dienstag, dem 11. Oktober, von 10 bis 15 Uhr, einen Aktionstag mit Claus Hermann geben, bei dem der Wolfsbotschafter mit vielen Spielen, Erklärungen und Informationen zur aktuellen Situation der Wölfe im Vogtland aufwartet.“

Katja Krahmer / 10.10.16


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OTZ-Beitrag vom 10. Oktober 2016: Wie Rotkäppchen dem Wolf schadet – Wissenswertes gab es in Triebes


Naturfreunde kämpfen weiter um Schutzstatus für die „Lasur“

OTZ-Beitrag vom 19. September 2016
(26.09.2016)

„In dem artenreichen Gebiet im Südosten Geras trafen sich am Sonnabend Mitglieder des Naturschutzbundes Gera-Greiz mit der Thüringer Umweltministerin Anja Siegensmund.

Die aus Gera stammende Umweltministerin Anja Siegesmund (vorn links) mit ihrer einstigen Biologielehrerin Ingeburg Kinast in der Lasur.
Foto: Marcel Hilbert

Gera. Die "Lasur" in Gera steht auf einer Liste potenzieller Gebiete, die einen Naturschutzstatus erhalten können. Diese Aussage habe sie nach Rücksprache mit dem Landesverwaltungsamt erhalten. Und damit wollte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) beim Vor-Ort-Termin am Sonnabend, zu dem sich der Naturschutzbund (Nabu) Gera-Greiz traf, den Geraer Naturfreunden den Rücken stärken, die sich seit Jahren für die Unterschutz-Stellung des Gebietes im Südosten der Stadt stark machen.

Allerdings, schränkte Siegesmund auch gleich ein, dauere so ein Verfahren seine Zeit, weil in der Behörde nur wenige Mitarbeiter mit der Prüfung und Ausweisung solcher Gebiete im ganzen Freistaat betraut seien. Deshalb auch, meinte später ein Mitglied des Nabu, müssten die Geraer nicht nur die Schutzwürdigkeit der "Lasur" nachwiesen, sondern auch die Schutzbedürftigkeit, zum Beispiel wegen drohender Gefährdungen.

Die "zweifelsfreie" Schutzwürdigkeit brauche niemand mehr nachzuweisen, meinte er und verwies auf Ausführungen von Wolfgang Klemm vom Naturschutzbeirat Gera und Ingeburg Kinast vom Nabu. Sie hatten von Hunderten nachgewiesenen Tier- und Pflanzenarten in der "Lasur" berichtet, von denen wiederum zahlreiche besonders geschützt seien oder gar auf der Roten Liste stünden. Orchideen, Waldvöglein, Braunroter Sitter oder Nestwurz waren nur einige Beispiele, die genannt wurden. "Eine Menge Arten sind schon verschwunden", sagte Wolfgang Klemm: "Wir bemühen uns um den Schutzstatus, eh auch die letzten Arten verschwinden."

Um diesen Schutzstatus der "Lasur" – auch "Roter Hang" genannt wegen der Farbe des als "Rotliegend" bezeichneten Gesteins – werde laut Klemm im Prinzip seit 1935 gekämpft, mit mal mehr mal weniger Intensität. So sei man nach dem Krieg lange davon ausgegangen, dass die "Lasur" ein Naturschutzgebiet ist, ehe die fehlende Aktenlage dies widerlegt habe. 2006, so Klemm habe man für ein rund 53 Hektar umfassendes Gebiet der "Lasur" ein Schutzwürdigkeits-Gutachten in Auftrag gegeben, das 2010 vorlag.

Anja Siegesmund, die wie erwähnt um Verständnis für die Dauer des Verfahrens warb, erklärte aber auch, dass das formale Verfahren nur das eine sei. Das andere sei der Diskussionsstand. "Wie ist die öffentliche Meinung dazu?", fragte sie und regte eine öffentliche Diskussion dazu mit entsprechenden Behördenvertretern im Ortsteilrat Zwötzen an. Diese Idee soll nun wohl aufgenommen werden, hieß es.“

Marcel Hilbert / 19.09.16


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OTZ-Beitrag vom 19. September 2016: Naturfreunde kämpfen weiter um Schutzstatus für die „Lasur“


Rückblick auf die Jahreshauptversammlung 2016

(17.09.2016)

Zur Jahreshauptversammlung (JHV) wurde Herr Frank Leo für seine langjährige aktive Naturschutzarbeit mit der silberen Ehrennadel des NABU ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Frau Franziska Hermsdorf vom NABU Thüringen e.V. Im Vorstand des Kreisverbandes löste Frau Annett Scholz den langjährigen Stellvertreter, Herrn Sebastian Schopplich, ab, der familiärer und beruflicher Gründe halber pausieren muß.

Nach der JHV führten Frau Ingeborg Kinast und Herr Dr. Wolfgang Klemm die Teilnehmer über die Lasur, einem der naturschutzfachlich wertvollsten Gebiete der Stadt Gera. Hierbei waren Thüringens Umweltministerin Frau Anja Siegesmund und Herr Klaus Schultheiß, Leiter der AG Gehölzfreunde in der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera e.V., als Gäste anwesend.


Fotos: Lutz Wolfram, NABU Gera-Greiz e.V.


Helfer-Herzen: Zeulenrodaer Ingo Eckardt in Berlin für Umwelt-Engagement

OTZ-Beitrag vom 15. September 2016
(17.09.2016)

Der Zeulenrodaer Ingo Eckardt zeigt voller Stolz seine in Berlin vom Bundespräsidenten Joachim Gauck erhaltenen.
Foto: Jens Pachmann

„Ingo Eckardt hat allen Grund, stolz zu sein. Denn der Zeulenrodaer gehört zu den 13 nationalen Preisträgern von „HelferHerzen – Der dm-Preis für Engagement“. Die Auszeichnung fand in Berlin statt.

Zeulenroda-Triebes. Eine prominent besetzte Jury zeigte sich beeindruckt vom ehrenamtlichen Einsatz des 49-Jährigen, der die Ehrung für den Freistaat Thüringen in Empfang nahm. Im feierlichen Rahmen des Bürgerfests des Bundespräsidenten Joachim Gauck im Schloss Bellevue wurden die Kandidaten gewürdigt. Die Auszeichnung beinhaltet ein Preisgeld in Höhe von 1000 Euro sowie einen Tag mit einem nationalen Jury-Mitglied. Gemeinsame Preise gab es für Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen sowie Berlin und Brandenburg.

Treffen mit Präsidenten des Naturschutzbundes

„Ich habe mich für Olaf Tschimpke, den Präsidenten des Naturschutzbundes Deutschland, entschieden. Das wird bestimmt sehr spannend. Wir werden dann im kommenden Jahr verschiedene Projekte im Landkreis Greiz besichtigen“, freut sich Eckardt schon jetzt auf die Begegnung mit dem in Peine geborenen Tschimpke, der bereits mit 22 Jahren in den Naturschutzbund (Nabu) eingetreten war. Vor seiner Tätigkeit beim Nabu widmete er sich Forschungsarbeiten über Umweltprobleme und Fragen der umweltverträglichen Landnutzung in Sri Lanka und in Tansania.

Von der Auszeichnungsveranstaltung in der Hauptstadt zeigt sich Eckardt noch immer beeindruckt, obwohl diese schon ein paar Tage zurückliegt: „Für mich ist es eine große Ehre, diesen Preis in Empfang nehmen zu können. Bei der Veranstaltung war so viel Prominenz da, das war schon beeindruckend. Auch das Rahmenprogramm und die Rede des Bundespräsidenten waren etwas Besonderes. Nicht weniger beeindruckend war der Rundgang im Schloss Bellevue. Das erlebt man mit Sicherheit nicht alle Tage.“

Vor 25 Jahren ist Ingo Eckardt zur Naturschutzjugend (Naju) gekommen. Dort ist er als Gruppenleiter tätig, ist Leiter der Ornithologen-Camps auf Landesebene in Plothen, Herbsleben und Kelbra. Auch im Nabu-Orts- und Kreisvorstand ist er aktiv, kümmert sich dort um die Finanzen. Beim Aufbau des Naturerlebnishauses im Leutratal bei Jena ist er ebenfalls mit von der Partie. Und auch die wissenschaftliche Vogelberingung für Arten, die auf der Roten Liste stehen, ist ein Teil seines weitreichenden Engagements im Freistaat.

