Aktuelle Beiträge und Informationen zu regionaler und nationaler Naturschutzarbeit


Katastrophale Abstimmung im EU-Agrarausschuss

Selbstbedienung der Agrarindustrie muss ein Ende haben

Intensive Landwirtschaft
Foto: Leo/fokus-natur.de

„Statt die Weichen für mehr Artenvielfalt und Umweltschutz in der Landwirtschaft zu stellen, fährt der EU-Agrarausschuss heute alle positiven Impulse gegen die Wand. Wir fordern den Neustart der GAP-Verhandlungen und die Neuordnung der Zuständigkeiten.

April 2019 Es war zu befürchten, dass die heutige Abstimmung im EU-Agrarausschuss nicht allzu positiv für Artenvielfalt und Umwelt ausfallen und der Agrarausschuss den Vorstoß des Umweltausschusses von vor wenigen Wochen verwässern würde. Doch mit ihren derart katastrophalen Entscheidungen hat die Mehrheit der Abgeordneten im Agrarausschuss klar gemacht: Sie wollen keine umweltverträgliche Landwirtschaft. Sie wollen wie seit Jahrzehnten weiter Subventionen an die Agrarindustrie verteilen.

Mit der heutigen Abstimmung ignorierten die meisten Ausschussmitglieder das alarmierende Insektensterben, die Kritik des Europäischen Rechnungshofs an den flächenbasierten Direktzahlungen sowie das Votum der EU-Bürger für mehr Umweltschutz in der Agrarpolitik. Die schwachen Versuche der EU-Kommission, die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2021 in eine naturverträgliche Richtung zu lenken, sind damit vorerst gescheitert.

„Die Reformunwilligkeit des Agrarausschusses ist Wahnsinn. Wie viele Belege brauchen wir denn noch, dass die bisherige Agrarpolitik desaströs ist? Vögel verschwinden, Insekten sterben, Höfe machen dicht. Wissenschaftler drängen vehement auf eine Kehrtwende, die Bevölkerung ebenso. All das ignoriert der Agrarausschuss. Daher darf man ruhig mal fragen, in wessen Interesse dieses Gremium eigentlich agiert? In dem der kleinen und mittelständischen Landwirte, der Natur und der Steuerzahler sicherlich nicht!“

— Olaf Tschimpke, NABU-Präsident

NABU fordert Neustart der Verhandlungen nach der Europawahl

Um die Naturschutz- und Klimaziele einzuhalten, ist laut NABU ein grundlegend anderer Gesetzesvorschlag nach den EU-Wahlen notwendig. Dabei darf es nicht mehr primär um das Einkommen einer kleinen Gruppe von Empfängern innerhalb der Landwirtschaft gehen und um die Wahrung der Geschäftsinteressen der Pestizid- und Düngemittelindustrie, sondern um das Gemeinwohl.

Seit Jahrzehnten sind die Agrarressorts durchsetzt von Besitzstandswahrern. Ihr Zugriff auf den größten EU-Haushaltsposten muss daher erheblich beschnitten werden. Dieses System ist nur reparabel, wenn die Zuständigkeiten für diese weitreichenden Entscheidungen künftig in Hände gelegt werden, die sich dem Gemeinwohl mehr verpflichtet fühlen.

Das bedeutet, dass die EU-Agrarpolitik zukünftig auch von den Ressorts für Regionalentwicklung, Verbraucherschutz, Wettbewerb und Umwelt verhandelt werden muss.

Positiver Vorstoß des Umweltausschusses im Keim erstickt

Wichtige Impulse für den Übergang in eine naturverträgliche Politik hatte vor wenigen Wochen der Umweltausschuss aufgezeigt. Mitte Februar hatten die Mitglieder parteiübergreifend gefordert, ab 2021 deutlich stärker in den Schutz von Arten und Lebensräumen zu investieren. Sie empfehlen, von den derzeit 58 Milliarden Euro des EU-Agrarbudgets 15 Milliarden künftig gezielt in den Schutz der Natur fließen zu lassen. Diese Summe ist pro Jahr nach Schätzungen der Umweltverbände mindestens erforderlich, um das rasante Artensterben in Europa zu stoppen.

Doch statt diese erforderliche Summe zu bestätigen, rührte der Agrarausschuss heute weiter Beton an für die höchst ineffizienten Direktzahlungen. Sie machen derzeit mehr als 70 Prozent des Agrarhaushalts aus und fördern vor allem den Besitz von Fläche – egal ob auf darauf hochintensiv oder naturschonend gearbeitet wird. Darüber hinaus strichen die überwiegend konservativen und liberalen Mitglieder geltende Umweltstandards innerhalb der GAP schamlos, wie etwa die verpflichtenden produktionsfreien Flächen zur Förderung der Artenvielfalt. Nach den Plänen des Agrarausschusses soll damit künftig sogar noch weniger Geld für den Umweltschutz zur Verfügung stehen als bislang.

