Aktuelle Beiträge und Informationen zu regionaler und nationaler Naturschutzarbeit


DieTurteltaube ist der Vogel des Jahres 2020

Der gefiederte Liebesbote steht auf der globalen Roten Liste

Federzeichnung Turteltauben © Zeichnung: Stefanie Gendera

Vogel des Jahres 2020 - die Turteltaube
© Foto: Ralf Thierfelder

Sie ist ein Symbol für die Liebe, ihre Lebensbedingungen sind aber wenig romantisch: Die Turteltaube wurde vom NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogelschutz) zum „Vogel des Jahres 2020“ gewählt. Damit wollen die Verbände darauf aufmerksam machen, dass die Turteltaube stark gefährdet ist. „Seit 1980 haben wir fast 90 Prozent dieser Art verloren, ganze Landstriche sind turteltaubenfrei“. „Unsere kleinste Taube findet kaum noch geeignete Lebensräume. Zudem ist sie durch die legale und illegale Jagd im Mittelmeerraum bedroht.“

„Früher hat man das markante Gurren der Turteltaube an jedem Dorfrand oder Flussufer gehört“. „Wildkräutersamen an Feldwegen und Feldfrüchte aus Zwischensaaten boten ausreichend Nahrung. Heute brüten Turteltauben häufig auf ehemaligen Truppenübungsplätzen oder in Weinbauregionen, wo sie noch geeignete Lebensbedingungen vorfinden.“

Die Turteltaube ist der erste vom NABU gekürte Vogel, der als global gefährdete Art auf der weltweiten Roten Liste steht. Heute brüten bei uns nur noch 12.500 bis 22.000 Paare. Die meisten der höchstens 5,9 Millionen Paare Europas leben in Spanien, Frankreich, Italien und Rumänien. Turteltauben sind die einzigen Langstreckenzieher unter den Taubenarten Mitteleuropas. Sie verlassen zwischen Ende Juli und Anfang Oktober Europa, um südlich der Sahara zu überwintern.

Die 25 bis 28 Zentimeter großen Vögel mit ihrem farbenfrohen Gefieder ernähren sich fast ausschließlich vegan. Sie bevorzugen Wildkräuter- und Baumsamen. Dem Jahresvogel schmecken Samen von Klee, Vogelwicke, Erdrauch und Leimkraut. Diese Pflanzen wollen Landwirte nicht auf ihren Feldern haben. Darum hat sich die Taube seit den 60er Jahren angepasst und ihre Nahrung umgestellt. Der Anteil von Sämereien aus landwirtschaftlichen Kulturen macht nun in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets mehr als die Hälfte der Nahrung aus statt wie früher nur 20 Prozent. Im Gegensatz zu Wildkrautsamen stehen diese aber nur für kurze Zeit bis zur Ernte zur Verfügung und fehlen während der kritischen Phase der Jungenaufzucht.

Die Intensivierung der Landwirtschaft verschlechtert die Lebensbedingungen der Turteltauben enorm – ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Jahresvögeln teilt. Die Ausweitung von Anbauflächen geht mit einem Verlust von Brachen, Ackersäumen, Feldgehölzen und Kleingewässern einher. Damit verschwinden Nistplätze sowie Nahrungs- und Trinkstellen. Viele Äcker werden außerdem mit Herbiziden von „Unkraut“ befreit. Doch von genau diesen Ackerwildkräutern ernährt sich die Turteltaube. Außerdem ist chemisch behandeltes Saatgut vergiftete Nahrung für die Tauben. Der NABU kämpft seit Jahren für eine EU-Förderung der Landwirtschaft, die Natur erhält statt sie zu schädigen.

Eine zusätzliche Bedrohung ist die Vogeljagd im Mittelmeerraum. „Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die jährlich mehr als 1,4 Millionen in der EU legal geschossenen Turteltauben von der Art nicht mehr verkraftet werden können. Besonders skandalös: In manchen Ländern gilt das Schießen der stark gefährdeten Turteltauben als ,Sport‘ zum eigenen Vergnügen“. Gegen Spanien und Frankreich wurden im Juli bereits Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission wegen des schlechten Erhaltungszustands der Art eingeleitet. Gegen vier weitere EU-Länder liegen offizielle Beschwerden vor. Dies ist notwendig, obwohl auf einem Treffen aller Mitgliedsstaaten im Mai 2018 ein Aktionsplan zum Schutz der Europäischen Turteltaube verabschiedet wurde.