Zur nationalen Jury, die die nicht einfache Aufgabe hatte, die Preisträger auszuwählen, gehörte auch Hannes Jaenicke, der nicht nur einer der gefragtesten deutschen Schauspieler ist, sondern er schreibt seit 2010 auch spannende Debattenbücher zu Themen, die ihn beschäftigen. 2007 begann er, Umweltskandale, die direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen heute haben, aufzudecken. Sein Bücher „Wut allein reicht nicht“ und „Die große Volksverarsche“ sind Bestseller.

Weltmeisterin Nia Künzer sitzt im Gremium

Auch Nia Künzer saß im Gremium. Sie wurde 1980 in Botswana geboren und wuchs im hessischen Wetzlar auf, wo auch ihre Karriere als Fußballerin begann. Nachdem sie für die deutsche Nationalmannschaft entdeckte wurde, erlangte sie 2003 als Schützin des "Golden Goals" im WM-Finale gegen Schweden internationale Bekanntheit und machte Deutschland erstmals zum
Frauenfußball-Weltmeister.

Ingo Eckardt jedenfalls hat die Stunden in der Hauptstadt in vollen Zügen genossen, viele schöne Eindrücke mitgenommen und vor
allem weiteren Rückenwind für sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement bekommen.“

Jens Pachmann / 15.09.16


OTZ-Beitrag vom 15. September 2016: „Helfer-Herzen: Zeulenrodaer Ingo Eckardt in Berlin für Umwelt-Engagement“


Ehrung für Naturschutzurgestein Eckhard Titz aus Zeulenroda

(13.09.2016)

Am 7. September wurde in Erfurt unter dem Motto „Langer Atem für die Natur“ der 5. Thüringer Naturschutzpreis der Stiftung Naturschutz Thüringen verliehen.

Die Ehrung erfolgte durch die Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz, Frau Anja Siegesmund, im Rahmen eines Festaktes im Collegium Maius. Den 3. Preis teilten sich 4 Preisträger, zu denen auch unser NABU-Mitglied Eckhard Titz aus Zeulenroda gehörte. Herr Titz wurde für seine Jahrzehnte (seit 1978!) lange Pflege der botanisch weit bekannten „Wiese an der Kölbelmühle“ geehrt. Dieses Hangquellmoor mit seinen für Ostthüringen besonderen botanischen Kostbarkeiten, kann Herr Titz zurecht als sein Lebenswerk betrachten. Dabei brauchte es mehr als nur einen langen Atem. Der diesjährige Einsatz ist am 01.10.


Anmeldungen unter: 03 66 28 / 60 45 2


Der NABU Thüringen verurteilt illegale Greifvogelverfolgung

Straftaten gegen Greifvögel müssen effektiv registriert, aufgeklärt und geahndet werden
(19.08.2016)

Mäusebussard im Fangkorb
Foto: Komitee gegen den Vogelmord

„Der NABU Thüringen nimmt den Tot der vier Milane bei Clingen, im Kyffhäuserkreis, zum Anlass, um auf die Problematik der illegalen Greifvogelverfolgung aufmerksam zu machen.

Von Zeugen wird vermutet, dass die Tiere durch menschlichen Einfluss ums Leben gekommen sind.
Obwohl alle Greifvogelarten in Deutschland seit den 1970er Jahren unter strengem Schutz stehen, werden immer noch jedes Jahr Hunderte Greifvögel illegal verfolgt. Vergiftungen, Fang, Abschuss und die Zerstörung von Nestern verhindern die weitere Erholung der durch jahrhundertelange Verfolgung dezimierten Bestände und die Wiederbesiedlung verwaister Brutgebiete.

Seit 2004 haben NABU und das Komitee gegen den Vogelmord 869 Straftaten gegen Greifvögel dokumentiert, bei denen 1373 Vögel von 18 verschiedenen Greifvogel- und drei Eulenarten bundesweit getötet wurden. Die Dunkelziffer unentdeckter Taten ist wesentlich höher. Laut NABU müssen Straftaten gegen Greifvögel effektiv registriert, aufgeklärt und geahndet werden.“


Text- und Bildquelle
OTZ-Beitrag vom 17. August 2016: „Unbekannte erschlugen vier geschützte Milane bei Clingen“


Bisher einmalige Straftat in Thüringen: Storchennest störte in Windkraftgebiet – jetzt ist es weg

Brutplatz der geschützten Vögel hätte Bau von 212 Meter hohen Windrädern verhindert. Umweltbehörde sieht Zusammenhang. Polizei ermittelt.
(15.08.2016)

Schwarzstorch (Ciconia nigra)
Foto: Pröhl/fokus-natur.de

„Kraftsdorf. Hans Heindel steht vor der Kiefer, die wieder aussieht wie jede im Wald. "Hier war der Schwarzstorch-Horst", sagt der 73-Jährige, der den Brutplatz kürzlich entdeckte. "Da oben, in 15 Meter Höhe. Das waren Profis. Nichts ist mehr da, es gibt auch keine Kletterspuren." Die Polizei ermittelt. Der Kriminalfall von Kraftsdorf, Landkreis Gera, ist ein Rätsel. Man weiß nur eines: wem es nützt, wenn solch ein Horst verschwindet. Wo der Schwarzstorch brütet, darf in der Regel im Abstand von drei Kilometern kein Windrad errichtet werden. Für Kraftsdorf wurde überlegt, 62 Hektar als Vorrangfläche auszuweisen. [...]

In Kraftsdorf leben auch Skeptiker, die zweifeln, dass dort ein Schwarzstorch brütete. "Ich habe ihn noch nicht gesehen. Man kann auch etwas erfinden, wenn man das braucht", sagt Andreas Rothe – Eigentümer einer Fläche, die Windkraftbauer gern hätten. Der Schwarzstorch, als scheuer Waldbewohner bekannt, brüte wohl kaum in Sichtweite einer viel befahrenen Autobahn, gibt Rothe zu bedenken.

Drei Menschen, kannten den genauen Standort

Ungewöhnlich sei das tatsächlich, räumt Wolfgang Jeschonnek ein, Gründungsmitglied der renommierten Arbeitsgruppe Artenschutz und einer der erfahrensten Ornithologen des Landes: "Ich kann bestätigen, dass der Schwarzstorch in dieser Kiefer gebrütet hat. Der Horst war frisch und relativ klein. Der Schwarzstorch hat ihn vermutlich das erste Mal benutzt." Nur drei Menschen, zunächst jedenfalls, kannten den genauen Standort: Heindel, Jeschonnek und Sabine Nagler. Dabei blieb es aber nicht. "Ich musste die exakten Koordinaten der unteren Naturschutzbehörde des Nachbarkreises mitteilen", sagt Sabine Nagler. "Die hatten schon gedrängelt." Im Juli gab es dann noch die Versammlung, in der die Bürgerinitiative das Ende aller Windkraftpläne freudig mit der Botschaft verkündete: "Bei uns brütet ein Schwarzstorch." "Das war ein Fehler", sagt Heindel. "Auch viele Windkraftfreunde waren im Raum." Was in Kraftsdorf geschah, passiert seit Jahren in ganz Deutschland, so oder ähnlich: Wo Windräder geplant sind, verschwinden plötzlich streng geschützte Vögel, die den Bau verhindern könnten. Dutzende Fälle hat die Deutsche Wildtierstiftung dokumentiert. Vor einem Jahr gab es erste Fälle in Thüringen. Das war rund um Weira und betraf junge Milane. Auch bei Kraftsdorf brüten Milane. Der Weg zum Windradbau bleibt deshalb verstellt.“

Frank Schauka / 13.08.16 / Thüringer Allgemeine


Quelle / Volltext


NATURA-2000-Station in Grünberg/Altenburger Land eröffnet

(12.08.2016)

Eröffnung der Station in Grünberg und Exkursion nach Löbichau

Am 11.08.2016 wurde die 4. Thüringer NATURA-2000 Station eröffnet. Träger ist der Landschaftspflegeverband Altenburger Land. Die Grünberger betreuen nun 26 NATURA-2000-Gebiete und verschiedene FFH-Objekte in den Landkreisen Altenburger Land und Greiz, der Stadt Gera sowie einem kleinen Bereich des Saale-Holzland-Kreises. Nach der Eröffnung wurde das Areal des NABU Altenburger Land bei Löbichau, wo seit ca. 10 Jahren eine vorbildliche und beispielhafte Naturschutzarbeit geleistet wird, besichtigt.