Agrarministerin Klöckner weiterhin taten- und ideenlos

Der NABU kritisiert, dass auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner keine Ambitionen zeigt, den dringend erforderlichen Kurswechsel anzugehen. Auch ein Jahr nach Amtsantritt hat sie noch immer keinen Vorschlag vorlegt, wie sie sich eine umweltverträgliche EU-Agrarpolitik vorstellt. Bis heute ignoriert sie zudem die Empfehlungen des Europäischen Rechnungshofs und die ihres eigenen wissenschaftlichen Beirats, die unmissverständlich ein Ende der Direktzahlungen fordern.“


Volltext und Qulle


Einladung zur NABU-Ideenwerkstatt

Werte Naturfreund-innen/e,

im Anhang des heutigen Sondernewsletters erhaltet Ihr die Einladung zur NABU Ideenwerkstatt in 07554 Gera Dorna.

Diese Veranstaltung findet am 09. März 2019 in der Zeit von 10:00 – 16:00 Uhr im Altes Pfarrhaus in Dorna statt und ist auf eine Teilnehmerzahl von 35 Personen begrenzt.

Wer sich an dieser Veranstaltung beteiligen möchte, meldet sich bitte beim NABU Thüringen an.

NABU Thüringen
Leutra 15, 07751 Jena
Tel.: 03641 605704
Lgs@NABU-Thueringen.de


Einladung


Spanien extensiv – eine fotografische Entdeckungsreise am 25. Januar 2019

Herzliche Einladung zum NABU-Vortrag mit Torsten Pröhl

Liebe Naturfreunde,

am Freitag, den 25.01.2019 findet um 18 Uhr im beheizten Gemeinderaum – direkt neben der St Petri Kirche in Dorna – der nächste Bildervortag, in Zusammenarbeit mit dem NABU Gera-Greiz, statt. Torsten Pröhl aus Kummer bei Schmölln nimmt Sie in seiner unterhaltsamen Art mit auf eine fotografische Entdeckungsreise durch Spanien.

Großtrappe (Otis tarda)
Foto: Torsten Pröhl/fokus-natur.de

Alte, über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaften gelten als wahre Hotspots der Artenvielfalt. Ein durch unterschiedliche Bewirtschaftungsformen entstandenes Mosaik höchst vielfältiger Lebensräume sowie die häufig extensive Nutzung, bieten einer großen Zahl von Tier- und Pflanzenarten geeignete Lebensbedingungen, von den Pyrenäen im Norden bis zur Südspitze bei Gibraltar. Vor allem Greifvögel leben in Spanien in einer für Europa außergewöhnlichen Arten- und Individuendichte. Neben Adlern und Geiern werden auch weitere Besonderheiten, wie Groß- und Zwergtrappen, aber auch die vielfältige Welt der Amphibien, Reptilien und viele seltene Pflanzenarten vorgestellt.

Wir freuen uns, Sie / euch zu diesem Vortrag einladen zu dürfen. Der Eintritt ist frei; um eine Spende für die Deckung der Nebenkosten wird gebeten; darüber hinaus zusammen kommende Gelder dienen dem Naturschutz vor Ort.

Es ist ratsam, das Auto im Ort abzustellen und die letzten Meter zu Fuß zu gehen (Adresse für Navigationsgerät: 07554 Gera Dorna, Nr. 2), insbesondere auch, wenn sich das Winterwetter der letzten Tage an diesem Abend wiederholen sollte!

Auf ein Wiedersehen freuen sich Mario und Annett Scholz vom NABU Kreisverband Gera-Greiz e.V.


Veröffentlichungen zum Artenschutzturm Bad Köstritz

Aktuelle Informationen zum Projekt Artenschutzturm an der Elster

Der NABU Gera-Greiz e.V. startete am 22.10.2018 das Projekt: Umgestaltung des alten Trafohauses in der Flur Pohlitz an der Elster in Bad Köstritz zu einem Artenschutzturm für Vögel, Fledermäuse und Insekten

Der NABU Gera-Greiz möchte ein altes Gebäude sinnvoll nutzen und damit seinen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten und zugleich aufzeigen, wie unseren Tieren durch Anbringen von Nistkästen eine sichere Heimstatt geboten werden kann.

