🌿 Geschützter Landschaftsbestandteil „An der Taubertsmühle“
Ein Naturkleinod im Landkreis Greiz

Luftbild Taubertsmühle © Foto: Leo / fokus-natur.de

Felsbildung © Foto: Lutz Wolfram
Der Geschützte Landschaftsbestandteil „An der Taubertsmühle“ liegt rund einen Kilometer westlich von Cossengrün im Vogtländischen Oberland. Mit seinen etwa 2,3 Hektar (inkl. angrenzender NABU Flächen inzwischen über 4 ha) zählt er zu den kleineren, aber ökologisch besonders wertvollen Schutzgebieten im Landkreis Greiz. Die Lage in der vogtländischen Diabaskuppenlandschaft macht das Gebiet geologisch wie biologisch einzigartig.

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Glaucopsyche nausithous) © Foto: Leo / fokus-natur.de
🌳 Landschaft & Lebensräume
Auf engem Raum treffen hier außergewöhnlich viele Strukturen aufeinander:
- Laubmischwälder mit alten Baumstrukturen
- Halbtrockenrasen – eines der artenreichsten Biotope Mitteleuropas
- Felsbildungen und Geröllfluren der Diabaslandschaft
- Hecken- und Waldränder als wertvolle Übergangszonen
- Natürliches Fließgewässer
- Extensive Feuchtwiese
- Kleingewässer
Diese Vielfalt schafft ideale Bedingungen für spezialisierte Arten wie: - Zauneidechse
- Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (FFH Art, Anhang II & IV)
- Wolfsmilchschwärmer
- Blauer Eichenzipfelfalter
- Heide und Pechnelke
- Teichmolch
- Feldgrille

Reste der Taubertsmühle von oben © Foto: Leo / fokus-natur.de

Reste der Taubertsmühle © Foto: Leo / fokus-natur.de

Reste der Taubertsmühle © Foto: Leo / fokus-natur.de
🏚️ Die Taubertsmühle – Geschichte eines verschwundenen Bauwerks
Die Taubertsmühle war einst eine kleine Wassermühle im abgelegenen Tal südlich von Greiz. Mit dem Niedergang der Mühlenwirtschaft verfiel das Gebäude zunehmend. Bis in die 2010er Jahre existierten noch Mauerreste und ein gemauerter Keller.
Da die Ruine einsturzgefährdet war und wertvolle Biotope überwucherten, wurde das Gebäude im Zuge der Naturschutzmaßnahmen vom NABU schonend zurückgebaut. Der historische Keller blieb erhalten und wurde zu einem Fledermausquartier umgestaltet.
Heute profitieren davon u. a.:
- Zwergfledermaus
- Braunes Langohr
- Wasserfledermaus
🦇 Ein neuer Lebensraum aus altem Gemäuer
Der NABU nutzte die Natursteine des abgetragenen Gebäudes, um:
- Steinhaufen für Reptilien & Insekten aufzuschichten
- Einfluglöcher und Spaltenquartiere für Fledermäuse zu schaffen
Solche Felsenkeller sind in der Region selten – umso wichtiger ist dieses Ganzjahresquartier.
🌼 Hotspot für Artenvielfalt
Das Gebiet ist ein bedeutender Rückzugsraum für seltene Arten. Besonders hervorzuheben:
- Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, eine FFH Art, deren Vorkommen die hohe Qualität der Wiesen bestätigt.
- Strukturreiche Waldränder und ein natürliches Fließgewässer, die Fledermäusen, Wildbienen, Laufkäfern und Tagfaltern Lebensraum bieten.
Ein Schutzwürdigkeitsgutachten von 1996 dokumentierte bereits:
„175 Pflanzenarten, 5 Säugetierarten, 3 Kriechtierarten, 77 Spinnenarten, 11 Heuschreckenarten, 43 Wildbienenarten und 27 Tagfalterarten.“ (Zitat aus dem Gutachten)
🔧 Naturschutz heute: Pflege & Entwicklung
Der NABU-Kreisverband Gera-Greiz betreut das Gebiet seit 2018 intensiv. Regelmäßige Einsätze und eine extensive Beweidung dienen dazu:
- Verbuschung entfernen
- Halbtrockenrasen offenhalten
- mosaikartige Mahd mit Abtransport des Mahdguts
- Fels- und Schotterfluren freistellen
- Lebensräume für Schmetterlinge, Reptilien & Fledermäuse sichern
Diese Maßnahmen sind entscheidend, da viele Arten lichte, halboffene Landschaften benötigen.
🤝 Naturschutz verbindet
Durch die Entdeckung des Ameisenbläulings entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen:
- NABU Gera-Greiz
- NABU Weimar-Apolda
- NABU-Stiftung Nationales Naturerbe
Gemeinsam konnten 2024 weitere 0,5 ha Feuchtwiese mit Wiesenknopfbestand erworben werden – ein wichtiger Schritt zur geplanten Erweiterung des Schutzgebiets.
🔭 Blick in die Zukunft
Der NABU plant:
- den Ankauf weiterer angrenzender Wiesenflächen
- die Erweiterung des Schutzgebiets
- weitere Maßnahmen zur Förderung seltener Arten
Für diese Arbeit werden Spenden und ehrenamtliche Helfer benötigt – jede Unterstützung hilft, dieses Naturkleinod dauerhaft zu bewahren.
📚 Quellenverzeichnis zum GLB „An der Taubertsmühle“
🔹 Primärquellen (offizielle Stellen, NABU, Stiftung)
- NABU Gera Greiz e.V. Gemeinsamer Einsatz für den Naturschutz – Rückblick auf das Treffen in der Taubertsmühle (2025). Enthält Informationen zu Artenvorkommen, Geschichte, Pflegearbeiten, Rückbau der Mühle, Fledermauskeller, Flächenankauf und Zusammenarbeit mit NABU Weimar-Apolda.
- NABU Stiftung Nationales Naturerbe Ab in den Winterschlaf – NABU Stiftung sichert Winterquartiere für Fledermäuse (2019). Belegt: Rückbau der Mühle, Ausbau des Fledermauskellers, Arten (Zwergfledermaus, Braunes Langohr), Flächenerwerb 2018.
- Natürlich Vogtland – Geschützte Landschaftsbestandteile GLB An der Taubertsmühle (2024). Offizielle Angaben zu Lage, Größe (2,3 ha), Artenliste, Schutzstatus (Ausweisung 05.05.1998).
🔹 Presse & regionale Berichterstattung
- Vogtlandspiegel Die Geschichte eines Naturkleinods steht kurz vor ihrer glücklichen Vollendung (2024). Enthält Hintergrund zur Entwicklung seit den 1990ern, Artenvorkommen, Rückbau der Mühle, Fledermauskeller, Flächenankäufe und Pflegearbeiten.
🔹 Weitere relevante Quellen (Projektkontext)
- NABU Gera Greiz – Projektübersicht Flächennaturschutz – An der Taubertsmühle (GLB) (Projektseite, Hintergrundinformationen, Pflegekonzept, regionale Einordnung).
✔️ Was dieses Quellenverzeichnis abdeckt
• Ausweisung 1998 (Landkreis Greiz)
• Flächenerwerb 2018 durch NABU Stiftung
• Rückbau der Mühle & Ausbau des Fledermauskellers
• Artenvorkommen (Zauneidechse, Ameisenbläuling, Wolfsmilchschwärmer, Fledermäuse etc.)
• Pflegemaßnahmen (Entbuschung, Mahd, Freistellung von Felsfluren)
• Geplante Gebietserweiterung
• Kooperation NABU Gera Greiz ↔ NABU Weimar Apolda