Fotos: A. Oehler / NABU Gera-Greiz


Kabinettausstellung „GRANAT – Mineralarten und Fundstellen auf fünf Kontinenten“

... im Museum für Naturkunde Gera
(16.07.2016)

Grüner, pinkfarbener und brauner Granat aus dem Ural und dem Fernen Osten in Russland und aus Mexiko.
Foto: Frank Hrouda, Museum für Naturkunde Gera

Bis zum 31. Dezember 2016 zeigt das Museum für Naturkunde Gera ab sofort die neue Kabinettausstellung „GRANAT – Mineralarten und Fundstellen auf fünf Kontinenten“ als Ergänzung der Dauerausstellung im Mineralienhöhler des Schreiberschen Hauses.

Der Begriff Granat erinnert in erster Linie an einen roten Schmuckstein. Der legendäre heilige Brustschild des jüdischen Hohenpriesters Aaron (ca. 520 v. Chr.) trug einen prächtigen Granat. Auch in der Krone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sitzt ein als einzigartig empfundener Granat (”Der Waise”) zentral zwischen anderen Edel- und Schmucksteinen. Besonders populär ist Granat im 19. Jahrhundert in Form des böhmischen Granatschmucks aus Pyrop.

Die Kabinettausstellung „GRANAT“ zeigt, dass sich hinter dem Begriff eine ganze Gruppe von Mineralien mit einer Reihe ähnlicher Grundeigenschaften verbirgt, die sog. Granat-Supergruppe. Die Vertreter kristallisieren im selben Kristallsystem und bilden oft Formen mit 12 oder 24 Kristallflächen. Ganz unterschiedlich ist jedoch ihre Farbe, die von schwarz, über braun, gelb, rot bis zu grün reicht. Granat-Minerale sind nicht selten. Jedoch zeigt die Kabinettausstellung besonders gut ausgebildete und spektakulär gefärbte, seltene Exemplare von besonderen Fundstellen auf fünf Kontinenten.

So erwarten die Besucher unter den ca. 60 Exponaten exzellenter Almandin von einem kleinen Bauernhof in Brasilien/Süd-Amerika, pink-schwarzer Grossular aus Mexiko/Nord-Amerika, Spessartin aus Granithügeln in Süd-Ost-China/Asien, Demantoid aus den Alpen in Italien/Europa und Melanit aus Marokko/Afrika.


St. Petri Kirche Dorna – Lebensraum Kirchturm

wenn Natur- und Denkmalschutz ineinander greifen
(14.06.2016)

St. Petri in Gera-Dorna bietet Nisthilfen für allerlei Vögel und Fledermäuse
Foto: Mario Scholz, NABU Gera-Greiz e.V.

Beitrag aus dem Magazin Monumente, Ausgabe Juni 2016

„Um Kirchengemeinden für den Artenschutz zu sensibilisieren, hat der NABU (Naturschutzbund Deutschland) zusammen mit dem Beratungsausschuss für das Glockenwesen das Projekt „Lebensraum Kirchturm“ initiiert. Sie würdigen das Engagement, bei denkmalgerechten Baumaßnahmen vorhandene Nistplätze zu erhalten und neue zu schaffen, mit einer Plakette.

St. Petri in Gera-Dorna bietet Nisthilfen für allerlei Vögel und Fledermäuse
Foto: Mario Scholz, NABU Gera-Greiz e.V.

Als 2007 die erste Kirche ausgezeichnet wurde, war der Turmfalke Vogel des Jahres. Der kleinste bei uns vorkommende Greifvogel steht zwar nicht auf der Roten Liste, dennoch nehmen seine Bestände ab. Ihm fehlen nicht nur Zugänge zu Nistplätzen, sondern auch geeignete Nahrungsangebote. Durch den Einsatz von Pestiziden geht die Mäusepopulation zurück. Außerdem findet der Falke auf den Wiesen und Feldern kaum noch einzeln stehende Bäume, die er als Rastplatz und Beobachtungsposten für die Jagd benötigt. Mehr als 930 Kirchengemeinden wurden bislang mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet. Die Naturschützer begleiten die Baumaßnahmen eng, vermitteln wertvolle Informationen über bedrohte Tierarten und stellen Anleitungen für den Bau von denkmalgerechten Nistkästen bereit. Das Projekt zeigt, wie einfach es ist, geeigneten Wohnraum für Vögel und Fledermäuse zu gestalten. Tauben, deren Kot überall Probleme bereitet, lassen sich beispielsweise abhalten, indem die Einfluglöcher nicht größer als acht Quadratzentimeter sind. Dort passen sie nicht hindurch.

St. Petri in Gera-Dorna bietet Nisthilfen für allerlei Vögel und Fledermäuse
Foto: Mario Scholz, NABU Gera-Greiz e.V.

Annett Scholz, die sich im Gemeindekirchenrat von St. Petri in Gera-Dorna engagiert, und ihr Mann Mario mussten von „Lebensraum Kirchturm“ nicht erst überzeugt werden. Als Mitglieder im NABU war es für sie selbstverständlich, zusammen mit Sebastian Schopplich – Vorstandsmitglied des NABU Gera-Greiz e. V. –, der Kirchengemeinde und der Bausachverständigen des Kirchenamtes Gera zu überlegen, welche Nistmöglichkeiten bei den drei Baumaßnahmen an den Dächern der gotischen Kirche berücksichtigt werden könnten. Während der Arbeiten, die 2009 am Dach des Kirchenschiffs in Dorna begannen, wurden drei Nistkästen für Fledermäuse am Westgiebel installiert. Die nachtaktiven Tiere haben einen speziellen Mechanismus im Fuß – eine Sehne mit Widerhaken –, der es ihnen ermöglicht, sich ohne großen Muskelaufwand kopfüber in den Kasten zu hängen und dort den Tag zu verdösen. Nach und nach kamen in Dorna Wohnungen für Dohlen, Turmfalken, Schleiereulen und Mauersegler hinzu. Alle leben dort nun in friedlicher Koexistenz. Zudem bietet der naturbelassene 8.000 Quadratmeter umfassende Pfarrgarten, in dem sich Insekten und allerlei anderes Getier tummeln, Vögeln und Fledermäusen einen reich gedeckten Tisch. Das erfolgreiche Projekt hat um Gera herum bereits viele Nachahmer gefunden.“


Textquelle / Artikel: Natur- und Denkmalschutz greifen ineinander


Besuch der Mohlsdorfer Kita „Regenbogen“ in der Naturschutzstation Waldhaus

(13.06.2016)

Die frisch enthüllte Tafel zum Pfad der Sinne
Foto: © Vogtlandspiegel

Beitrag aus dem Vogtlandspiegel vom 18. Mai 2016

„WALDHAUS. Sehen, hören, tasten, riechen und fühlen – der am Dienstagmittag eingeweihte Pfad der Sinne bereichert das Naherholungszentrum Waldhaus in großartiger Weise und kann ab sofort von kleinen und großen Gästen in Beschlag genommen werden. Oberhalb des Spielplatzes laden nun sieben Barfußbereiche, eine mit Sand gefüllte Sprunggrube, eine Duftorgel, Fühlkästen, ein Baum-Xylophon und vieles mehr dazu ein, die Sinne zu schärfen. “Im Jahr 2014 wurde das Entwicklungskonzept Greiz-Werdauer Wald im Rahmen des Regionalbudgets der Region Greiz erstellt. Basierend auf diesem Konzept und den empfohlenen Maßnahmen konnte die Idee nun umgesetzt werden”, erklärte dazu Jochen Eidner, Abteilungsleiter II des Landratsamtes Greiz, der gemeinsam mit der Bürgermeisterin der Gemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf, Petra Pampel die Infotafel enthüllte. Finanziert wurde der Pfad der Sinne aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) im Rahmen des Regionalbudgets für die Region Greiz. Knapp 14.000 Euro flossen in die Maßnahme ein. Petra Pampel bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Greiz und den beteiligten Firmen.