Um den gefiederten Liebesboten zu schützen, fordert der NABU Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit einer Petition mitmachen.nabu.de/turteltauben-retten auf, sich neben einer verbesserten Landwirtschaftspolitik auch für das dauerhafte Aussetzen der Abschussgenehmigungen in den EU-Mitgliedsstaaten einzusetzen.

Weitere Infos unter Vogel-des-Jahres.de,
LBV.de oder www.fokus-natur.de

Video- und Audiomaterial zur Turteltaube: seafile.nabu.de/d/c6e778d0b7

Die Farbbroschüre „Vogel des Jahres 2020 – Die Turteltaube“, DIN A5, 50 Seiten gibt es im NABU-Shop unter NABU-shop.de sowie unter lbv-shop.de

Petition gegen Abschuss von Turteltauben in der EU:
mitmachen.nabu.de/turteltauben-retten

Weitere Infos zur Agrarpolitik:
neueagrarpolitik.eu


Wasservögel auf der Talsperre in Zeulenroda-Triebes gezählt

Beitrag der OTZ vom 14. Oktober

Nabu-Mitglieder aus Zeulenroda sind am Sonntag unterwegs, um die Population der Wasservögel zu kontrollieren

Kormorane im Flug. Sie gehören derzeit mit zu den zahlreichsten Arten. © Foto: Tobias Schubert

Es ist Sonntagvormittag an der Vorsperre Riedelmühle. Auf einem kleinen Parkplatz zwischen Kleinwolschendorf und Pahren trifft sich der OTZ-Reporter mit Jürgen Kamradt und Ralf Sengewald von der Ortsgruppe Zeulenroda des Naturschutzbundes (Nabu). Sie sind in besonderer Mission unterwegs: Wasservögel müssen gezählt werden, sowohl nahe der Vorsperre als auch um die Stauwurzel herum. Es ist eine gar nicht mal so kurze Strecke, die die beiden zu erledigen haben, aber sie sind mit den Herausforderungen und Aufgaben bestens vertraut, schließlich ist es nicht das erste Mal, dass sie auf der Strecke unterwegs sind.

Insgesamt sechsmal im Jahr zählt der Nabu Zeulenroda in fünf Zählgebieten entlang der Weida die Wasservögel, erzählt Kamradt – im Januar, Februar, März und im Oktober, November und Dezember. Und das mit einem überschaubaren Team. Sieben aktive Beobachter gibt es, die sich die Gebiete einteilen und zum Teil schon seit Jahrzehnten mit dabei sind – Kamradt etwa seit 1968.

Schon von Weitem ist das Geschnatter der Nilgänse zu hören. Sie treten neben den Stockenten und Kormoranen am Sonntag am zahlreichsten auf. 89 werden Kamradt und Sengewald am Ende allein auf dem Teil der Vorsperre gezählt haben – viel im Vergleich zu anderen Arten, die sonst zahlreicher auftraten, aus verschiedenen Gründen derzeit aber noch nicht in der Region sind. Nilgänse sind, wie es schon der Name sagt, eigentlich nicht in der Region heimisch, werden es aber immer mehr. Relativ aggressiv verdrängen sie dabei andere Vogelarten aus den Brutgebieten und breiten sich aus.

Das ist ein Grund für die regelmäßigen Zählungen, erklärt Kamradt. Es geht darum, die Veränderungen in der Population im Blick zu behalten, zu schauen, wie sich etwa die Ausbreitung der Nilgänse auf die heimische Fauna auswirkt. Nur so kann man abschätzen, wie sich die Ausbreitung der Neozoen – Tiere, die sich in einem Gebiet vermehren, in dem sie nicht heimisch waren, wie eben die Nilgans – auf die heimischen Populationen auswirkt.

Bei anderen Vögeln, die in den vergangenen Jahren zum Teil auch sehr häufig auftraten, müssen die beiden jetzt (noch) passen. Eine Reiherente steht am Ende für das Gebiet der Vorsperre im Protokoll und nur ein Blässhuhn, auch Blesshuhn geschrieben. Sonst seien Teile der Talsperre manchmal ganz schwarz gewesen. Das Wetter war gut für die Vermehrung der Muscheln, die unter anderem als Nahrung der Blässhühner dient. Gerade an den Talsperren-Bauwerken im Wasser würden die Muscheln gut gedeihen, weswegen dort auch schon hunderte Tiere anzutreffen gewesen seien.

