Naturschutztag ohne Naturschutzverbände?

BUND Thüringen, NABU Thüringen und GRÜNE LIGA Thüringen kritisieren einseitige Schwerpunktsetzung des Thüringer Naturschutztages

Erfurt, 30. Oktober 2026 – Die Thüringer Naturschutzverbände kritisieren mangelnde Beteiligung im Programm des vom Umweltministerium organisierten Naturschutztages.
Statt unterschiedliche Perspektiven auf den Naturschutz zusammenzubringen, dominieren auf der Veranstaltung die Interessen der Landnutzung: Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Fischerei prägen die thematischen Schwerpunkte.

Das von Minister Kummer als „Forum für Begegnung und Dialog“ angekündigte Format lässt ausgerechnet die Naturschutzorganisationen der Zivilgesellschaft außen vor, die sich täglich für den Erhalt der Artenvielfalt und den Schutz von Lebensräumen einsetzen. Wer über die Zukunft des Naturschutzes spricht, darf diejenigen nicht an den Rand drängen, die ihn ehrenamtlich tragen.

Mit einer eigenen Naturschutzerklärung legen die drei Verbände BUND Thüringen, NABU Thüringen und Grüne Liga Thüringen konkrete Forderungen für einen wirksamen Natur- und Artenschutz in Thüringen vor. Sie fordern, Gewässer, Auen und Feuchtgebiete zu renaturieren, naturnahe Wälder und Wildnisgebiete zu stärken und den natürlichen Klimaschutz verbindlich zu verankern. Dafür braucht es eine leistungsfähige Naturschutzverwaltung, starke zivilgesellschaftliche Akteure und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Land- und Forstwirtschaft.

Voraussetzung für wirksamen Naturschutz ist zudem eine langfristig gesicherte Finanzierung. Naturschutzprogramme müssen bedarfsgerecht ausgestattet und die Thüringer Natura-2000-Stationen dauerhaft abgesichert werden.

Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen muss bei politischen Entscheidungen endlich das notwendige Gewicht erhalten. In Thüringen gelten 40 bis 45 Prozent der erfassten Tier- und Pflanzenarten als gefährdet oder bereits ausgestorben. Ein Ansatz, der vor allem auf „Schutz durch Nutzung“ setzt, reicht nicht aus, um diesen Trend umzukehren.

Zitate der Verbände:

Burkhard Vogel, Landesvorsitzender des BUND Thüringen: „Einen Naturschutztag auszurichten, ohne die Thüringer Naturschutzverbände im Programm zu Wort kommen zu lassen, ist respektlos gegenüber den vielen Menschen, die sich ehrenamtlich für vielfältige Natur und lebenswerte Landschaften einsetzen. Statt den Naturschutztag als Bühne zu nutzen, um das Engagement, die Erfahrung und das Fachwissen dieser Menschen zu würdigen, überlassen die Verantwortlichen den Tag vor allem den Interessen der Landnutzer. Das offenbart ein tiefes Misstrauen von Minister Kummer gegenüber den zivilgesellschaftlichen Akteuren des Naturschutzes in Thüringen.“

Martin Schmidt, der Landesvorsitzender des NABU Thüringen, fordert Thüringens Umweltminister Tilo Kummer auf, bei der Ausrichtung des Naturschutztages im kommenden Jahr Naturschutzthemen zu wählen, die nicht allein auf die Interessen der Landnutzenden ausgerichtet sind: „Ein gemeinsames Verständnis für die Zukunft des Naturschutzes entsteht, wenn unterschiedliche Erfahrungen, Positionen, Forderungen und die Bedeutung des Naturschutzes an sich gleichermaßen Gehör finden. Dazu müssen auch Naturschutzverbände, die nicht vornehmlich Nutzungsinteressen vertreten, schon in die Vorbereitungen eines Naturschutztages mit einbezogen werden. “

Grit Tetzel, Geschäftsführerin der GRÜNEN LIGA Thüringen: „Naturschutz steht für Vielfalt und ehrenamtliches Engagement. Beides hätte dem Naturschutztag gut zu Gesicht gestanden. So bleibt es wieder eine vertane Chance, der Vielfalt und den ehrenamtlich Tätigen im Naturschutz in Thüringen Gehör und Sichtbarkeit zu verschaffen. Eine rein verwaltungsseitig organisierte und inhaltlich ausgestaltete Veranstaltung lässt jegliches Vertrauen in die Arbeit der Naturschutzverbände in Thüringen vermissen. Naturschutz lebt von kooperativen Ansätzen. Das erleben die Verbände in ihrer täglichen Arbeit vor Ort.“


Naturschutzerklärung der Naturschutzverbände zum Naturschutztag

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