Rieseninsekten Teil 2

Illustration der Riesenholzwespe in verschiedenen Lebensabschnitten:
Larve (r.), Puppe (u.l.), Imago Männchen (o.r.) und Imago Weibchen (l.).
© Foto: W. Wing in „Proceedings of the Zoological Society of London“ (1849), gemeinfrei
Die Larve der Riesenholzwespe macht den Eingang an der Rinde mit Holzspänen unsichtbar, um sich vor Fressfeinden zu schützen, was in unseren Wohnungen zu absonderlichen Vorfällen führen kann: Wird der Baum nach dem Befall verarbeitet, ist es möglich, dass nach Jahren aus einem Möbelstück oder einer Treppe die entwickelte Riesenholzwespe (Imago) hervorkommt! Lassen Sie sie fliegen! Das harmlose Insekt ohne Giftapparat legt seine Eier nur in frisches Holz, nicht in Ihre Möbel! In der Forstwirtschaft wird die Wespe zwar als Holzschädling eingestuft, doch befällt sie keine unverletzten Bäume. Sollte jemand im Garten eine Zuckerhutfichte mit der Säge bearbeiten, kann eine Wespe durch reichlich frisch duftendes Harz angelockt werden. Vielleicht wird einer ihrer Fressfeinde sie oder ihre Kinder verspeisen. Das sind Spechte und andere insektenfressende Vögel sowie ein weiteres für uns harmloses Rieseninsekt: Die Holzwespenschlupfwespe (Rhyssa persuasoria), selbst fast 4cm lang, war Insekt des Jahres 2025. Sie ist ein Parasit mit dem richtigen Riecher. Der typische Geruch des Pilzes, mit dem die Larven der Riesenholzwespe in Symbiose leben, verrät der Schlupfwespe deren Lage im Holz. Ihr sehr langer Legebohrer (fast ebenso lang, wie der ganze Körper) ist dreiteilig und von 2 Schutzklappen umhüllt. Durch ihn spritzt das Weibchen ein Gift in die Holzwespenlarven, von dem die Larven gelähmt werden. Dann lässt sie ein haarfeines, 20mm langes Ein an die gelähmte Larve gleiten. Innerhalb weniger Wochen wird die parasitäre Larve die Holzwespenlarve vertilgen, um sich dann selbst zu verpuppen und im Holz zu überwintern. Schlupfwespenarten haben sehr unterschiedliche Lebensweisen, ihre Larven leben jedoch ausnahmslos parasitisch oder parasitoid. Sie sind in vielen Lebensbereichen als Regulatoren der Vermehrung von Schädlingen von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung für den Menschen (Prof. Dr. Ulrich Sedlag, „Insekten Mitteleuropas“).