Warum außerhalb der Stockenten am Sonntag nur wenige der gewohnten Arten vorzufinden sind, könne an verschiedenen Dingen liegen, sagen die Nabu-Mitglieder. Natürlich gehe das auch auf die Neozoen zurück, die sich immer ausbreiteten. Das sei aber auch die Wärme, die derzeit noch herrscht. Viele Tiere würden sich noch auf Teichen in der Umgebung aufhalten, bis diese zugefroren sind. Zugvögel seien derzeit noch nicht gezwungen, bis in die hiesige Region zu kommen und hielten sich noch weiter nördlich auf. Es gebe auch noch weitere Gründe.

Als sich der Reporter verabschiedet, haben die beiden Nabu-Mitglieder noch einiges an Strecke vor sich, bis sie Feierabend machen können. Und es ist nicht die letzte Tour, schon im November geht es wieder los.

Dass Wasservögel in der Region gezählt werden, ist keine Neuerung der modernen Zeit. Schon zu DDR-Zeiten waren die heutigen Nabu-Mitglieder dafür unterwegs. Diesmal ist es sogar eine internationale Zählung, nicht nur in Zeulenroda sondern in vielen Orten sind am Sonntag die Menschen unterwegs. Die Ergebnisse werden im Anschluss ausgewertet, weitergemeldet und können dann zum Beispiel im Internet abgerufen werden.

Tobias Schubert / 14.10.2019

Text- und Bildquelle

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Dringender Aufruf zum Arbeitseinsatz für die Wechselkröte

Wechselkröte (Bufo viridis) ©Foto: Pröhl/fokus-natur.de

Wechselkröte (Bufo viridis)
©Foto: Pröhl/fokus-natur.de

Hallo Naturfreunde,
am Sonnabend, den 12.10.2019 um 9.30 Uhr wollen wir in Hirschfeld

  • Ortseingang rechts aus Richtung Söllmnitz -
  • kurz vor Ortsausgang links aus Richtung Pölzig in Richtung Söllmnitz
  • fürs Navi: 07554 Hirschfeld - Hirschfeld Nr. 2
    den 2. Teich auf Vordermann bringen, damit insbesondere die Wechselkröte
    im Frühjahr wieder ihr Laichrevier zur Verfügung hat.
    Dazu brauchen wir Eure Unterstützung.
    Es muss über den gesamten Teich eine Folie ausgelegt und diese fixiert werden
    und am 1. Teich sind einige Säuberungsmaßnahmen vorzunehmen.
    Über Unterstützung / Verstärkung wären wir sehr dankbar.
    Bitte bringt Gummistiefel, Hacke, Rechen, Spaten, Astschere und Arbeitshandschuhe mit.
    Wir rechnen mit ca. 2 Stunden Einsatzzeit.
    Um Rückmeldung wird gebeten: 036695-20767 oder 0365 - 4208970.
    Lasst die Wechselkröte und uns bitte nicht im Stich!
    Wir freuen uns auf euch!
    Ingo Giebner aus Hirschfeld vom Nabu Gera-Greiz e.V.

Ornithologischer Vortrag über die Vogelwelt in der Wismut-Region

Bildervortrag von Klaus Lieder (Vorsitzender des Landesfachausschusses Ornithologie)

Feldlerche (Alauda arvensis)
© Foto: Frank Leo/fokus-natur.de

Am Freitag, den 4. Oktober 2019 gibt es eine neuerliche Veranstaltung des NABU Kreisverbandes Gera-Greiz e. V. in der St. Petri Kirche Dorna. Um 18 Uhr startet Klaus Lieder aus Ronneburg (Vorsitzender des Landesfachausschusses Ornithologie) seinen Bildervortrag über „Die Lerche – den Vogel des Jahres 2019“ und über „Vögel in der Wismut-Region“. Der Veranstaltungsraum ist zudem sehr schön bebildert durch die begleitende NABU-Ausstellung zum "Vogel des Jahres".

Der Vortrag findet in der naturtemperierten Kirche St. Petri in Gera-Dorna statt (Veranstaltungsdauer ca. 60 min).
Der Eintritt ist frei; um eine Spende zur Deckung der Unkosten bzw. den Naturschutz vor Ort wird herzlich gebeten.

Adresse für das Navi: 07554 Gera Dorna Nr 2

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen!
Im Namen des NABU-KV Gera-Greiz e. V. grüßt Sie sehr herzlich Annett Scholz.


Kontakt

NABU-Kreisverband
Gera-Greiz e.V.

c/o Ingo Eckardt
Franz-Philipp-Straße 9
07937 Zeulenroda-Triebes
vorstand@nabu-gera-greiz.de

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