Die zur Einweihung des Pfades anwesenden Mädchen und Jungen des Mohlsdorfer Kindergartens “Regenbogen” konnten es kaum erwarten, selbst auf “Entdeckungsreise” zu gehen und nahmen den Pfad der Sinne sofort in Beschlag. “Das Areal war völlig verwildert, die Natur hatte es sich zurückgeholt”, wie Ellen Rössel vom Sachgebiet Wirtschaft des Landratsamtes erklärte, die maßgeblich an der Umsetzung beteiligt war. Nun hoffe man nur noch, dass alles so schön bleibe und der Pfad der Sinne gut angenommen wird. Auch die Bänke, die man beim Beräumen des Geländes vorfand, bekommen demnächst neue Sitzflächen. Bäume wurden angepflanzt und ein ansprechendes natürliches Ambiente gestaltet. Mit Einweihung des Geländes geht die Verantwortlichkeit nun an die Gemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf über. Für die Gestaltung und Herstellung von Informationstafeln zeigte sich Stark.comm – Agentur für Kommunikation & Werbung und für die Gestaltung und Herstellung von kleinen Motivtafeln an der Sprunggrube die Firma ExpressDesign verantwortlich. Zudem bedankte sich Jochen Eidner bei der Gemeinde Mohlsdorf und der Straßenmeisterei, die die Maßnahme baulich ausführte.“


Text- und Bildquelle


Naturschutzstation Waldhaus wiedereröffnet

(05.05.2016)

Impressionen von der Eröffnung

Die 2004 durch den Verein Ostthüringer Ornithologen Greiz e.V. (VOOG) begründete Naturschutzstation Waldhaus, die in vortrefflicher Weise über unsere heimische Natur informiert, wobei der Schwerpunkt auf der Vogelwelt liegt, wurde am 1. Mai wiedereröffnet.

Ausstellung

Nach der bedauerlichen Auflösung des VOOG übernahm der NABU Gera-Greiz die Trägerschaft der Station. Diese ist von Dienstag bis Sonnabend von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr und sonntags von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Besuch lohnt sich - zögern Sie nicht!

Fotos: Lutz Wolfram, NABU Gera-Greiz e.V.


OTZ-Beitrag vom 23. April 2016: „Nabu Gera-Greiz übernimmt Naturschutzinfo in Waldhaus“

OTZ-Beitrag vom 03. Mai 2016: „Naturschutzinfo in Waldhaus ist in die Saison gestartet“


EU-Kommission verklagt Deutschland vor dem Gerichtshof der EU wegen anhaltender Gewässerverunreinigung durch Nitrat

(04.05.2016)

Brüssel, 28. April 2016

Deutschland wegen Wasserverschmutzung und Nitrat vor Gericht.

Die Europäische Kommission verklagt Deutschland vor dem Gerichtshof der EU, weil es versäumt hat, strengere Maßnahmen gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat zu ergreifen. Nitrat ist für das Wachstum von Pflanzen von entscheidender Bedeutung und wird häufig als Düngemittel eingesetzt. Allerdings führen überhöhte Mengen zu starken Wasserverunreinigungen – mit entsprechenden Folgen für die menschliche Gesundheit, die Wirtschaft und die Umwelt. Der heutige Beschluss folgt auf eine mit Gründen versehene Stellungnahme, die den deutschen Behörden im Juli 2014 übermittelt wurde.

Die von Deutschland zuletzt im Jahr 2012 übermittelten Zahlen sowie mehrere Berichte deutscher Behörden aus jüngster Zeit zeigen eine wachsende Nitratverunreinigung des Grundwassers und der Oberflächengewässer, einschließlich der Ostsee.

Trotz dieser Entwicklungen hat Deutschland keine hinreichenden Zusatzmaßnahmen getroffen, um die Nitratverunreinigung wirksam zu bekämpfen und seine einschlägigen Rechtsvorschriften entsprechend den für Nitrat geltenden EU-Vorschriften zu überarbeiten (Richtlinie 91/676/EWG des Rates). Da die Kommission der Auffassung ist, dass die Verunreinigung der Gewässer durch Nitrat auch im Rahmen der laufenden Überarbeitung des nationalen Aktionsprogramms nicht ausreichend angegangen wird, hat sie beschlossen, Deutschland vor dem Gerichtshof der EU zu verklagen.

Hintergrund

Die Nitratrichtlinie (Richtlinie 91/676/EWG des Rates vom 12. Dezember 1991) hat zum Ziel, die Wasserqualität in Europa zu verbessern, indem die Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verhindert und der Einsatz beispielhafter landwirtschaftlicher Verfahren gefördert wird. Die Mitgliedstaaten müssen ihre Gewässer überwachen und jene bestimmen, die durch Verschmutzung bedroht sind. Des Weiteren müssen sie geeignete Aktionsprogramme einrichten, um derartige Verunreinigungen zu verhindern und zu verringern. Die Richtlinie stellt einen wesentlichen Bestandteil der Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) dar und ist eines der Schlüsselinstrumente für den Schutz der Gewässer vor Belastungen durch die Landwirtschaft.

Überhöhte Nitratwerte können das Süßwasser und die Meeresumwelt schädigen, indem sie Algenwachstum begünstigen und dadurch anderes Leben ersticken. Dieser als Eutrophierung bezeichnete Prozess hat eine gravierende Verschlechterung der Wasserqualität und einen Verlust an biologischer Vielfalt zur Folge. Eine Nitratkonzentration von über 50 mg/l kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere auf schwangere Frauen und Kleinkinder, haben. Die Entfernung von Nitrat aus Trinkwasser ist sehr kostspielig; sie wird vor allem durch Haushalte und Behörden finanziert.

Weitere Informationen:

IP/16/1453

Priesmeier: Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe drohen – Deutschland braucht endlich ein wirksames Düngerecht

Heute hat die EU-Kommission offiziell Klage gegen Deutschland vor dem EU Gerichtshof wegen des langjährigen Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie erhoben. Die EU-Nitratrichtlinie ist ein wichtiger Baustein der EU-Wasserrahmenrichtlinie. „Leider hat mich die EU heute in meinen Forderungen bestätigt: Wertvolle Zeit ist ungenutzt ins Land gegangen mit dem Ergebnis, dass uns nun Strafzahlungen von rund einer Viertel Millionen Euro pro Tag drohen! Im schlimmsten Fall bedeutet das für den Steuerzahler, dass er für mehrere hundert Millionen Euro Strafe aufkommen müsste! Das Bundeslandwirtschaftsministerium und die CDU/CSU müssen nun endlich bei der Novellierung des Düngerechts einen Gang zulegen. Es darf nicht dazu kommen, dass am Ende die EU-Gerichte vorgeben, was zu tun ist. Wir brauchen endlich wirksame Regelungen und Maßnahmen, die EU-konform sind. Es führt kein Weg an der Einführung einer flächenbezogenen Hoftorbilanz vorbei, um realistische Daten zu sammeln und wirksame Maßnahmen ergreifen zu können. Auch müssen diese unsinnigen Vorschläge wie die pauschalisierte Anrechenbarkeit von Futterverlusten ganz schnell wieder verschwinden, wenn wir nicht den letzten Kredit bei der EU verspielen wollen. Daher müssen wir jetzt alle EU-Vorgaben zu Nitrat, Phosphat und Ammoniak mit einbeziehen, damit die Landwirte auch Planungssicherheit erhalten. Die Zeit der Spielchen ist vorbei und wir können nicht alle Jahre wieder das Düngerecht aufmachen“, so der agrarpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Wilhelm Priesmeier.

Die Mitteilung der EU-Kommission finden Sie hier: europa.eu/rapid/press-release_IP-16-1453_de.htm

Umweltverbände und Sachverständigenräte fordern strengere Düngeverordnung

Mit zehn Forderungen zur aktuellen Novelle der Düngeverordnung appellieren bereits im Oktober 2014 der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace, GRÜNE LIGA, Naturschutzbund Deutschland (NABU), WWF Deutschland und der Deutsche Naturschutzring (DNR) an die Bundesregierung, die Nitrat- und Phosphatbelastung zu minimieren:

wrrl-info.de/docs/positionspapier_duengeverordnung.pdf

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) geht in seinem Sondergutachten „Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem“ (2015) davon aus, dass mindestens eine Halbierung der Stickstoffeinträge in Deutschland und der EU notwendig wäre, um nationale und internationale Umweltqualitätsziele zu erreichen. Es besteht daher gerade im Hauptverursachersektor Landwirtschaft ein immenser Handlungsbedarf. In einem gemeinsamen mit dem Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) und dem Wissenschaftlicher Beirat für Düngungsfragen (WBD) verfassten offenen Brief werden die aktuellen Defizite des Düngerechts aufgelistet: wrrl-info.de/docs/vortrag_sem48_offenerbrief.pdf

Während in der Wasserwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten immense Erfolge bei der Reduktion der Nährstoffeinträge in die Gewässer erzielt wurden (u.a. Umsetzung der Kommunalabwasser-RL), hält im Landwirtschaftssektor die Überdüngung von Natur und Landschaft quasi ungebremst an – und nimmt aktuell sogar wieder zu!

