Überlebenskünstler im Frost- Wie überwintern unsere Insekten? - Teil 1
Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)

Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) © Foto: Leo / fokus-natur.de
Unsere mitteleuropäischen Insekten überstehen die Wintermonate auf unzählig unterschiedliche Weisen. So suchen manche vor Frost geschützte Verstecke, um dort als Ei, Puppe, Larve oder als voll entwickeltes Insekt (Imago) zu überdauern. Andere fliegen teilweise sehr weit in wärmere Regionen und wieder andere haben Frostschutzmittel im Blut.
Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) übersteht ohne Schutz winterliche Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius.
Glycerin, Sorbit und spezielle Proteine sorgen dafür, dass dieser bei uns heimischer Schmetterling sich meist völlig ungeschützt vor Schnee und Eis an Efeublätter, Brombeersträucher oder zwischen Äste bzw. trockenes Laub hängen kann. Perfekt getarnt wird er deshalb auch als lebendes Blatt bezeichnet.
Der Zitronenfalter ist ein absoluter Ausnahmeschmetterling und war Schmetterling des Jahres 2022. Er ist von allen mitteleuropäischen Arten der Einzige, der auf diese Art und Weise im Frost überwintert. Weltmeister ist er sogar hinsichtlich seiner Lebenserwartung: Kein anderer Schmetterling der Welt kann wie er 12 Monate alt werden! Im Frühjahr ist er einer der ersten, den man wieder fliegend beobachten kann. In Ruhe klappt er sofort seine Flügel zusammen und wärmt sich seitlich von der Sonne auf.
Andere Arten, die auch bei uns überwintern, wie Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und C-Falter können wir in frostsicheren Schuppen, Kellern, Dachstühlen oder in hohem Gras finden. Wer solch ein lebloses Tier entdeckt, sollte es unbedingt an diesem Ort belassen und im Frühjahr dafür sorgen, dass es nach draußen fliegen kann, weil es sonst verhungern würde.