Vorsicht, Eindringlinge!

Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) © Foto: Wolfram

Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
© Foto: U. Adler/NABU Gera-Greiz

Kanadische Goldrute, Götterbaum, Drüsiges Springkraut, Japanischer Staudenknöterich sind Beispiele für Pflanzen, die vor langer Zeit aus anderen Erdteilen absichtlich oder aus Versehen nach Europa eingeschleppt worden sind. Man bezeichnet sie als Neophyten. Inzwischen sind über 400 solcher Arten in Deutschland bekannt. Manche von ihnen haben sich gut in unser Artenspektrum eingefügt und bereichern Gärten und Parks. Doch viele andere finden hier so günstige Bedingungen, u. a. durch höhere Temperaturen, dass sie sehr starkes Wachstum zeigen und damit andere Pflanzen verdrängen. Sie sind sehr schwer zu entfernen, weil sie ein extrem festes Wurzelgeflecht (Rhizom) haben. Die meisten sind außerdem für unsere Insekten- Vogel- und Säugetierwelt nutzlos, da sie keine Nahrung bieten und kein Tier in ihnen wohnen kann. Die Verbreitung erfolgt über Rhizome, Samen und durch die Menschen. Haben wir sie einmal in unseren Gärten und dezimieren sie durch Schnitt, werfen die Pflanzenteile in den Wald (was natürlich verboten ist), wurzeln sie an. Auch beim Versuch, die Pflanzenreste zu kompostieren, entstehen neue Pflanzen.

Das Bundesamt für Umwelt und Naturschutz hat aktuell 46 Pflanzenarten, die in Europa als stark invasiv eingestuft wurden, veröffentlicht. Leider ist es den Gartenmärkten nicht verboten, sie zu verkaufen, - ähnlich wie zuckerhaltige Getränke - . Jeder weiß, dass sie schaden, trotzdem werden sie angeboten.

Götterbaum (Ailanthus altissima)
© Foto: Wolfram

Aber auch die übrigen, noch nicht als invasiv eingestuften 360 gebietsfremden Pflanzen, sind schädlich für unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Zwei Beispiele zur Erklärung: Insekten, die auf eine bestimmte Blütenform spezialisiert sind, finden statt der Blüten, an die ihre Mundwerkzeuge angepasst sind, nur Blüten, bei denen sie nicht an Nektar und Pollen heran kommen und verhungern. So kann es sich auch mit manchem Raupenfutter verhalten. Findet die Raupe nicht die eine Pflanzenart, auf die sie spezialisiert ist, kann sie sich nicht zum Schmetterling entwickeln. Diejenigen Insekten, die in der Lage sind, alle Blüten und alle Pflanzen zu nutzen (sog. Generalisten), sind damit klar im Vorteil und vermehren sich ungleich mehr. Spezialisten verschwinden und mit ihnen die Vielfalt. Vielfalt wiederum ist für uns Menschen wichtig, weil sie unsere Welt stabil macht gegen Störungen wie Unwetter, Seuchen, Ernteausfälle durch Kahlfraß bei Massenvermehrung einer Art u.a.

Beispiele:

  • Forsythie: kein Nektar, keine Pollen
    • Alternative: Kornelkirsche
  • Flieder: kein Nektar, keine Pollen
    • Alternativen: Wolliger Schneeball, Schwarzer Holunder
  • Weiße Schneebeere (Knallerbse): invasive Ausbreitung
    • Alternativen: Wolliger Schneeball, Gemeiner Schneeball
  • Sommerflieder: invasive Ausbreitung, keine Nahrung für Raupen
    • Alternative: Flockenblume
  • Kirschlorbeer: auch für Tiere giftige Blätter, kein Raupenfutter
    • Alternativen: Roter Hartriegel, Hainbuche, Haselnuss, Eingriffliger Weißdorn
  • Japanischer Spindelstrauch: für Mensch und Tier in allen Teilen stark giftig, kein Raupenfutter
    • Alternative: Pfaffenhütchen
  • Kanadische Goldrute: kaum Nahrung für Insekten, breitet sich sehr effektiv über Samen und Wurzel-ausläufer aus, sodass dichte artenarme Bestände entstehen. Jede einzelne Pflanze hat ca. 19 000 Samen!
    • Alternativen: heimische Gewöhnliche Goldrute mit überaus hohem Wert für Wildbienen und Schmetterlinge, Johanniskraut, Gilbweiderich, Rainfarn

Zur Bestimmung von Pflanzen gibt es verschiedene Apps, die KI ist oft nicht korrekt.
Empfehlung:

Die genannten Beispielpflanzen haben wir schon Jahrzehnte in unseren Gärten, warum sollen sie plötzlich schädlich sein? Weil die Zahl der heimischen Pflanzen in den letzten Jahren stark zurück gegangen ist und mit ihnen Tiere, Pilze und Mikroorganismen, die von und mit ihnen leben. Alle sind voneinander abhängig. Das Gleichgewicht ist jetzt stark gestört, sodass unzählige Lebewesen ohne unser Eingreifen keine Chance mehr haben, zu überleben.

Wir haben in Deutschland rund 900 000 Klein-Gärten. Dazu kommen noch Privat- und Hausgärten, Terrassen und Balkone sowie öffentliche Grünflächen und Parkanlagen. Diese ergeben zusammen eine riesige Fläche und sind ein großes Potential für die Verbesserung unserer Artenvielfalt. Jeder Gartenbesitzer kann selbst entscheiden, wie verantwortungsvoll er mit seinem Grünland umgeht. Vielleicht gibt es in der kommenden Pflanzzeit den ersten Schritt mit einem Bäumchen, das hier zu Hause ist oder einer Staude einer Art, die es auf unseren Wiesen schon lange nicht mehr gibt.

In dem Sinne, wie es Albert Schweitzer sagte:
„Das Wenige, was du tun kannst, ist viel!“

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