Abschied und Ungewissheit

Küstenseeschwalbe © Foto: Frank Leo
Viele Tiere verlassen uns in Frühsommer bis Herbst millionenfach wegen drohender Kälte und mangelndem Nahrungsangebot.

Küstenseeschwalbe © Foto: Frank Leo
Vögel fliegen in ihre Heimat, nachdem sie bei uns ihre Jungen aufgezogen haben. Es ist ein Kommen und „Gehen“, denn andre Arten fliegen aus nördlicheren Brutgebieten für den Winter zu uns. Manche Vogelarten kann man deshalb bei uns nur während des Winterhalbjahres beobachten. Insgesamt gibt es große Unterschiede, welche Strecken und wie weit sie fliegen. Sogenannte Kurz- und Mittelstreckenzieher fliegen z.B. von Mitteleuropa nach Nord- und Mittelafrika, Langstreckenzieher kommen von weiter nördlich und haben einen langen Weg bis tief in den Süden. Der Langstreckenrekordler aller Zugvögel ist die Küstenseeschwalbe. Ihr Brutgebiet liegt im Nordpolargebiet, sie überwintert aber im Südpolarbereich! Dafür fliegt sie in pro Jahr 30 000km. Einzelne Individuen legen nach neuesten Untersuchungen sogar 90 000km zurück! Aber warum tun Vögel das und wie schaffen sie die großen Strecken?
Die Antwort liegt vor allem beim Nahrungsangebot. Viele Vögel sind spezialisiert auf ganz bestimmte Art von Nahrung. Die vielen Insekten des mitteleuropäischen Sommers sind Eiweißspender für die Jungenaufzucht. Im Winter müssen die Vögel umsteigen auf Körnerfutter mit viel Fett. Das Fett hilft, die Kälte des Winters zu überleben. Arten, die das aber nicht können, müssen woanders hin fliegen, wo Nahrung und Wärme zur Verfügung stehen. Für Fisch fressenden Arten ist die Zeit zum Jagen zu kurz, wenn die Sonne früher unter geht. Deshalb folgen sie dem Licht. Wie z. B. die Küstenseeschwalbe. Ihre beiden Lebensräume bieten jeweils 8 Monate Tageslicht für ihre Jagd. Das kostet sie einen hohen Preis, denn die lange Reise birgt unzählige Gefahren und es ist für jedes Tier sehr ungewiss, ob es die Reise überleben wird.
Es gibt auch einen Vogel, der 9 Tage non-stop 12.000 km fliegt! Davon und von Schmetterlingen, sowie Säugetieren, die uns im Winter verlassen, im nächsten Beitrag.
Text: Undine Adler