Nach nur 6 Wochen Umbauzeit sind am 30.11.2018 die Hüllen am neuen Artenschutzturm gefallen. Die meisten und wichtigsten Arbeiten sind geschafft. Für Fledermäuse, Vögel und Insekten sind Nistplätze, Brutstätten und Tagesverstecke errichtet worden. So wurden zum Beispiel 40 doppelte Mehlschwalbennester, 24 Dohlenkästen, 24 Fledermauskästen, vier Nischenbrüterkästen und für Stare und Singvögel 24 Nistkästen an der Außenfassade installiert und zahlreiche Sitzmöglichkeiten geschaffen.

Während der gesamten Umbauzeit haben wir eine große Resonanz aus der Bevölkerung erfahren. Vorbeikommende haben interessiert nachgefragt und auch Vorschläge unterbreitet oder zum Beispiel Absperrband zur Verfügung gestellt. Das alles hat uns sehr motiviert. Insgesamt bis zu 15 ehrenamtliche Helfer haben zum Gelingen des Projektes aktiv beigetragen. Es wurden Eisenteile abgebaut, geflext, gestemmt, gebohrt, gehämmert. Mindestens 400 Stunden sind da zusammengekommen. Auch an den Wochenenden wurden Einsätze geleistet.
Ohne diese engagierten und tatkräftigen Helfer hätten wir das nicht geschafft. Die Firmen Dachdeckerservice Stefan Kowollik und Roggemann Baudienstleistungen aus Greiz haben das Gerüst gestellt, das Dach errichtet bzw. die Maurer- und Putzarbeiten getätigt. Hier funktionierte die Zusammenarbeit mit den Organisatoren des NABU Gera-Greiz, den Helfern und den Handwerkern ausgezeichnet. Die Handwerker hatten immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen und Sonderwünsche und haben uns mit guten Ratschlägen unterstützt und Herrn Kowollik hat auch noch eine Eisentür kostenfrei zur Verfügung gestellt und eingebaut.

Den Helfern und den Handwerkern sagen wir vielen, vielen Dank.

Finanziert wurde das Projekt zu 85 % durch das Thüringer Landesverwaltungsamt im Rahmen des NALAP-Programms. Den verbleibenden Teil können wir zum größten Teil durch Spenden abdecken und den Rest übernimmt der NABU Gera-Greiz.
Die geleisteten und zugesagten Spenden betragen derzeit knapp 3.000,00 €. 25 Privatpersonen, das Chemiewerk Bad Köstritz und die Köstritzer Schwarzbierbrauerei haben damit so zu sagen einen Großteil der Nistkästen und Unterschlüpfe für Vögel und Fledermäuse durch ihre Spende finanziert.

Die Vielzahl der Spender zeigt uns, dass ein großes Interesse an unserem Projekt besteht und dass offensichtlich viele Menschen das fortschreitende Artensterben wahrnehmen und etwas dagegen tun wollen. Wir haben uns über die Spenden sehr gefreut und möchten uns ganz herzlich bei jeden der Spender bedanken. Unser Dank gilt auch der Firma SBH Südost aus Gera. Unter der Leitung von Herrn Fischer wurden Nistgelegenheiten für die Schleiereule, für Fledermäuse und den Steinkauz hergestellt und uns für den Artenschutzturm übergeben.
Und nicht zuletzt danken wir auch den Pächtern der anliegenden Grundstücke für ihr Verständnis und ihr Entgegenkommen, was uns einen reibungslosen Ablauf der Umgestaltungsmaßnahmen ermöglichte. Auch den Mitarbeitern der Stadtverwaltung Bad Köstritz und der TLUG Jena sind wir für manch guten Hinweis, für ihr Verständnis und ihre Bemühungen dankbar.

Ganz ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. Im Inneren des Turmes sind noch Maurer- und Aufräumarbeiten notwendig. Auch sollen noch Nistkästen, Rauchschwalbennester und Fledermauskästen angebracht werden. Im Außenbereich ist noch etwas Ordnung zu machen und ein paar Farbtupfer soll der Turm auch noch erhalten. Dies passiert in den nächsten Monaten, je nach Wetterlage. Insgesamt bleibt das wohl Spannendste: Beobachten, ob da jemand und wer da wohl einziehen wird.

Gerne können uns Interessierte von ihren Beobachtungen berichten und über unsere Internetseiten www.nabu-gera-greiz.de oder www.natuerlich-vogtland.de Kontakt aufnehmen.

Der NABU Gera-Greiz hat auch schon ein neues Trafohaus im Visier und ist immer interessiert an neuen aktiven Mitstreitern. Wir wünschen allen seinen Förderern und Unterstützern, allen Naturinteressierten und ihren Familien ein gutes neues Jahr und viele tolle Naturbeobachtungen.


Kontakt

NABU-Kreisverband
Gera-Greiz e.V.

c/o Ingo Eckardt
Franz-Philipp-Straße 9
07937 Zeulenroda-Triebes
vorstand@nabu-gera-greiz.de

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