Schützen statt Schießen
Der NABU Thüringen kritisiert den Antrag der CDU-Fraktion, mit dem zahlreiche weitere geschützte Arten in den Fokus der Jagd gerückt werden sollen

Jena - Der NABU Thüringen kritisiert den Antrag der CDU-Fraktion für die aktuelle Stunde im Thüringer Landtag am 25.03.2026. Neben dem Wolf möchte die Fraktion auch Arten wie Goldschakal, Biber, Fischotter, Graugänse und Kormorane verstärkt in den Fokus der Jagdpolitik rücken und spricht gar von einer nicht abschließenden Liste.
„Systematisch werden von Teilen der Thüringer Regierungskoalition geschützte Tierarten wie Wolf, Biber, Fischotter, Graugans, Kormoran und Co. diskreditiert, um sie dann pauschal als Sündenböcke für die Probleme von Weidetierhaltenden oder anderen Landnutzenden verantwortlich zu machen“, sagt Martin Schmidt, der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. „Dabei liegen die Probleme der Landnutzenden ganz woanders. Über Jahrzehnte und bis heute missachten Parteien wie die CDU die wirtschaftlichen Probleme der weniger ertragreichen Landnutzungen wie Weidetierhaltung und sorgen dafür, dass Fördermittel aus dem EU-Agrarhaushalt mit der Gießkanne verteilt werden. Dadurch profitieren hochproduktive Landwirtschaftsunternehmen, die eigentlich gar keiner Förderung bedürfen, von den Agrarzahlungen und viel Geld fließt in ökologisch schädliche Bewirtschaftungsmaßnahmen. Für eine angemessene Unterstützung von Landnutzenden, die besonders hohe Leistungen für biologische Vielfalt und Klimaschutz erbringen, wie zum Beispiel die Arbeit von Schäfern und anderen Weidetierhaltenden, bleibt dann nicht genug im Fördertopf. Für die Unterstützung von Weidetierhaltenden braucht es mehr Anstrengungen für eine zukunftsorientierte Agrarpolitik im Land, im Bund und in der EU. Eine billige Kugel, die einen Wolf oder andere geschützte Arten tötet, wird die Probleme der Landnutzenden nicht lösen.“
Die nun nach dem Wolf ebenso ins Visier gerückten Arten erfüllen zentrale Funktionen in ihren jeweiligen Ökosystemen. Der Biber gestaltet Auenlandschaften, verbessert den Wasserrückhalt und fördert die Artenvielfalt. Das sind alles dringende Baustellen im Natur- und Klimaschutz. „Genauso ist der Abschuss von Kormoranen sinnlos, um die heimischen Fischarten zu schützen. Studien auch in Thüringen zeigen, der Winterbestand des Kormorans lässt sich durch Abschuss nicht reduzieren und der Rückgang der heimischen Fischfauna hat viele andere vom Menschen verursachte Ursachen. Möchte man die heimischen Fischarten in unseren Gewässern wirklich fördern und schützen, braucht es ein langfristiges, systematisches Vorgehen, was die Gewässer verbessert, anstelle plump die Jagd auf vermeintliche Schädlinge zu eröffnen“, sagt Martin Schmidt der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. „Die Landesregierung sollte besser endlich die Ärmel hochkrempeln und ihren im Koalitionsvertrag vereinbarten Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen auf den Weg bringen. Der Aktionsplan würde nicht nur den heimischen Fischarten und dem Hochwasserschutz dienen, sondern auch die Lebensgrundlagen von uns Menschen, wie zum Beispiel sauberes Trinkwasser schützen.“
Der NABU Thüringen fordert deshalb von der Landesregierung:
- das sinnlose Töten geschützter Tierarten zu beenden anstelle es noch mehr auszubauen;
- für eine bessere finanzielle Unterstützung von Landnutzenden zu sorgen, die sich um den Erhalt der biologischen Vielfalt und Klimaschutz kümmern;
- Herdenschutz und die Beratung der Tierhalter konsequent ausbauen, um grundlegend zu unterstützen;
- den von der Landesregierung vereinbarten Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen zu entwickeln und umzusetzen.