„Ein guter Weg, die sich in der Gesundheits- und Sterbestatistik wiederspiegelnde Ammoniakemission aus der Landwirtschaft zu reduzieren wäre, bei der Gülleausbringung die Einarbeitungszeit in den Boden auf eine statt vier Stunden zu verkürzen. Diese relativ einfache und kostengünstige Maßnahme sollte in der Novelle der Düngeverordnung verankert werden.“ fasst Michael Bender, Leiter der GRÜNE LIGA Bundeskontaktstelle Wasser die Ergebnisse eines Fachgesprächs vom 17. März zusammen. „Neben der verpflichtenden Einführung der Hoftorbilanz zur Nährstoffbilanzierung im Düngegesetz muss bei der Phosphatdüngung auch die Verfügbarkeit im Boden und beim Stickstoff der Herbst-Nmin-gehalt berücksichtigt werden, um die gnadenlose Überdüngung einzugrenzen. Dazu sind dann nicht nur ordnungsrechtlich bewehrte Regelungen notwendig, sondern auch eine Verwaltung, die entsprechende Kontrollen durchführt.“

Vorträge und Programm von Fachgespräch und Podiumsdiskussion:

wrrl-info.de/site.php4?navione=angebote&navitwo=seminare&content=seminar48


GRÜNE LIGA Thüringen e.V.
Landesgeschäftsstelle
Goetheplatz 9b
99423 Weimar


Ehrenamt im Joch der DBU

(24.04.2016)

Die Moorrenaturierungsflächen im Pöllwitzer Wald sind u.a. Habitat der Kreuzotter. Hier ist die Bewirtschaftung auf ein Minimum reduziert. Doch andernorts im Pöllwitzer Wald fehlt diese Rücksichtnahme auf die Belange der Natur – obwohl die DBU Flächeneigentümerin ist.
Foto: Lutz Wolfram, NABU Gera-Greiz e.V.

Die „DBU Naturerbe GmbH“, eine Untergliederung der „Deutsche Bundesstiftung Umwelt“ (DBU), einer Stiftung der Bundesrepublik Deutschland, hat für die ehrenamtliche Forschungsarbeit auf stiftungseigenen Fläche eine Festlegung erlassen (siehe die Hervorhebungen in der PDF im Anhang), die aus unserer Sicht eine völlig unverhältnismäßige und größtenteils (Ausnahme sind z.B. Munitionsaltlastenflächen) unbegründete Bevormundung und Knebelung der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit z.B. im Pöllwitzer Wald bedeutet.

Foto: Lutz Wolfram, NABU Gera-Greiz e.V.

Wie diese Monopolisierung der ehrenamtlichen Naturschutzarbeit und der Forschungsdatenverwendung mit dem Umweltinformationsgesetz und dem gemeinwohlverpflichteten Kernanliegen der DBU in Übereinstimmung gebracht werden kann, bleibt ein großes Rätsel, so wie auch die Art und Weise der Bewirtschaftung hiesiger DBU-Flächen, die die Distanz zur naturnahen Waldbewirtschaftung schmerzlich aufzeigt.


Erteilung einer Forschungsgenehmigung und Genehmigung von ehrenamtlichen Datenerhebungen auf DBU-Naturerbeflächen


Die Geraer Gehölzfreunde erarbeiteten einen neuen Dendrologischen Wanderführer „Bäume in Gera“

(23.04.2016)

Die Arbeitsgruppe der Geraer Gehölzfreunde präsentiert den neuen Dendrologischen Wanderführer „Gehölze in Gera“ im Museum für Naturkunde Gera
2. v. r. Klaus Schultheiß, Leiter der Geraer Gehölzfreunde
3. v. r. Michael Stumm, Grafiker
Foto: Museum für Naturkunde

In ehrenamtlicher Arbeit wurden von den 10 Mitgliedern der Arbeitsgruppe rund 500 Stunden aufgebracht für der Erfassung des Gehölzbestandes einschließlich der wissenschaftlichen Art-Bestimmung, die Ausarbeitung der Planunterlagen mit den Eintragungen der Bäume, die Gestaltung des Wandertextes und der Artenliste sowie die Abstimmungen mit Grafiker und Druckerei sowie für die Kennzeichnung der Bäume.

Informationen zur Arbeitsgruppe der Geraer Gehölzfreunde

Bereits 1999 war ein Vorgänger-Faltblatt „Dendrologische Wanderung – Bäume in Gera“, damals in Regie des Kulturbundes ausgearbeitet worden und hatte großen Anklang in der Bevölkerung gefunden.

Es gab in den letzten 15 Jahren viele Veränderungen, insbesondere im Zuge der BUGA 2007, mit den neu gestalteten Parkanlagen Hofwiesenpark, Küchengarten, Ufer-Elster-Park, Gessental und auch durch neue Straßenführungen. Eine Neuauflage war also dringend geboten. Aufgenommen wurden Detailpläne für das Stadtzentrum und die Parkanlagen Küchengarten, Hofwiesenpark, Ost- und Südfriedhof, Botanischer Garten und Bieblacher Park.

Erfasst wurden nunmehr insgesamt 185 (vormals 151) unterschiedliche Arten einschließlich Formen und Sorten, darunter viele bekannte Arten, aber auch eine Vielzahl dendrologischer Besonderheiten.

Über 500 Bäume wurden - entsprechend den Festlegungen der Denkmalsschutzbehörde - auf hellgrauem Untergrund mit schwarzen Zahlen gekennzeichnet. Anhand dieser Zahlen ist mit dem Wanderführertext wie mit dem Artenverzeichnis eine eindeutige botanische Bestimmung der gefundenen Gehölze möglich. Zugleich wird in dem Begleittext viel Wissenswertes zu Ökologie, geschichtlichen Hintergründen und Besonderheiten der Gehölze vermittelt. Die Baum-Nummern des alten Faltblattes stimmen übrigens wegen vieler neu hinzugekommener Arten nicht mit den jetzigen überein – man braucht also das neue Faltblatt!

Erste Exemplare des neuen Faltblattes wurden der Oberbürgermeisterin Frau Dr. Viola Hahn und dem Vorsitzendes der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera e. V., Herrn Klaus Peter Creter, übergeben. Die Stadtführer, die 26 Schulen in Gera sowie Naturschutzverbände erhalten kostenlose Exemplare. Weitere Faltblätter sind zu einer Schutzgebühr von 2,00 € erhältlich z.B. im Museum für Naturkunde, im Stadtmuseum, der Gera-Information, im H 35 und Fr. Brendel‘s Buchhandlung.


Klaus Schultheiß
Leiter der Sektion Gehölzkunde
Tel: 0365.8005222
E-Mail: schultheiss-gera@web.de


Die Botaniker Thüringens

(19.01.2016)

Bucheinband Vorderseite

Ende 2015 erschien als Ergebnis langjähriger Forschungsarbeit das Buch „Die Botaniker Thüringens“ (PUSCH, BARTHEL & HEINRICH 2015) als Beiheft 18 der Zeitschrift „Haussknechtia“. Es werden 581 Biografien der wichtigsten Botaniker in Thüringen vorgestellt, reich illustriert mit zahlreichen Porträts, Herbaretiketten und Briefen. Darunter befinden sich zahlreiche Floristen, die deutschlandweit tätig waren und Weltruhm erlangt haben (z.B. J. Thal, C. Haussknecht, T. Irmisch, T. Kützing, K. Mägdefrau u.a.).

Das vortreffliche Werk (932 Seiten, solide gebunden) kann zum Preis von 60,- Euro inkl. Versand und Verpackung bei Dr. Jürgen Pusch (Rottlebener Straße 67 in 06567 Bad Frankenhausen, Tel.: 034671 55689, E-Mail: j.pusch@kyffhaeuser.de) erworben werden.


Artenrückgang in Europa oder „Eine ökologische Katastrophe im ländlichen Raum“

Beitrag des Deutschlandfunks vom 12.01.2016
(15.01.2016)

„Rebhuhn, Feldlerche, Kiebitz und andere Arten seien bald für immer aus Deutschland und Europa verschwunden, warnt Konstantin Kreiser vom Naturschutzbund. Er fordert im DLF ein Ende der "pauschalen Gießkannensubventionen" für Landwirte und eine Neuausrichtung der EU-Förderpolitik.“

Ganzer Beitrag: www.deutschlandfunk.de/artenrueckgang-in-europa-eine-oekologische-katastrophe-im.697.de.html?dram:article_id=342256

Lutschetal (zwischen Brahmenau und Schwaara)
Foto: Leo/fokus-natur.de

Konstantin Kreiser im Gespräch mit Britta Fecke

[...]

