Fledermausschutz: Opfersuche zeigt Wirkung – März 2015

Fledermäuse als Windenergieopfer © Justus Maierhofer

Dass Naturschutzverbände etwas bewirken können und selbst gegenüber der oft übermächtig erscheinenden Windenergiewirtschaft keineswegs erfolglos sein müssen, zeigt die Initiative der Karl Kaus Stiftung für Tier und Natur, der Kreisgruppen des BUND und des NABU Lüchow-Dannenberg, des Vereins Naturkunde Lüchow e.V. und der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft Lüchow-Dannenberg.

Diese Organisationen finanzierten die Suche nach Fledermäusen, die an Windenergieanlagen in dem niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg zu Tode gekommen sind. Die beauftragten Fledermausfachleute Frank Manthey und Justus Maierhofer ermittelten 40 bis 50 tote Fledermäuse je Windpark und Saison. Unter diesen Voraussetzungen hätten die Anlagen nie in Betrieb gehen dürfen.

Die Naturschützer konfrontierten die Betreiber der Anlagen und den Landkreis, der den Anlagenbetrieb zugelassen hatte, mit den Zahlen. Wie nahezu alle in Deutschland errichteten 25.000 Windenergieanlagen sind die Anlagen ohne vorherige Untersuchungen der Fledermausfauna in Betrieb gegangen. Dass Fledermäuse an Windenergieanlagen ums Leben kommen können, hatten sich selbst Fledermausfachleute zunächst kaum vorstellen können. Sie lagen schlichtweg daneben. Heute schätzen Fachleute, dass an den bisher in Deutschland errichteten Anlagen jährlich eine Viertelmillion Fledermäuse sterben. Bedenkt man, dass viele Fledermausweibchen während der Jungenaufzucht buchstäblich der Schlag trifft und Fledermäuse nur ein Junges pro Jahr zur Welt bringen, wird das dramatische Ausmaß der Verluste ansatzweise sichtbar.

Die an den Anlagen im Landkreis Lüchow-Dannenberg ermittelten Todeszahlen können kaum folgenlos bleiben: Bei solchermaßen hohen Verlusten sind die Behörden befugt, ja sogar verpflichtet, unverzüglich Abschaltzeiten für die Anlagen festzulegen – und zwar für die Betreiber entschädigungslos. Mit Abschaltregelungen kann die Zahl der Todesopfer deutlich verringert werden. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg als Zulassungsbehörde strebt nun solche nachträglichen Beschränkungen an.

In Lüchow-Dannenberg liegt der symbolträchtige Ort Gorleben, der als Standort für ein geplantes atomares Endlager bekannt ist. Angesichts des in dieser Region großen Widerstandes gegen die Atomwirtschaft könnte man verstehen, wollten Politik und Bevölkerung hier mit Windenergieanlagen ein Zeichen für eine alternative Energiepolitik setzen. Tatsächlich ist die örtliche Bevölkerung um energiepolitische Vernunft bemüht und nicht bereit, der Windenergiewirtschaft vorbehaltslos noch mehr Flächen für Windenergieanlagen zu opfern. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg am Rande der ehemaligen deutsch-deutschen-Grenze haben sich vergleichsweise viele schöne Landschaften und Vorkommen seltener Arten erhalten. Die Bewohner der Region wissen um diesen Wert.

Dank der Ergebnisse des Schlagopfermonitorings werden die Opfer der Windenergiewirtschaft nun sichtbar und hoffentlich bald die notwendigen Abschaltregelungen getroffen. Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE) hat die Initiative der Fledermausschützer als beispielhaft herausgestellt. Das Beispiel sollte Schule machen. Was könnte für die Sache des Fledermausschutzes erreicht werden, würden andere Naturschutzvereinigungen dem Beispiel aus dem Landkreis-Lüchow-Dannenberg folgen? Was, wenn Landes- und Bundesverbände von NABU und BUND nur 1 Prozent ihres jährlichen Spendenaufkommens für solche Untersuchungen bereitstellten? Zug um Zug könnte der Anlagenbetrieb fledermausfreundlich nachgesteuert werden. Leichter lassen sich Fledermäuse nicht schützen. Die Windenergiewirtschaft streicht zwar enorme Gewinn ein, ist aber zu einem Schlagopfermonitoring, das zu nachträglichen Abschaltregelungen führen könnte, bisher nicht bereit.

Wie gefährlich die Ergebnisse einer Opfersuche sein können, zeigt das vom Bundesumweltministerium geförderte Forschungsvorhaben zur "Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen". An den untersuchten Anlagen waren hohe Fledermausverluste von bis zu 57 Tieren je Anlage zwischen Juli und September eines Jahres festgestellt worden. Dort kam es bisher nur deswegen zu keinen nachträglichen Beschränkungen, weil die universitären Biologen sich zuvor gegenüber den Betreibern verpflichtet hatten, die betreffenden Anlagen geheim zu halten. Das Bundesumweltministerium hatte die Untersuchungen mit mehr als einer Million Euro finanziert. Die EGE hatte diesen Skandal im August 2013 öffentlich gemacht, was ein großes Medienecho auslöste. Bundes- und Landesverbände der großen Naturschutzvereinigungen indessen haben zu dem Vorgang geschwiegen.


Text- und Bildquelle

Unsere Partner