Britta Fecke: Bei den Impressionisten waren sie ein beliebtes Motiv, Mohnblumen, die ein Weizenfeld rot färbten, Kornblumen, die sich im Wind wiegten, blau wie das Meer. Diese Motive findet man bei Monet, Renoir, auf französischen, spanischen oder deutschen Getreideflächen sieht man sie kaum noch. Wenn, dann beim Biobauern. Doch ein Großteil der europäischen Ackerflächen wird inzwischen konventionell bewirtschaftet und das beinhaltet eine derart intensive Nutzung des Bodens, einen so hohen Einsatz von Pestiziden, chemischem Dünger und Gülle, dass Kamille, Kornblume und Co. keine Chance mehr haben,
[...]
Zur Stunde wird in Berlin die europäische Studie zur Artenerosion in Europas Agrarlandschaften vorgestellt. Einer der Referenten ist Konstantin Kreiser, Teamleiter für EU-Naturschutzpolitik beim NABU. Herr Kreiser, wie steht es denn um die Biodiversität auf europäischen Äckern und landwirtschaftlich genutzten Grünlandflächen?

Konstantin Kreiser: [...] Wir haben es mit einem sich tatsächlich beschleunigenden Artenschwund zu tun, vor allem in der landwirtschaftlich geprägten Landwirtschaft. Denn während unsere Naturschutzgebiete und auch EU-finanzierten Artenhilfsprogramme zu wirken beginnen, macht die Art, wie unser Land überwiegend bewirtschaftet wird, diese Erfolge zum großen Teil wieder zunichte, oder wie gesagt verschärft sogar das Artensterben weiter. Wir haben Bestände von Arten, die früher jeder kannte, die häufig waren, wie das Rebhuhn, das auch gern gegessen wurde, das in Kochbüchern auftaucht, wie die Feldlerche, den Kiebitz. Diese Bestände befinden sich im freien Fall. In den letzten 25 Jahren sind 94 Prozent der Rebhühner bei uns verschwunden, ein Drittel der Feldlerchen, drei Viertel der Kiebitze. [...]

60 Milliarden Euro Steuergeldern pro Jahr – ohne Gegenleistung

Fecke: Wie hat sich denn die EU-Förderpolitik geändert in den letzten zehn Jahren, sodass das Artensterben damit einhergehen konnte?

Kreiser: Die EU-Förderpolitik, die EU-Agrarpolitik wird im Prinzip alle sieben Jahre reformiert und überprüft und diskutiert und immer wieder wurde daran herumgeschraubt. Zunächst einmal wollte man die Butterberge und Milchseen eindämmen, hat dann nicht mehr die direkte Produktion gefördert, sondern verteilt die Steuergelder jetzt pro Hektar. Es ist jetzt so: Ein Hektar Agrarfläche erhält in Deutschland circa 300 Euro vom Steuerzahler, egal was dort passiert, ohne wesentliche Gegenleistungen. Gleichzeitig schaffen wir es nicht, nicht mal die 80 Euro pro Hektar aufzubringen, die ein Naturschutzgebiet bräuchte, um wirklich geschützt zu werden. [...]“


natuerlich-vogtland.de stellt das Vogtland im Internet wundervoll vor

(08.01.2016)

OTZ-Beitrag vom 07.01.2016

„Greiz. Tipps und Anregungen für einen Besuch im Vogtland findet man ab sofort auf der neuen Vogtland-Internetseite www.natuerlich-vogtland.de. Nach einer Studie zum großen Potenzial der Naturerlebnisse im nördlichen Vogtland 2012 hatten sich die verschiedensten Akteure entschlossen, diese Naturvielfalt auf einer Internetseite zu präsentieren.

Die Internetseite www.natuerlich-vogtland.de
Foto: NABU Gera-Greiz e.V.

Neben allgemeinen Informationen zu Naturbereichen im thüringischen Vogtland, touristischen Aktivitäten auf dem Rad oder zu Fuß beziehungsweise auch am oder im Wasser bietet die Internetplattform Informationen und Hinweise zu Veranstaltungen in der Natur. Die Angebote reichen von geführten Wanderungen, Hofläden, Kreativwerkstätten bis hin zu Freizeittipps für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Zudem hat jeder Nutzer die Möglichkeit, seinen „persönlichen Rucksack“ zu packen, mit allem, was er für seine nächste Natur-Tour für nützlich hält: Ausflugsziele, Veranstaltungstipps und Routen.

Darüber hinaus kann jeder Interessierte selbst einen Beitrag leisten, um die Webseite aktuell zu halten und zu erweitern, indem er noch nicht aufgeführte Geheimtipps in der Natur verrät oder unter der Rubrik „Mitmachen“ selbst Naturerlebnisse vorschlägt.“

Besuchen Sie www.natuerlich-vogtland.de!


Textquelle


Umweltschutz in der Landwirtschaft kommt zu langsam voran

Artensterben geht weiter – Stickstoffeinträge zu hoch – weniger Pestizide im Grundwasser
(24.10.2015)

Intensive Landwirtschaft
Foto: Leo/fokus-natur.de

Presseinfo des Umweltbundesamts / 12. Oktober 2015

Der Umweltschutz in der Landwirtschaft ist in den vergangenen 30 Jahren deutlich zu langsam vorangekommen. Viele alte Probleme – etwa die zu hohen Stickstoff-Einträge in Böden oder die Luft – sind trotz Verbesserungen ungelöst: So überschritten 1985 rund 90 Prozent der Flächen die kritischen Belastungsgrenzen für Stickstoff; aktuell sind es immer noch 50 Prozent. „Zu den alten Problemen treten leider neue hinzu – etwa durch Plastik oder Mikroplastik, das wir auf und in landwirtschaftlichen Böden finden. Dieses Thema stand 1985 noch gar nicht auf der Agenda“, sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA). Das UBA hatte in einer Studie untersuchen lassen, wie sich die Umweltbelastungen durch die Landwirtschaft seit 1985 verändert haben.

Der Zustand des Grundwassers hat sich in den vergangenen Jahren aber verbessert: „Erfreulich ist der Rückgang der Pestizid-Belastung des Grundwassers. Das ist vor allem Folge der strengen Zulassung der Stoffe in Deutschland und der EU. Flüsse, Bäche und Seen sind aber nach wie vor betroffen, besonders wenn Landwirte ihre Feldspritzen in Gewässernähe oder auf dem Hof reinigen.“, sagte Krautzberger. Mit dem Waschwasser können Pestizidrückstände vom Hof in die Kanalisation gelangen; in den Kläranlagen werden die Mittel dann nicht ausreichend abgebaut.

Beim Stickstoff (chemisch: N) gibt es zwar ebenfalls Fortschritte, flächendeckend ist ein guter chemischer und ökologischer Zustand aber bei weitem noch nicht erreicht. Stickstoff ist unerlässlicher Nährstoff für alle Lebewesen. Zu viel Stickstoff schädigt jedoch die Umwelt. Zu viel Gülle lässt in viehstarken Regionen auch die Nitratkonzentrationen (NO3-) im Grundwasser über die Grenzwerte schnellen. Das UBA empfiehlt, sowohl Gülle als auch Mineraldünger schnell einzuarbeiten und ausreichenden Abstand zu Bächen, Flüssen und Seen zu halten. Überschüssige Gülle aus viehstarken Regionen sollte überregional gemäß guter fachlicher Praxis verwertet werden. Mit der Novellierung der Düngeverordnung soll die Anwendung von Düngemitteln, insbesondere von Gülle den Erfordernissen des Umweltschutzes besser angepasst werden. Mit der Verordnung für Anlagen zur Lagerung wassergefährdender Stoffe (AwSV) soll ein besserer Schutz gegen Leckagen aus Anlagen sichergestellt werden, die Jauche, Gülle und Silagesickersäfte lagern.

Stickstoff in Form von Ammoniak (NH3) belastet auch die Luft noch zu stark. Ammoniak ist ein Vorläufer des lungengängigen Feinstaubs, dessen Entstehung aus gesundheitlichen Gründen begrenzt werden muss. Beim Ammoniak gerät Deutschland zudem in Kollision mit EU-Recht: Gemäß der Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen darf Deutschland jährlich 550 Kilotonnen Ammoniak ausstoßen. Derzeit wird diese Obergrenze nicht zuverlässig eingehalten. Genehmigungsbedürftige Geflügel- und Schweineställe müssen daher künftig zu Recht mit einer Abluftreinigung ausgestattet werden. Laut UBA wäre es auch ratsam, bei Rinderställen eine entsprechende Pflicht einzuführen.

Der Schutz der Böden ist in Deutschland anders als noch 1985 sogar per Gesetz geregelt. Die Landwirtschaft kommt ihrer Pflicht zum vorsorgenden Bodenschutz dadurch nach, dass sie die gute fachliche Praxis beachtet: Direktzahlungen bekommt sie nur in vollem Umfang, wenn sämtliche Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und guten ökologischen Zustand erhalten werden. In der Praxis findet Erosion, Schadverdichtung und Humusabbau aber immer noch statt. Enge Fruchtfolgen, spät schließende Reihenfrüchte oder schweres Gerät sind nach wie vor zulässig. Aber es gibt Lösungen, etwa eine konservierende Bodenbearbeitung, Streifenbearbeitung, ganzjährige Bodenbedeckung oder Zwischenfrüchte.

Die Belastung landwirtschaftlicher Böden mit Plastik und Mikroplastik war 1985 noch kein Thema. Vermutete Quellen sind Reste von in der Landwirtschaft eingesetzten Folien, Klärschlamm und Komposte. Hier sind aber zunächst valide Schätzungen zu den Eintragsmengen nötig, um effektive Minderungsstrategien zu entwickeln.

Anlass der neuen Studie ist das 30-jährige Jubiläum des Sondergutachens „Umweltprobleme der Landwirtschaft“, das der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) im Jahr 1985 veröffentlicht hatte. Das Gutachten hatte einige Verbesserungen bewirkt; auf manchen Gebieten kämpft Deutschland allerdings noch mit den altbekannten Problemen. Prof. Dr Wolfgang Haber, seinerzeit SRU-Vorsitzender, sagte: „Besonders beklagenswert ist, dass die angestrebte Trendwende beim Artenschutz verfehlt wurde. Arten und ihre Biotope sind in unseren Agrarlandschaften nach wie vor im Rückgang. Auf diese Weise geht ein bedeutender Teil unseres Artenreichtums verloren und ist nur schwer wieder zu ersetzen.“


Umweltbundesamt Hauptsitz
Wörlitzer Platz 1
06844 Dessau-Roßlau
Deutschland

Textquelle / Presseinformation 36/2015


Landwirte zerstören sich selbst

Umweltexperten schlagen Alarm: Der Agrarsektor zerstört seine eigenen Produktionsgrundlagen. Unter anderem ist die Belastung des Grundwassers mit Nitraten hoch
(20.10.2015)

Foto: Pröhl/fokus-natur.de

von Stefan Sauer

Die Gabe der Weissagung wurde für Kassandra zum Fluch. Niemand schenkte ihr Glaube, bis ihre unheilvollen Warnungen schließlich eintraten. Eine ähnliche Erfahrung hat Wolfgang Haber hinter sich. 1985 legte der Landschaftsökologe als Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) ein erstes Gutachten zu den gravierenden Auswirkungen der modernen Landwirtschaft auf Artenvielfalt und Ökosysteme, auf die Qualität der Böden und des Grundwassers, auf Belastungen für Lebensmittel, Seen und Flüsse vor. Kernbotschaft: Ohne tiefgreifende Veränderungen zerstöre der Agrarsektor – auch seinen eigenen – Lebensgrundlagen.

Nun, 30 Jahre später, kommen Haber, SRU und Umweltbundesamt (UBA) in einer Studie zu dem Ergebnis, dass die Kassandrarufe von einst weitgehend ungehört verhallt sind. Dem Gutachten zufolge hat es nur in wenigen Punkten, etwa der Pestizidbelastung in Lebensmitteln und Gewässern, messbare Verbesserungen gegeben. In ökologisch zentralen Bereichen wurde die Lage dagegen schlechter.

Artenvielfalt bedroht

„Anlass zum Feiern gibt es nicht, eine Erfolgsbilanz kann man das wirklich nicht nennen“, bedauert UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Die Artenvielfalt geht laut UBA bis heute weiter zurück. Beispiel Feldvögel: Mehr als 40 Prozent der Arten, die 1980 auf Deutschlands Äckern anzutreffen waren, seien verschwunden. Auch die absolute Zahl der Tiere habe sich annähernd halbiert. Ähnliches gilt, so das UBA, für Insekten, Wildkräuter, wirbellose Bodenbewohner und Mikroorganismen.

„Nicht viel besser stehe es um die Belastung des Grundwassers durch Nitrat, betont Alois Heißenhuber, emeritierter Agrarökonom der TU München. Ungeachtet regionaler Fortschritte habe die Gesamtbelastung zugenommen. Insbesondere in Bundesländern mit hohem Nutztierbestand hätten die Nitrateinträge ein nicht mehr tragfähiges Ausmaß erreicht. Denn die Massentierhaltungsbetriebe produzierten nitrathaltige Gülle in Mengen, die die Aufnahmekapazität ortsnaher Anbauflächen bei Weitem übersteigen. Das Material werde betriebsnah in viel zu hohen Mengen ausgebracht und verunreinige das Grundwasser weit über die Grenzwerte hinaus.

Auf der Bremse

„Wir brauchen Vorgaben, die die Betriebe zu einer ökologisch vertretbaren Verwendung des Gülle zwingen und wir brauchen wirksame Kontrollen der Vorschriften“, fordert Heißenhuber.

SRU-Generalsekretär Christian Hey kritisierte: „Deutschland steht immer auf der Bremse, wenn es darum geht, die EU-Agrarpolitik stärker an den Interessen von Umwelt und Verbrauchern auszurichten.“ Noch immer zahle die EU jährlich 50 Milliarden Euro ohne Gegenleistungen in Form nachhaltigen Wirtschaftens an die Landwirte. Mit dem Gießkannenprinzip, nach dem die EU 300 Euro pro Hektar und Jahr an die Betriebe ausschütte, müsse Schluss sein. Hey: „Öffentliche Mittel dürfen nur noch für öffentliche Güter ausgegeben werden, nicht länger als voraussetzungslose Einkommenszuschüsse für die Landwirte.“


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Neue Publikation des Museums für Naturkunde Gera

(24.07.2015)

Titelbild (rechts): Museum für Naturkunde Gera im Schreiberschen Haus, Foto: Frank Hrouda, 2014
Abbildungen Rückseite: siehe unten

Am 23. Juli wurde der interessierten Öffentlichkeit das Heft 39 der renommierten Publikationsreihe des Museums für Naturkunde Gera vorgestellt. Das lang erwartete Heft enthält u.a. mehrere interessante Beiträge zum Thema "Das Museum für Naturkunde Gera und seine Sammlungen". Erstmalig steht das Museum selbst mit seinen Sammlungen in den Mittelpunkt. Präsentiert werden sowohl interessante zoologische und mineralogische Sammlungen als auch Sammlerpersönlichkeiten mit ihren Biografien – damit können vor allem bedeutende Neuzugänge bekannt gemacht werden. Wichtige Beiträge widmen sich auch der herausragenden Bausubstanz von Schreiberschem Haus, dem heutigen Museum für Naturkunde, und dem Turmhaus im Botanischen Garten, ebenso der wissenschaftlichen Museumsbibliothek und Naturschutzthemen wie dem Fischotter um Gera oder einer Blut-Buche als Totholzbiotop im Botanischen Garten.


Abbildungen Rückseite;

  • Goldschwanzsylphe (Sappho sparganura Shaw, 1812), Familie Kolibris, Männchen,
  • Standpräparat, Sammlung Feustel, Museum für Naturkunde Gera, Inv. Nr. IA4/79, s. S. 36, Foto: F. Hrouda
  • Quarz Var. Bergkristall (Fadenquarz), Kleine Windgälle (Berg), Maderanertal, Kanton Uri, Schweiz, 3,9 x 3,5 cm, Sammlung Schröder, Museum für Naturkunde Gera, Inv. Nr. 680/81 2730, s. S. 4, Foto: F. Hrouda
  • Goldglänzender Rosenkäfer (Cetonia aurata Linnaeus, 1761), Sammlung Museum für Naturkunde Gera, Foto: Foto-Schmidt Gera
  • Fischotter (Lutra lutra Linnaeus 1758), Männchen, gefunden 06.04.2011, Gera-Rubitz, Standpräparat, Sammlung Museum für Naturkunde Gera, Inv. Nr. IA5/442, s. S. 47, Foto: F. Hrouda

Lebt das Mittelalter in Thüringen fort?

(01.06.2015)

Die Menschen des Mittelalters hatten vielfältigsten Vorstellungen, was man tun muß, um böse Geister zu bannen oder Schaden abzuwenden. Rabenvögel waren aufgrund der christlichen Mythologie intensiver Verfolgung ausgesetzt, deren Auswirkungen bis in die heutige Zeit, allerdings unter anderem Vorzeichen, reichen. Trotz des gesetzlichen Schutzes, den die Aaskrähe (Corvus corone), eine Singvogelart aus de Familie der Rabenvögel (Corvidae) genießt, werden immer wieder illegale Tötungen dieser Art aktenkundig. Der hier abgebildete Fall, angesiedelt in der Region westlich von Weida, hatte polizeiliche Ermittlungen zur Folge, die zur Klärung dieser nicht nur juristisch sondern auch ethisch verabscheuungswürdigen Straftat führten.


Mehr Informationen zur Biologie, Ökologie u.a.m. der Rabenvögel sind unter www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/rabenvoegel/00520.html zu finden.


Eine Bank der Generationen

(31.05.2015)

Impressionen vom Birkhäuser Teich, aufgenommen am 20. Mai von Lutz Wolfram, NABU Gera-Greiz e.V.

Mit der akustischen Untermalung rufender Wasserfrösche und eines Kuckucks, so wie der kritischen Beobachtung einer Feldsperlings- und Starenfamilie, welche in den Nistkästen am Aussichtsturm ein Heim für ihr Familienleben gefunden haben, führten 5 Naturbegeisterte am 9. Mai einen Arbeitseinsatz im Bereich der Aussichtsturmes am Frießnitzer See durch.

Da der NABU seit der Eröffnung des renaturierten Naturschutzgebietes immer wieder den Hinweis von Familien erhalten hatte, daß kleinere Kinder nicht über die Brüstung des Turmes schauen können, wurde – aus Sicherheitsgründen an der inneren Brüstung -, unterhalb der Schautafeln, für diese eine Bank angebracht. Nun können alle Generationen von Besuchern von hier aus die Vogelwelt auf dem See beobachten. Zudem wurden die letzten Wildrosen in die Erde gebracht.

Impressionen vom Birkhäuser Teich, aufgenommen am 20. Mai von LLutz Wolfram, NABU Gera-Greiz e.V.

Eine bemerkenswerte Überraschung hatte dieser Tag auch noch zu bieten. Bei der Entfernung eines in den Seebach gestürzten Baumes wurde im Wurzelstock ein Europäischer Flußkrebs gefunden. Dieser Fund entfachte eine Diskussion darüber, wie der Europäische Flußkrebs (Astacus astacus) vom Kamberkrebs (Orconectes limosus) unterschieden werden kann. Auch wurden die Probleme, welche unser Flusskrebs durch seinen aus Amerika eingeschleppten Verwanden hat, besprochen


Mißachtung und Achtung der Natur

(03.09.2014)

Foto: Mario Scholz, NABU Gera-Greiz e.V.

Im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen des Neubaus der B2 (sog. "Nordost-Tangente") bei Gera wurden zahlreiche Obstbäume entlang der Wirtschaftwege gepflanzt. Per Gesetz besteht für den Vorhabensträger eine dreijährige Pflegeverpflichtung. Danach kümmert sich in den meisten Fällen niemand mehr um die Bäume, die gerade in den ersten Jahren besonders pflegebedürftig sind. Fehlende Niederschläge und ausbleibender Obstbaumschnitt führ(t)en bereits zu zahlreichen Verlusten, sprich dem Absterben der Bäume. Am Wirtschaftsweg zwischen Schwaara und Dorna wurde innerhalb weniger Monate bereits zum zweiten Mal ein gesunder Baum vorsätzlich umgebrochen. Der NABU hat Anzeige beim Landratsamt Greiz erstattet und bittet um Hinweise, die zur Aufklärung führen können.

Ein ganz anderes, erfreuliches Bild stammt aus Negis (Stadt Gera) vom Hof der Familie Helmut Voigt, in dessen Stall zwischen 50–100 Schwalben nächtigen. Der NABU dankt für das Offenhalten der Stallfenster und die Achtung gegenüber der Natur.

Foto: Mario Scholz, NABU Gera-Greiz e.V.


Die bemerkenswerte Beobachtung

(29.08.2014)

Foto: Hans Rohn

von sechs Weiß- und einem Schwarzstorch gelang Hans Rohn am 29.08.2014 auf dem frisch gemähten Grünland neben der Gasverdichterstation in Rückersdorf. Die sofortige Nutzung als Nahrungsfläche unterstreicht deutlich die Notwendigkeit der Erhaltung extensiv bewirtschafteter Grünflächen im nordöstlichen Landkreis Greiz.


Hohe Auszeichnung für das ENL-Projekt „Bestandsstärkung der Wechselkröte (Bufo viridis) im nördlichen Landkreis Greiz“ des NABU Gera-Greiz e.V.

(05.12.2013)

Plakette

Das im Mai 2012 gestartete ENL-Projekt wird am 29.11.2013 durch Herrn Dipl.-Biol. Ulrich Scheidt (Kustos für Herpetologie und Mammalogie am Naturkundemuseum Erfurt) namens der Deutschen Bundessstiftung Umwelt (DBU) als „Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ gewürdigt. Damit wird das mit hohem Engagement rein ehrenamtlich umgesetzte Naturschutzprojekt, welches nach der sensationellen Wiederentdeckung der als ausgestorben geltenden Wechselkröte im August 2011 in Brahmenau vorbereitet wurde, geehrt.

Für diese in Thüringen hochgradig bedrohte Amphibienart wurden bisher 15 neue Laichgewässer im nordöstlichen Landkreis Greiz angelegt oder optimiert. Zusätzlich wurden verschiedene Landlebensräume gemäß den Lebensraumansprüchen der Wechselkröte aufgewertet, indem z.B. Naturstein- und Totholzhaufen angelegt sowie Flächen entbuscht wurden. Vorbereitend erfolgte eine intensive Untersuchung des Projektgebietes, die Grundlage für die Planung der Lebensraumverbesserungen war. Zugleich gelangen während der Betreuung des westlich von Hirschfeld auch in diesem Jahr wieder errichteten Amphibienschutzzaunes weitere bemerkenswerte Nachweise.

Feierliche Übergabe

Dank der realisierten Maßnahmen konnte das Vorkommen der Wechselkröte nicht nur gesichert, sondern auch die weitere Wiederbesiedlung des nordöstlichen Landkreises Greiz erfolgreich gefördert werden. Die ENL-Projektförderung endet im November 2013. Die Projektfortführung wurde bei der Stiftung Naturschutz Thüringen beantragt.

In der Mitteilung über die Auszeichnungsvergabe wird seitens der DBU hervorgehoben, dass das Projekt „in beispielhafter Weise zur Vermittlung von biologischer Vielfalt beiträgt. Das Engagement des NABU Gera-Greiz e.V. für die biologische Vielfalt hat die Juroren und Jurorinnen sehr beeindruckt. Mit der Auszeichnung erhält der NABU Gera-Greiz e.V. die Bestätigung, dass er sich vorbildlich für die biologische Vielfalt in Deutschland einsetzt. Er setzt ein bedeutendes Zeichen für das Engagement in diesem Bereich und trägt dazu bei, mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu motivieren.“ Ab dem 29.11.2013 wird das Projekt auf der deutschen UN-Dekade-Webseite unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de vorgestellt.

An dieser Stelle sei allen Projektmitarbeitern für ihre unermüdliche Arbeit gedankt, ebenso allen Einwohnern der Verwaltungsgemeinschaft „Am Brahmetal“, die durch Hinweise und Fundmeldungen halfen, die Verbreitung zu präzisieren oder auf andere Art zum Gelingen des Projektes beitrugen.

Hintergrund

Auszeichnung

Das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 wurde von den Vereinten Nationen als „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des UN-Übereinkommens von 1992 unterstützen, deren Ziel es ist, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu soll auch das gesellschaftliche Bewusstsein gefördert werden. Genau hier setzt die deutsche UN-Dekade an: Sie möchte mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, unserer natürlichen Lebensgrundlage, gewinnen. Ein Schwerpunkt ist daher die Auszeichnung von vorbildlichen Projekten. Die Mitwirkenden setzen sich für die biologische Vielfalt ein, indem sie sie schützen, nachhaltig nutzen oder ihren Wert vermitteln. Denn die Erhaltung der „Biologischen Vielfalt“ ist die Grundlage einer langfristig gesicherten Existenz des menschlichen Lebens auf der Erde. Biologische Vielfalt ist alles, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen – einschließlich der Wechselwirkungen zur unbelebten Umwelt, innerhalb der Arten und zwischen den Arten – sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt ihrer Lebensräume. Mehr Informationen finden Sie unter www.un-dekade-biologische-vielfalt.de.


Das Projekt wird über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.
Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.


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Mobil: 0175 / 779 158 8
E-Mail:
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